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Ingrid Matthäus-Maier muss die IKB retten : Volksnahe Saniererin

Muss irgendwie einige Milliarden zusammenbringen: Ingrid Matthäus-Maier Bild: KFW

Ingrid Matthäus-Maier ist eine stresserprobte Juristin mit Sinn für Humor. Doch ihre lockeren Sprüche sind seltener geworden. Die KfW-Vorstandssprecherin muss die IKB retten - auch in ihrem eigenen Interesse.

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          „Mein Mann hatte einen Bausparvertrag, ich hatte einen Bausparvertrag. Die haben wir zusammengelegt und davon unser Häuschen gekauft. Das haben wir vor sechs oder sieben Jahren abbezahlt. So sieht ordentliche Finanzierung aus", sagt Ingrid Matthäus-Maier mit einer Mischung aus Wehmut und Mahnung in der Stimme. Natürlich weiß die Vorstandssprecherin der staatseigenen Förderbank KfW, dass sich die Zeiten geändert haben und moderne Finanzinstrumente den globalen Wirtschaftskreislauf in Schwung halten. Doch speziell in diesen Tagen findet sie, dass nicht alles super ist, was aus Amerika zu uns rüberschwappt. Subprime-Kreditkrisen zum Beispiel.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Matthäus-Maier muss irgendwie einige Milliarden Euro zusammenbringen, damit die Düsseldorfer IKB-Bank nicht umfällt. Ihr freundliches und einnehmendes Wesen hat die in ihren 22 Jahren als Vollblutpolitikerin im Bundestag stresserprobte Juristin deshalb nicht abgelegt. Aber man merkt ihr die Strapazen an, die das Finanzdesaster mit sich bringt. Ihr Sinn für Humor hat etwas gelitten, lockere Sprüche sind seltener geworden - wer mag es ihr verdenken. Da erwirtschaftet die Förderbank, deren Vorstand sie seit 1999 angehört, in ihrem Kerngeschäft ein glänzendes Ergebnis und das höchste Fördergeschäft in der Geschichte, und alle Welt redet nur über die IKB.

          Offen und volksnah

          Matthäus-Maier auch. Sie spricht nun über Event of Default Trigger und Senior Asset Holder, wo sie doch lieber Brunnen in Afrika bohren oder Lieschen Müller einen Existenzgründerkredit geben würde, auf dass die Armut in der Welt bekämpft und der deutsche Mittelstand gestärkt werde. Dass sie in solchen Situationen vom heimischen Bausparvertrag berichtet, ist typisch für Matthäus-Maier.

          In ihrer offenen, volksnahen Art erzählt sie immer wieder auch private Dinge. Sie schätzt klare Aussagen, macht selbst keine rhetorischen Umwege, ausschweifende Erklärungen sind ihr ein Greuel, sie würde sie als „Gelaber“ bezeichnen. Mit ihrem Beraterstab fängt sie schon mal einen Zwist an, wenn der aus Angst vor größeren Verwerfungen Aussagen aus Interviews streichen möchte, die Matthäus-Maier als klare Ansage gerne in der Welt sähe. „Hört doch mal auf mit der Weichspülerei“, fordert sie dann.

          Ein Kampf an vielen Fronten

          Jetzt ist ohnehin Härte gefragt, gepaart mit diplomatischem Geschick. Schon in dieser Woche stehen weitere Gespräche mit Bankern und Politikern an, unangenehme zumeist. Man darf annehmen, dass sie in Politik und Finanzbranche für eine Rettung auf breiterem Fundament eintritt - mit energischen Worten, denn so freundlich sie nach außen ist, so bestimmt und bisweilen unangenehm kann sie im Zwiegespräch werden. An diesem Mittwoch hat Matthäus-Maier zunächst die Mitarbeiter der Förderbank informiert, denn der Teamgeist in der langsam nervös werdenden Belegschaft will erhalten bleiben. Es ist ein Kampf an vielen Fronten.

          Die seit Oktober 2006 amtierende Vorstandssprecherin muss ausbaden, was an anderer Stelle angerichtet wurde. Niemand ist den im Geschäftsbericht ausgewiesenen Eventualverbindlichkeiten oder den Zeitungsartikeln über das Geschäftsgebaren der IKB richtig auf den Grund gegangen. Die Bank hat ein für ihre Verhältnisse viel zu großes Rad gedreht und ist damit fürchterlich gescheitert.

          Ein tiefes Loch und viele Fragen

          Den Vorstandsvorsitzenden und ein paar andere Führungskräfte der IKB hat das den Arbeitsplatz gekostet, doch je tiefer das Düsseldorfer Loch wird, desto mehr drängen die Fragen nach weiterer Verantwortlichkeit. Warum hat in der KfW, dem IKB-Großaktionär mit Einblick in die Prüfberichte, niemand etwas gemerkt? Nicht der damalige Vorstandssprecher und exzellente Finanzfachmann Hans Reich? Nicht der IKB-Aufsichtsrat unter Vorsitz von Ulrich Hartmann? Nicht die anderen Verwaltungsrats- und Vorstandsmitglieder? Nicht die mit Sonderprüfungen beauftragten Wirtschaftsprüfer und nicht die Finanzdienstleistungsaufsicht?

          Matthäus-Maier stellt sich selbst diese Fragen und kann sie nur etwas hilflos mit dem Verweis auf komplizierte Strukturen und undurchsichtige Verträge beantworten, wohl wissend, dass dies nicht weit trägt und die Krise sie selbst einholen kann. Die schnelle Rettung der IKB ohne allzu großen Schaden für die KfW steht deshalb nicht ohne Eigennutz ganz oben auf ihrer Agenda.

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