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Insolvenz : Quelle bleibt auf 9 Millionen Artikeln sitzen

Ausverkauf am Ende, Quelle am Ende Bild: dpa

Die Abwicklung des Fürther Unternehmens gestaltet sich als schwierig. Der Ausverkauf der Lagerware ist nun zu Ende gegangen, und nur knapp die Hälfte der insgesamt 18 Millionen Artikel konnte verkauft werden.

          2 Min.

          Nach dem Ende der Ausverkaufs am Montag bleibt das in der Liquidation befindliche Versandhaus Quelle noch auf großen Warenbeständen sitzen. Zwar wurden mehr als 8 Millionen Artikel über das Internet und über die noch arbeitenden Call-Center verkauft. Das aber ist nur der kleinere Teil der insgesamt 18 Millionen Artikel, die mit Rabatten von 10 bis 30 Prozent angeboten worden sind.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Es habe rund 1,3 Millionen Bestellungen gegeben mit durchschnittlich sechs Teilen je Order, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters Klaus Hubert Görg der F.A.Z. Die Rücklaufquote falle immerhin relativ niedrig aus. Es bestand ein Rückgaberecht binnen zwei Wochen.

          Nicht der erhoffte Effekt

          Erst knapp die Hälfte des Lagers ist damit geräumt worden. Den endgültigen Überblick wird der Insolvenzverwalter voraussichtlich Mitte Dezember haben, wenn auch die Bestellungen aus den noch geöffneten etwa 1200 Quelle-Shops und den rund 60 Quelle Technik Centern eingegangen sind. Es besteht eine gewisse Hoffnung, dass mit der Auslieferung weiterer Haushaltsgeräte der Eigenmarke Privileg in die Technik Center noch einmal ein Schub kommt. Electrolux, der Hersteller dieser „weißen Ware“, hat vergangene Woche mehrere Zehntausende eigens für Quelle gefertigte Geräte aus dem Lagerbestand geliefert, die normale Garantie haben und zu Rabatten von mitunter 50 Prozent abgegeben werden.

          Am 1. November war mit der bislang größten Ausverkaufsaktion der Bundesrepublik begonnen worden. Es scheint, so ist aus den Unternehmenskreisen zu hören, dass die Räumaktion nicht den erhofften Effekt gebracht hat. Denn das erst in der vergangenen Woche angekündigte Ende des Abverkaufs an diesem Montag ist abrupter gekommen, als zunächst geplant war. Eigentlich sollte er noch bis in den Dezember hinein laufen.

          Zu groß aber scheinen die Fixkosten für die Abwicklung zu sein. Im Dezember werden noch 3000 Mitarbeitern beschäftigt sein, 1300 weniger, als noch im November mit 4300 Personen tätig waren. Beobachter werten das frühere Ende als Indiz dafür, dass die Aktion insgesamt enttäuschend lief. Erwartet wird nun, dass nach Abschluss der Aktion ein Verwerter für die Restbestände gesucht wird. Das dürfte sehr schwierig sein, weil das Gros der Waren in dem riesigen Hochregallager in Leipzig gestapelt ist. Das komplizierte Lagersystem, mit dem die Waren nach Umschlagshäufigkeit sortiert werden, erschwert die Abwicklung.

          Allen Mitarbeitern ist mittlerweile bis spätestens Ende Februar 2010 gekündigt worden. Dazu gehören neben den einst etwa 800 Beschäftigten im Versandzentrum in Leipzig auch die noch bis Jahresende unter Quelle arbeitenden Call-Center in Cottbus (520 Beschäftigte) und in Emden (75 Beschäftigte), die zum Jahreswechsel an die Walter Services übergehen. Dagegen wird an diesem Dienstag das Call-Center in Magdeburg mit seinen 520 Mitarbeitern geschlossen.

          „Es ist ein würdeloser Abgang“

          Dies belegt noch einmal die Tristesse um die Traditionsfirma Quelle. „Es ist ein würdeloser Abgang“, sagte ein deprimierter Quelle-Mitarbeiter in Fürth. „Hier werden die Aktenordner aus dem Fenster in die Container geschmissen.“ Insolvenzverwalter Görg betonte, dass durch die Verkäufe der vergangenen vier Wochen rund 1200 Arbeitsplätze hätten gerettet werden können. Zuerst hatte Otto für 65 Millionen Euro den Markennamen Quelle sowie das Russland-Geschäft erworben. Neben den Call-Centern wurde der Fernsehverkaufskanal HSE 24 an die private Beteiligungsgesellschaft des Versicherungskonzerns Axa veräußert. Eine Investorengruppe übernahm die Küchen Quelle. Die ostdeutsche Orwo Net übernimmt die Foto Quelle GmbH mit den Marken Foto Quelle und Revue. Görg hofft, mit dem Verkauf der Profectis GmbH, dem technischen Dienstleister, weitere 1000 Arbeitsplätze retten zu können. Die Verkaufsgespräche liefen noch, sagte sein Sprecher am Montag. Es gebe rund sechs Kaufinteressenten.

          Zunehmend geraten auch die Verkäufe der noch verbliebenen 17 Auslandsgesellschaften ins Stocken. Während Russland zu Otto gegangen ist, hat die österreichische Quelle Insolvenz angemeldet. In den baltischen Ländern soll es inzwischen zu ersten Entlassungen gekommen sein. Reges Interesse zeigten Investoren für die Schweizer Gesellschaft, wo bald mit einem Abschluss gerechnet wird.

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