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Influenza : Grippewelle erfasst Deutschlands Unternehmen

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So viele Krankmeldungen haben Deutschlands Ärzte schon lange nicht mehr ausgestellt: Die Grippe hat das Land - und seine Unternehmen - fest im Griff. Bild: dpa

Deutsche Unternehmen ereilt in diesen Tagen eine Welle an Krankmeldungen. Weil die Viren sich wandeln, wirken die Grippeimpfstoffe nicht. Das Robert-Koch-Institut meldet „stark erhöhte Influenzaaktivität“.

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          Wer in Karlsruhe in die Straßenbahn steigt, hat derzeit gute Chancen, einen prominenten Fahrer zu haben: Ralf Messerschmidt, Betriebsleiter der Verkehrsbetriebe Karlsruhe, fährt derzeit öfter mal persönlich, meist in den Abendstunden – denn tagsüber hat er den Mangel zu verwalten. Der Krankenstand in Karlsruhe hat inzwischen 20 Prozent erreicht. Die Kollegen, die es noch nicht erwischt hat, verlängern ihre Schichten, verzichten auf ihren Urlaub, obwohl in Baden-Württemberg in dieser Woche Ferien sind. Oder sie machen es wie Messerschmidt und schieben ihre Akten zur Seite, wenn sie selbst zwar in der Verwaltung tätig sind, aber auch als Fahrer einspringen können.

          Die Grippewelle hat die deutschen Unternehmen im Griff. Das Robert-Koch-Institut meldet in seiner aktuellen Analyse „stark erhöhte Influenzaaktivität“ in allen vier Regionen des Landes: im Süden, Mitte (West), Norden (West) und Osten. Beinahe flächendeckend „deutlich“ oder „stark“ erhöhte Werte zeigt die Karte in Sachsen und Baden-Württemberg.

          Karlsruhe liegt in einer der stark betroffenen Gebiete. Selbst die Solidarität der Mitarbeiter in den Verkehrsbetrieben reicht nicht aus, immer wieder müssen Züge ausfallen. „In Karlsruhe selbst, wo die Bahnen normalerweise alle paar Minuten fahren, ist das nicht schön, es darf auch nicht sein, aber es ist für die Kunden nicht so schlimm“, sagt Sarah Breuer, Sprecherin der Verkehrsbetriebe. Viel schwieriger sei es im S-Bahn-Betrieb, der weite Teile des Südwestens zwischen der Pfalz, Heilbronn und dem Schwarzwald verbindet. Dort gibt es oft ohnehin nur jede Stunde ein Zug. Wenn dieser ausfällt, bekommen das die Passagiere schmerzlich zu spüren. 35 Fahrten seien an einem Tag ausgefallen, berichtet Breuer.

          Grippewelle trifft auf relativ dünne Personaldecke

          Hier zeige sich, dass die Grippewelle auf eine relativ dünne Personaldecke treffe. Allein in diesem Jahr sei geplant, 80 Fahrer einzustellen. „So eine heftige Phase hatten wir in den 25 Jahren unseres Bestehens nicht“, sagt Ariane Durian, die über ihr Zeitarbeitsunternehmen Connect Personal Service GmbH 160 Mitarbeiter an andere Unternehmen ausgeliehen hat. Zwei Dutzend davon sind derzeit krank, also 15 Prozent, und somit rund fünfmal so viele wie normal. „Wenn unsere Kunden wollen, versuchen wir natürlich für Ersatz zu sorgen“, sagt sie. Allerdings ist das nur in Maßen sinnvoll. Fast die Hälfte ihrer Mitarbeiter sind Akademiker, entsprechend anspruchsvoll sind die Aufgaben, die sie erledigen können – eher nicht das, was man von heute auf morgen ohne Einarbeitung einfach übernehmen könnte.

          „Kein Grund für übermäßigen Alarm“ heißt es dagegen im Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, obwohl auch hier die Statistik zeigt, dass es seit Jahren nicht so viele Grippefälle gegeben hat. Der Anstieg war zudem ziemlich steil: Während in der letzten Januar-Woche erst 300 Fälle gemeldet wurden, waren es vergangene Woche mehr als 1600. Tendenz weiter steigend, nicht zuletzt weil die Fasnacht beste Bedingungen für die Ausbreitung von Viren bietet. Gleichzeitig hatte so manche Arztpraxis während der Fasnachtszeit geschlossen, so dass mancher Kranke gar nicht gemeldet wurde. Die Grippeimpfung habe dieses Jahr „nicht zur Zufriedenheit“ gewirkt, da sich zwar wie erwartet das Virus H3N2, aber mit veränderten genetischen und antigenen Eigenschaften durchgesetzt habe, auf den der Influenza-Impfstoff das Abwehrsystem nicht genügend vorbereite.

          Die Mutationen der Influenzaviren machen den Schutz so schwierig. „Gegen die echte Grippe muss jährlich ein neuer Impfstoff entwickelt werden; ältere Impfstoffe büßen schnell ihre Wirksamkeit ein“ erläutert Rolf Hömke, Sprecher für Forschung des Pharma-Branchenverbands VfA. „Schuld daran sind die Verwandlungskünste der Grippeerreger, die innerhalb einiger Monate ihr Äußeres so weit verändern können, dass das Immunsystem, auf das ältere Erscheinungsbild trainiert, die neuen Eindringlinge nicht schnell genug erkennt, um den Ausbruch der Krankheit verhindern zu können.“ Ursache für die Verwandlung könnten zufällige Veränderungen in ihren Genen sein, die sich allmählich ansammeln. Wissenschaftler sprechen von „Antigendrift“.

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