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Mode : Kleidung wird intelligent

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Innovationen: Die Bekleidungsindustrie entwickelt Shirts gegen UV-Strahlen und Sportklamotten mit eingebautem Pulsmesser. Ob High-Tech oder Wohlbefinden. Bei moderner Kleidung ist Zusatznutzen gefragt.

          Mode muß permanent Neues bieten. Sonst verdient sie schließlich ihren Namen nicht. Doch ist Innovation in der Bekleidungsindustrie weit mehr als die Diskussion um Rocklänge, Muster oder Trendfarbe. Die wirklichen Neuerungen bei Fasern, Garnen und Ausrüstungen der Stoffe sind im Alltag eher unscheinbar. Meist geht es um den funktionalen Zusatznutzen, den die Kleidung bringen soll. Fachleute sind sich darin einig, daß die Zukunft der deutschen und europäischen Bekleidungsindustrie nicht in immer niedrigeren Preisen, sondern in immer intelligenteren Produkten liegt.

          Wind- und wasserdichte Jacken, atmungsaktive Anoraks und Sportwäsche, die die Feuchtigkeit von der Haut nach außen transportieren, sind im Sport kaum mehr wegzudenken. Schutz vor UV-Strahlen durch spezielle Fasermaterialien und Oberflächenkonstruktionen oder vor Elektrosmog durch Metallfaserbeimischungen werden zum Thema in der Bekleidungsindustrie, wie Marie-Louise Klotz, Professorin an der Hochschule Niederrhein, und die Unternehmensberatung Hermann Fuchslocher meinen.

          Sportkleidung mit eingebautem Pulsmesser

          Besonders im Sportbereich zieht High-Tech ein. Allerdings verwischen zugleich die Grenzen von der Funktionskleidung zum Alltags-Outfit. Integrierte Mobiltelefone oder Pulsmesser mögen zu den Spielereien zählen, eingebaute Ortungssysteme können bei Tiefschnee-Fahrern jenseits der Pisten schon lebensrettend sein. Neuartige Ausrüstungen von Materialien durch eingelagerte Wirk- und Pflegestoffe können Kleidung sogar zum Wellness-Produkt aufwerten.

          Da gibt es beispielsweise Strumpfhosen, die schwere Beine und trockene Haut erfrischen, oder Funktionskleidung mit hautkühlender Wirkung. Die dahinter steckende Technik liefert beispielsweise das Düsseldorfer Spezialchemieunternehmen Cognis, eine frühere Tochtergesellschaft des Henkel-Konzerns. „Skintex“ ist eine Verkapselungstechnologie, bei der Mikrokapseln in Textilien eingelagert werden. Sie werden von einer Chitosan-Schicht umhüllt, die aus Shrimpsschalen gewonnen wird.

          Schadstoffreduktion und Naturbelassenheit

          Durch die Reibung, die beim Tragen entsteht, geben die kleinen Kapseln sukzessive Wirkstoffe wie Menthol oder kostbare Öle an die Haut ab. Solche Mikrokapseln können auch Düfte enthalten und damit für mehr Frische in der Kleidung sorgen. Vielflieger schwören auf Kompressionsstrümpfe, die durch stark elastische Materialien die Füße auch nach stundenlangen Asien-Flügen schlank halten. Die Fachhochschule Niederrhein verweist zudem auf die Chancen der Nanotechnologie für Oberflächen: Der damit erreichbare Lotus-Effekt läßt Schmutzpartikel und Wassertropfen besser von der Kleidung abperlen.

          Innovation durch Reduktion von Schadstoffen testet jetzt der schwäbische Textilhersteller Trigema. Seine neuen allergikergeeigneten T-Shirts sollen kompostierbar sein und von Pilzen und Bakterien rückstandsfrei zersetzt werden. Sie bestehen aus einer Baumwolle, die frei von Düngemittel- und Pestizidrückständen ist, mit naturbelassenem Parafin versponnen und kompostierbaren Textilfarben eingefärbt wurde. Ob sie auch schick sind, wird sich zeigen.

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