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Insolvenz der Architekten : Gestrandet am Flughafen München

Teurer Neubau: Blick aus dem Satelliten am Flughafen München Bild: AFP

Das Architekturbüro Koch+Partner hat in München Terminal 2 und den neuen Satelliten gebaut. Nun ist das Büro insolvent. Die Auftraggeber zahlen nicht mehr und klagen über Baumängel.

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          Seit das neue Abfertigungsgebäude auf dem Vorfeld des Terminal 2 am Flughafen München Ende April in Betrieb gegangen ist, hat es keine Probleme gegeben; einmal von einem heraushängenden Kabel oder einer fehlenden Abdeckung abgesehen. Stolz verkündete Michael Kerkloh, Chef des Betreibers Flughafen München GmbH (FMG), eine erfolgreiche Pannenlosigkeit, was bei Großprojekten wie dem Berliner Flughafen BER oder der Hamburger Elbphilharmonie nicht selbstverständlich ist. Selbst Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU), zugleich FMG-Aufsichtsratschef, strotzte in der prunkvollen Eröffnung des Satelliten vor Lob für vorbildliche bayerische Baueffizienz, verbunden mit reichlich Sticheleien gegen BER.

          Rüdiger Köhn
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Ende Juni hat das Münchner Architekturbüro Koch+Partner, Generalplaner von Terminal 2 und Satellit, in einem bizarr anmutenden Pressegespräch diese scheinbar schöne Welt planerischer und baulicher Vollkommenheit zerstört. Ein Streit mit dem Flughafenbetreiber und der Lufthansa, beides Auftraggeber, eskalierte. Der schwelte gar schon eineinhalb Jahre. Es geht um ausgebliebene Zahlungen und hohe Ansprüche wegen Baumängeln. Und in eben jenem Pressegespräch mit den Geschäftsführern Norbert Koch und Jürgen Zschornack wurde klar: Sie standen mit dem Rücken zur Wand; sie sprachen von einer „existenzbedrohenden Lage“.

          Es ist fast eine Insolvenz mit Ansage gewesen. Das renommierte Architektenbüro im noblen Stadtteil Bogenhausen hat wegen drohender Zahlungsunfähigkeit genau diese angemeldet. Das Amtsgericht München hat den Rechtsanwalt Christian Gerloff als vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. „K+P hat sich auf den Insolvenzantrag sehr gut vorbereitet, was die Chancen für eine erfolgreiche Fortführung des Geschäftsbetriebs erheblich steigert“, sagte er. Unter der Ägide von Gerloff wird das Büro in vollem Umfang weiter arbeiten.

          Streit um die Honorare

          „Wir, die langjährigen Architekten des Flughafens München, sind gezwungen, wegen der Einstellung der Honorarzahlung durch die Flughafengesellschaft und der Lufthansa einen Eigenantrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen“, sagte Norbert Koch. Die Architekten des Satelliten, in der Eröffnungszeremonie noch vollmundig gelobt und verantwortlich für den Bau des 2003 in Betrieb gegangenen Terminal 2 am Flughafen im Erdinger Moos, hatten bereits Ende Juni den Generalplaner-Vertrag mit dem Auftraggeber einseitig gekündigt; eine taktisch klug eingefädelte Offensive, die die Auftraggeber in Bedrängnis bringen sollte. Er dürfte einer Kündigung durch die Betreibergesellschaft des Terminals 2 (T2) nur zuvor gekommen sein.

          Monatlich vereinbarte Honorarzahlungen von 120.000 Euro, Außenstände von 1,8 Millionen Euro und dann noch gegen sie gerichtete Ansprüche aus 217 Baumängeln von 16,4 Millionen Euro: Das war zu viel in einer über 40 Jahren währenden engen Zusammenarbeit zwischen dem Architekturbüro und dem Flughafen.

          Allerdings gab Koch zu, dass etwa die Hälfte der Außenstände strittig seien. Die eingestellten Zahlungen sind aber ursächlich, oder zumindest Auslöser, für die nun entstandenen Liquiditätsnöte des Münchener Planungsbüros, das für seine Bauten unter anderem für öffentliche Auftraggeber wie Verwaltung, Schulen und Universitäten bekannt ist.

          Es gab doch Verzögerungen

          Das Architekturbüro lehnt die Vorwürfe ab. Viele Mängel seien in der Bauphase gar nicht moniert worden. Der Generalplaner sei zudem nicht verantwortlich zu machen, da es etwa um nachträgliche Mehrvergütungen für Firmen, um 3 Millionen Euro Mehrkosten für den Gerüstbau oder um zusätzliche Reinigungskosten auf der Baustelle wegen der verlängerten Bauzeit ginge. Beiläufig kam so heraus, dass der Satellit entgegen anderer Bekundungen de facto verspätet eröffnet wurde; auch wenn der Kostenrahmen mit 900 Millionen Euro im Plan geblieben ist. Allein acht Monate habe es Stillstand gegeben, weil die Gesellschafter FMG und Lufthansa in der Planungsphase uneins über Vertragsgestaltungen gewesen seien. Aufträge für die Verbindungsbahn vom Terminal zum Satelliten seien zu spät erteilt worden. So wurde aus dem ursprünglichen Eröffnungsdatum 27. Juli 2012 zunächst der Mai 2015, dann der 27. November 2015 und letztlich der 26. April 2016.

          Ansprüche aus Baumängeln, besonders bei großen Projekten, sind in der Branche normal. Fachleute sagen, dass die Nachforderungen über 16,4 Millionen Euro in Relation zum Gesamtvolumen durchaus im Rahmen des Normalen seien, zumal es um eine verhandelbare Maximalhöhe gehe. Mit der FMG, so ist zu hören, habe es in der vermeintlich harmonischen Zusammenarbeit schon seit längerem Spannungen während des Baus gegeben.

          Nach Angaben eines Flughafen-Sprechers müssten jetzt weitere Schritte geprüft werden: „Wir werden versuchen, unsere Ansprüche trotz Insolvenz geltend zu machen.“ Endgültig bizarr wird der Streit durch einen Hinweis von Norbert Koch, wonach alle nachweisbaren Mängel haftpflichtversichert seien. Insoweit gebe es keinen Grund, die Zahlung der offenen restlichen Honorare zu verweigern.

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