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Zuschlag für Airline : Das riskante Spiel des Niki Lauda

Fliegen ist seine Leidenschaft

Den Körper zu schonen, das Geld zu horten, das war nie die Sache von Niki Lauda. 1997 erkrankte er nochmals lebensgefährlich, diesmal an einer zu spät entdeckten Nierenentzündung. Es war sein Bruder, der ihm zu Hilfe eilte und eine Niere spendete. Als er einige Jahre später eine neue brauchte, opferte seine spätere zweite Ehefrau eine. Freunde hat er nicht, dieses Konzept der gegenseitigen uneigennützigen Zuneigung hat ihn nie überzeugt. Dafür hat er zweimal geheiratet und hat fünf Kinder.

Das Fliegen wurde seine zweite Leidenschaft, die ihn schließlich zu dem Geschäftsmann machte, den sein Großvater immer in ihm sehen wollte: einer, der die Wirtschaftsseiten und nicht die Sportseiten der Zeitungen dominierte. Der passionierte Flieger und ausgebildete Pilot gründete schon 1979 seine erste eigene Luftlinie, Lauda Air. In dem gleichen Jahr hatte er sich zum ersten Mal und völlig überraschend aus dem Rennzirkus zurückgezogen. Dieser Rückzug hielt nicht lange, sein Engagement in der Luftfahrtbranche hingegen schon.

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Doch auch als Unternehmer erlebte er ein Drama, den größten anzunehmenden Unfall: 1991 stürzte eines seiner Flugzeuge über Thailand ab. Mit seinem Namen war damit zum ersten Mal nicht nur das eigene Schicksal verbunden, sondern auch der Tod seiner Kunden. Das sei viel schlimmer gewesen als der spektakuläre Unfall auf dem Nürburgring, sagte er einmal.

Das Flugzeug hatte sich binnen Sekunden in der Luft gedreht, monatelang war unklar, was der Grund für den Absturz und den Tod von 223 Menschen gewesen ist. „Ich habe mich wieder und wieder in den Simulator gesetzt, um zu prüfen, ob man aus dieser Lage als Pilot wieder herauskommt“, berichtete er später. „Aber da war nichts zu machen.“ Nach einem Jahr war klar, dass ein falsch konstruiertes hydraulisches Ventil Schuld an dem Absturz hatte. Ein Konstruktionsfehler des Flugzeugherstellers.

Dennoch ging es mit Lauda Air insgesamt bergab. Zehn Jahre lang noch versuchte er sein Glück mit seiner ersten Fluglinie, dann verkaufte er sie an den Erzrivalen Austrian Airlines. Das hat ihn nicht daran gehindert, womöglich sogar angespornt, sich ins nächste Abenteuer zu stürzen, diesmal mit einer Fluglinie, die schon ein anderer heruntergewirtschaftet hatte.

Mit Niki in neue Höhen

Im Jahr 2003 gründete er Niki, zunächst flyniki genannt, aus den Überresten der pleitegegangenen Aero Lloyd Austria. Lauda hatte sein Unternehmen jahrelang selbst geführt. So manches Mal saß er auch selbst am Steuerknüppel und hat seine Kunden durch die Lüfte kutschiert. Im Jahr 2011 stieg er aus und verkaufte das Unternehmen an den damaligen Minderheitsgesellschafter Air Berlin.

Nach Lufthansas Verschmähung der Fluglinie ist Niki durch die Insolvenz immerhin von seinen lästigen Pflichten befreit. Das ist für Lauda als nüchternen Geschäftsmann wichtig. Der umtriebige Manager Utz Claassen, der im Sommer ebenfalls interessierter Investor im Übernahmepoker um Air Berlin war, attestierte ihm zudem schon vor Bekanntgabe des Zuschlags: „Lauda wäre der Richtige dafür, was Erfahrung, Herzblut und Seriosität angeht.“

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