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Initiative „Qualität bedeutet mehr“ : Nestlé will mehr auf Käufer und Kritiker hören

„Qualität bedeutet mehr“: Nestlé will bis 2015 Kaffee, Kakao und Palmöl nur noch aus nachhaltigen Quellen beziehen und auf Glutamat verzichten. Bild: dpa

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé beginnt eine der größten Offensiven seiner Geschichte. Für einen „hohen zweistelligen Millionenbetrag“ sollen Qualität und Nachhaltigkeit der Produkte verbessert werden.

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          Der größte Nahrungsmittelhersteller der Welt, Nestlé, will nachhaltiger werden und sich deshalb auch gegenüber Kritikern stärker öffnen. Künftig sollen Verbraucher und Nicht-Regierungsorganisationen in die Meinungsbildung des Konzerns einbezogen werden. Außerdem will Nestlé bis 2015 nur noch Kaffee, Kakao und Palmöl aus nachhaltigen Quellen beziehen. Das kündigte der Vorstandsvorsitzende von Nestlé Deutschland AG, Gerhard Berssenbrügge, zum Start der Initiative „Qualität bedeutet mehr“ gegenüber dieser Zeitung an.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Unter diesem Namen starte Nestlé eine Qualitätsoffensive, die über vier Jahre laufen und zum 150. Geburtstag des Konzerns im Jahr 2016 abgeschlossen sein soll. Aber nicht das Geschenk für den eigenen Geburtstag steht im Vordergrund. Mit der Initiative, „der größten firmeninterne Initiative seit vielen Jahren“, reagiert Nestlé auf öffentliche Kritik vor allem an Zuständen in den Rohstoffländern und richtet sich verstärkt auf das von Nestlé-Aufsichtsratschef Peter Brabeck-Lethmate seit vielen Jahren verfolgte Prinzip des international gesellschaftlich verantwortlichen Unternehmenshandelns aus. Zudem reagiert man auf jüngste Meinungsänderungen unter Verbrauchern.

          Lebensmittelqualität besonders wichtig

          Seit Jahren lässt Nestlé regelmäßig Konsumenten vom Institut für Demoskopie Allensbach nach ihren Verbrauchs- und Lebensgewohnheiten und ihrem Einkaufsverhalten befragen. Dabei zeigt sich, dass der Einfluss des Preises auf die Einkaufsentscheidung seit 2003 langsam, aber kontinuierlich sinkt.

          Achteten 2003 noch 59 Prozent der Konsumenten vor allem auf den Preis, ist dieser Anteil fast jährlich um einen Prozentpunkt auf jüngst 50 Prozent gefallen. Im Gegenzug nahm die Bedeutung der Produktqualität für eine Kaufsentscheidung von 44 auf 50 Prozent zu. Jeder vierte Deutsche (26 Prozent) zählt sich sogar zu jenen Qualitätsessern, die besonders hohe Maßstäbe an die Qualität der Lebensmittel stellen.

          Darunter verstehen die Verbraucher guten Geschmack, hohe Sicherheit, einen Beitrag zur Gesundheit und Nachhaltigkeit. Der Geschmack dominiert dabei. Ein Produkt, das nicht schmeckt, wird nur wegen seiner nachhaltigen Erzeugung auch nicht gekauft. „Wir müssen in allen vier Qualitätsfeldern gut sein“, fordert Berssenbrügge. Als erste Maßnahme dieser Erkenntnis seien alle Produkte des Hauses einer Stärken-und-Schwächen-Analyse im Hinblick auf die Qualitätskriterien unterzogen worden.

          Verzicht auf Glutamat

          Im Geschmack passe man sich bereits gut den Verbraucherwünschen an. Sicherheit und Gesundheit stünden auch im Vordergrund, würden aber von den Verbrauchern nicht immer erkannt. Hier helfe mehr Information. Berssenbrügge will daher nach und nach alle Nestlé-Produkte mit QR-Codes ausstatten - quadratische Piktogramme, die mit internetfähigen Mobiltelefonen ausgelesen werden können, und Konsumenten mehr Informationen über Inhaltsstoffe, Herstellung und den Nutzen der Produkte vermitteln können, als auf einer Verpackung je Platz hätten.

          Ob man aufgrund der Stärken-und-Schwächenanalyse Produkte aus dem Angebot nehme, sei noch nicht entscheiden. Hier sollen Gespräche mit dem bis Jahresende etablierten Verbraucherbeirat mit maximal 10 bis 15 Personen sowie Kontakte mit Nicht-Regierungsorganisationen zur Meinungsbildung beitragen.

          Beschlossen ist bereits neben der vollständigen Umstellung auf nachhaltige Rohstoffe der weitgehende Verzicht auf den geschmacksverstärkenden Zusatzstoff Glutamat bei der Neuentwicklung von Produkten. Glutamat ist zwar ein Salz, das in vielen Lebensmitteln von Natur aus drin ist. Obwohl bisher kein ursächlicher Zusammenhang mit bestimmten Krankheiten bewiesen ist, wird über seine Wirkung immer wieder gestritten.

          Kontakt mit Konsumenten soll vertieft werden

          Alle Maßnahmen der Initiative „Qualität bedeutet mehr“ sollen für den Verbraucher möglichst preisneutral bleiben. Höhere Kosten für Rohstoffe sollen über Einsparungen ausgeglichen werden, die auf dem Weg der Nachhaltigkeit erzielt werden. Der Einsatz von Energie soll jährlich um 3 Prozent und jener von Wasser in jedem Jahr um 5 Prozent gesenkt werden.

          Da die Verbraucher die Hersteller einerseits für die Produktqualität verantwortlich machen, aber andererseits nur wenig Vertrauen in sie haben, will Nestlé den Kontakt mit den Konsumenten vertiefen. Neben dem Verbraucherbeirat soll es häufiger Besichtigungstage in Nestlé-Werken geben. Außerdem will das Unternehmen den Dialog mit den Verbrauchern über Soziale Netzwerke verstärken.

          Damit soll den weit verbreiteten Vorbehalten gegen abgepackte Lebensmittel begegnet werden. „Nestlé soll zweifelsfrei als Hersteller hochwertiger Nahrungsmittel wahrgenommen werden“, beschreibt Berssenbrügge das übergeordnete Ziel der Qualitätsoffensive. Da viele Einzelmaßnahmen noch nicht feststehen, sei das Investitionsvolumen noch nicht endgültig klar. Es werde aber „einen hohen zweistelligen Millionenbetrag“ umfassen, sagt Berssenbrügge.

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