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Zum Tode des Ikea-Gründers : Das Testament eines Möbelhändlers

Ingvar Kamprad in einem seiner Möbelhäuser Bild: dpa

Ingvar Kamprad hat mit seiner Idee ein Weltunternehmen geschaffen und den Möbelverkauf revolutioniert. Sein Platz als großer Gründer ist ihm in den Geschichtsbüchern sicher. Ein Nachruf.

          Was aus seiner Firma in ferner Zukunft einmal werden sollte, davon hatte der Ikea-Gründer Ingvar Kamprad schon früh eine ziemlich genaue Vorstellung. Er hat sie 1976 in neun kurzen Kapiteln aufgeschrieben und ihnen den Titel „Das Testament eines Möbelhändlers“ gegeben, obwohl er damals noch nicht einmal fünfzig Jahre alt war.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In diesem Testament geht es um niedrige Preise, um funktionales Design, um Einfachheit und um die Konzentration aufs Wesentliche. „Wir können nicht überall alles gleichzeitig machen“, schreibt Kamprad. „Wir werden niemals für jeden Geschmack das Richtige haben. Wir müssen auf das Wert legen, was uns besonders macht.“

          Vom Internet ist in Kamprads „Testament“ nichts zu lesen, das gab es 1976 noch nicht. Aber Ikea stand dem allgemeinen Trend zum Online-Handel auch noch viel später bemerkenswert widerwillig gegenüber. Einen eigenen Online-Shop gibt es zwar schon seit Jahren. Aber die Auswahl an Produkten war klein, die Versandkosten waren hoch - und verfügbar ist das digitale Angebot bis heute auch nur in der Hälfte der Länder, in denen der Konzern analog vertreten ist. Die Leute sollten lieber ins Möbelhaus kommen.

          Wie alles begann

          Denn dort, so lautete das kommerzielle Kalkül, kaufen sie immer auch noch etwas anderes ein als ursprünglich geplant. Daher der labyrinthische Gang durch die Abteilungen, den jeder Ikea-Kunde absolvieren muss, bevor es zum Bezahlen geht. Daher der stattliche Durchschnittsbon von rund 90 Euro, der in Deutschland nach jedem Ikea-Besuch beglichen wird. Daher die bisher unantastbare Stellung der blau-gelben Möbelhäuser für den Konzern. So viel ist gelernt: Wo eins von ihnen steht, da ist die Welt in Ikea-Hand.

          Mit dieser Strategie ist Ikea sensationell gut gefahren. Die Firma ist mit einem Umsatz von fast 40 Milliarden Euro im Jahr zum größten Möbelhändler der Welt geworden. Die Nettorendite liegt bei wenigstens 10 Prozent, doppelt so viel wie in der Möbelbranche üblich. Die Kunden haben Ikea lieben gelernt, der Besuch im Möbelhaus ist ritualisiert: Der Nachwuchs tobt im Kinderparadies „Småland“, die Erwachsenen schauen sich derweil die mustergültig wie im Katalog eingerichteten Küchen, Wohn-, Schlaf- und Esszimmer an, suchen sich im Hochregal-Lager ihre Pakete zusammen, legen eine Packung Teelichter dazu. Hinter der Kasse gibt es für alle Hotdogs mit Ketchup und Röstzwiebeln, dann wird der Einkauf zum Auto geschleppt. Nun spielt der Online-Verkauf eine größere Rolle, im Unternehmen eine Revolution.

          Ingvar Kamprad (1926-2018)

          Eine Revolution war es auch, die der Gründer Kamprad mit jenem Konzept ausgelöst hatte, auf Basis dessen er einst in seiner Heimatstadt Älmhult in der schwedischen Provinz Småland das allererste Möbelhaus eröffnet hatte. Vorher hatte man sich Möbel nach Maß vom Tischler bauen lassen. Oder man verließ sich auf die Fotos in Prospekten und Reklame und kaufte Schränke, Stühle, Stoffe, ohne sie zuvor im Zusammenspiel gesehen zu haben. Begehbare Möbelkataloge in die Gewerbegebiete am Stadtrand zu stellen, das war Kamprads Geniestreich: die fabrikhallengroßen Möbelhäuser, von denen es inzwischen mehr als 400 rund um den Globus gibt.

          Rot, Grün, Blau

          Die Überzeugung, dass dieses Erfolgsrezept Ikea auch in die Zukunft tragen wird, ist indes mittlerweile ins Wanken geraten. Die Folgen einer internen Machtverschiebung werden sichtbar, die sich im Sommer 2016 weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit vollzog. Für den Hintergrund: Der Ikea-Konzern besteht traditionell aus drei Säulen. Zur besseren Unterscheidbarkeit werden sie gewöhnlich mit drei Farbattributen belegt: „Rot“ ist die Immobilien- und Finanzsparte, die kaum jemand kennt, obwohl sich auch hierzulande jedermann ein Konto bei der Ikano Bank zulegen und eine Ikea-Kreditkarte haben könnte. „Grün“, als Inhaber der Markenrechte eher virtueller Natur, war für den gewöhnlichen Möbelkäufer früher auch zu vernachlässigen. „Blau“ dagegen, das waren Möbelhäuser, Fabriken und Produktentwicklung. Das Schwergewicht.

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