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Insolventer Apothekenabrechner : Vertrauenscrash

Notlage: Gerade in der Pandemie sind viele Apotheken unverschuldet in Not geraten Bild: dpa

Die Existenz Tausender Apotheken ist bedroht. Warum hat niemand kontrolliert, ob der Rezeptabrechner AVP alle Vorgaben umsetzt?

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          Ein wichtiger Akteur am Finanzmarkt geht überraschend in die Insolvenz - und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht erklärt im Nachhinein, sie sei für weite Teile der Missstände nicht zuständig. Dieses Muster kommt einem aus dem Bilanzskandal von Wirecard bekannt vor. Im kleineren Maßstab taucht nun ein ähnlicher Sachverhalt auf.

          Im Fall des insolventen Rezeptabrechners AVP besteht das Problem, dass die Gelder Tausender Apotheken über nur knapp zwei Handvoll Konten gelaufen sind. Die konkrete Zuordnung der Mittel und damit die Rekonstruktion individueller Mittel ist damit praktisch unmöglich. Die Bafin bestreitet eine Kontrollpflicht für die Einrichtung der Konten und verweist auf das Gesetz.

          Natürlich kann eine Behörde sich nicht über das Gesetz stellen. Aber wenn schon die Bafin nicht zuständig ist, wer denn dann?

          Es ist doch so: Anleger wie Kunden verlassen sich darauf, dass Akteure der Finanzbranche einer umfassenden Prüfung unterliegen. Niemand liest in jedem Fall das Kleingedruckte.

          Stellt sich im Nachhinein heraus, dass dies in entscheidenden Teilen gar nicht der Fall ist, droht dem System auf Dauer eine schwerwiegende Vertrauenskrise. Solche Regelungslücken müssen deshalb schnellstens geschlossen werden.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

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