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Bauindustrie : Eine Villa aus dem 3D-Drucker

Ein Traum aus Schutt: Die Villa in Suzhou. Bild: Ankenbrand

1100 Quadratmeter in zwei Tagen: In China spuckt ein 3D-Drucker Häuser aus wie am Fließband. Sein Erfinder tönt von einer Revolution in der Bauindustrie.

          Technisch ist es kein Problem, auch einen Wolkenkratzer auszudrucken“, sagt der chinesische Erfinder und Unternehmer Ma Yihe. Nur ist das selbst in China noch nicht erlaubt. Deshalb hat sich sein 3D-Drucker nach sechs Jahren Entwicklungszeit fürs Erste auf drei Stockwerke beschränkt, was das Ergebnis kaum weniger spektakulär macht. Am Rande der von lieblichen Kanälen durchzogenen Ausflugsstadt Suzhou nahe Schanghai ist auf dem Betriebsgelände der Baufirma Winsun dieser Tage eine Sensation zu bewundern: die weltweit erste ausgedruckte Riesenvilla mit einer Wohnfläche von 1100 Quadratmetern. Die Druckzeit betrug exakt zwei Tage.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Zumindest gilt diese Zeitangabe für die vertikalen Außen- und Innenmauern. Die runden Eingangssäulen im amerikanischen Protzstil, den reiche Chinesen so mögen, schafft der Hausdrucker noch nicht, auch nicht die ebenen Etagenflächen und die hübschen Balkone. 6,6 Meter hoch steht die Druckmaschine in der Werkshalle, 10 Meter breit, 40 Meter lang. Sie druckt bisher nur von unten nach oben.

          „Mein Drucker wird die Bauindustrie revolutionieren“

          Zahnpasta aus der Tube gleich presst eine Düse an einem riesigen Schwenkarm im Zickzackkurs ein 5 Zentimeter dickes Gemisch heraus, das Erfinder Ma auf den blumigen Namen „Crazy Magic Stone“ getauft hat. Verrückt ist die Mixtur aus schnell härtendem Zement, gemahlenem Bauschutt, Glas und Industrieabfällen wirklich. 80 Meter in der Minute drückt der Sprüharm heraus. Sieben der dünnen Schichtstreifen nebeneinander bilden das Mauerwerk, zwischen den Streifen klaffen Lücken, die später mit Isoliermaterial gefüllt werden. Ob dies zauberhafterweise auch so erdbebensicher ist wie eine massive Steinmauer und im Winter warm hält, ist eine andere Frage.

          Allerdings nicht für Firmenchef Ma: „Mein Drucker wird die Bauindustrie revolutionieren.“ Gelenkt wird die Schutt-Wurst von einem Computerprogramm, in das der Architekt zuvor den Bauplan eingelesen hat. So lassen sich von der einen auf die andere Sekunde unterschiedlichste Formen drucken. Bis zu 30 Prozent baue er billiger als auf herkömmliche Weise, tönt Ma, in der Wüste drucke sein Unternehmen sogar nicht nur auf dem Sand, sondern mit Sand als Teil des Baustoffs im Pastemix, das halbiere in Entwicklungsländern die Kosten. Mit Ägypten ist der Vertrag über die Lieferung von 20000 Häusern unterschrieben. „Wir können eben sehr billig anbieten.“

          Zehn Häuser in 24 Stunden

          Vor zehn Jahren hatte Firmenchef Ma die Idee zum größten 3D-Drucker der Welt, am aktuellen Modell tüftelte er sechs Jahre. Bereits vor elf Monaten versetzte der chinesische Tüftler die Welt in Staunen, als Winsun vor laufender Kamera zehn einstöckige Häuser in 24 Stunden ausdruckte. Zehn zweistöckige Druck-Büros hat Winsun bereits an einen Schanghaier Industriepark geliefert. Sechs Villen hat die Maschine als Werbeobjekte für einen Immobilienentwickler ausgespuckt.

          3D-Drucker: Die neue Technologie eröffnet interessante Perspektiven

          Das wahrhaft große Kundenpotential, die neuerdings umweltbewegte chinesische Mittelschicht, versucht Firmenchef Ma mit seiner ressourcenschonenden Öko-Bauweise zu ködern: „Für den Baustoff recyceln wir Abfälle und drucken die Häuser in der Fabrik aus. Dann zerlegen wir sie in Einzelteile und setzen die Teile wie Legosteine wieder zusammen. Ohne Baulärm, Staub und Dreck.“ Derzeit sind ein paar seiner ausgedruckten Häuser auf dem Schiff unterwegs gen Italien, wo sie im Mai auf der Weltausstellung Expo in Mailand im Pavillon der Vereinten Nationen gezeigt werden.

          Erfinder Ma gibt sich als wahrer Ingenieur, am Geld nicht interessiert, ja gar als Robin Hood der weltweiten Bauindustrie: 80 Millionen Yuan (11,5 Millionen Euro) koste eine herkömmliche Villa, der ausgedruckten Version gleich, sagt Ma Yihei – wenngleich auch wohl nur auf dem Boden Schanghais, der extrem teuer ist. Seine Druck-Villa habe Herstellungskosten von gerade mal 1 Million Yuan, behauptet Ma, umgerechnet 144000 Euro.

          „Wir decken die Wahrheit auf über die obszönen Profite der Hausentwickler.“ Die gesamte Wertschöpfungskette der konventionellen Bauindustrie könne der 3D-Druck durchbrechen. „Jene, die vorher die dicken Gewinne eingestrichen haben, sind über meinen Drucker natürlich nicht glücklich.“ Dafür kommen die Parteifunktionäre derzeit in ganzen Busladungen auf den Werkshof gefahren, der Schanghaier Parteisekretär hat sich den Riesendrucker auch schon angeschaut. „Jetzt warte ich auf Präsident Xi Jinping.“

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