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Infineon-Chef Peter Bauer : „Wir sind nicht immun gegen Konjunkturzyklen“

  • Aktualisiert am

Infineon-Chef Peter Bauer Bild: dpa

Kommt die Krise? Infineon-Chef Bauer gibt sich im F.A.Z.-Gespräch entspannt. Der Halbleiterhersteller hält an Umsatzzielen fest und will weiter investieren.

          Herr Bauer, AMD senkt die Gewinnprognose, Texas Instruments meldet Umsatzrückgänge, ST Microelectronics dämpft die Wachstumserwartungen. Statt einst erwarteten 5 Prozent Wachstum droht dieses Jahr eine Stagnation. Machen Sie beängstigende Signale für die Chip-Branche aus?

          Nein. Ich sehe keine Panikreaktionen bei unseren Kunden. Es ist schon ziemlich paradox: Die Realwirtschaft, auch die Elektronikindustrie, ist alles in allem trotz Abschwächung des bislang steilen Wachstums guter Dinge. Unsere Produkte sind weltweit gefragt; die Kapitalmärkte spiegeln das aber in keiner Weise wider, sie haben klar eine Krise in die Kurse eingepreist.

          Geben Sie also Entwarnung?

          Das nun auch wieder nicht. Unsere Kunden werden schon vorsichtiger. Das betrifft jedoch vorwiegend das konsumnahe Geschäft in der Unterhaltungselektronik und mit Personalcomputern für den privaten Bereich. Die Gesamtlage ist jedoch nach wie vor gut, unsere Bestände sind noch eher zu niedrig.

          Das klingt nicht sonderlich überzeugt?

          Klar ist der Scheitelpunkt im Markt erst einmal überschritten. Klar ist aber auch: Es handelt sich um eine Abkühlung und nicht um einen Absturz, wie wir ihn im Herbst 2008 nach der Lehman-Pleite erlebten.

          Wie schlägt sich Infineon in dieser Gemengelage?

          Sehr ordentlich. Unsere Kunden aus der Industrie-, Automobil- und Chipkartenbranche sind weiterhin erfolgreich im Markt, wenngleich sich der Auftragseingang auf Grund des erreichten hohen Niveaus abgeschwächt hat. Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich davon ab, inwieweit die Unsicherheit der Märkte, die auf die Kreditwirtschaft durchschlägt, ihrerseits die Realwirtschaft mitreißen wird...

          ... dem sich auch Infineon nicht entziehen könnte?

          Es macht sich positiv bemerkbar, dass wir im vergangenen Jahr unsere Handy-Chipsparte an Intel verkauft haben und insbesondere nicht mehr im Geschäft der Massenspeicherchips - der D-Rams - vertreten sind. Die Achterbahnfahrten in diesen Bereichen machen wir nicht mehr mit. Infineon konzentriert sich auf die drei gesellschaftlichen Megatrends Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit. Das Unternehmen ist heute vollkommen anders aufgestellt. Und wir sind in unserem Portfolio wesentlich robuster und stabiler geworden, aber immun gegen Konjunkturzyklen sind wir natürlich nicht.

          Ist diese Erkenntnis an der Börse angekommen?

          In den angelsächsischen Märkten und bei Investoren, die mit unserer Branche vertraut sind, schon. Ich habe aber den Eindruck, bei vielen Brokern auf dem Parkett, gerade auch in Europa gilt immer noch die Devise: Halbleiter ist gleich Halbleiter. Wir können uns aber nicht mit NXP Semiconductors und auch nur bedingt mit ST Microelectronics vergleichen, die beide viel stärker im konsumnahen Segment vertreten sind. Amerikanische und britische Beobachter vergleichen uns eher mit Texas Instruments, International Rectifier, Fairchild oder auch kleineren sogenannten „Analog-Unternehmen“. Das sind mit Ausnahme von Texas Instruments kleinere Unternehmen, die eine Zyklizität mit geringeren Amplituden haben und oft bessere Ergebnisse erzielen.

          Was somit auch für Infineon gilt, das dieses Jahr einen Umsatzzuwachs von 20 Prozent auf 4 Milliarden Euro und eine operative Umsatzrendite von 20 Prozent erreichen soll?

          Wir wollen mittelfristig, also über die nächsten fünf Jahre, stärker wachsen als der Gesamtmarkt. Der Umsatz soll in einem normalen konjunkturellen Umfeld um mindestens 10 Prozent zulegen. Über den gesamten Zyklus hinweg streben wir im Schnitt 15 Prozent operative Marge an. Natürlich kann es dann auch einmal ein konjunkturell schwächeres Jahr geben, in dem die Rendite nur einstellig ausfällt, um danach im Aufschwung wieder zweistellig zu werden.

          Das ist mutig. Trotz Beschwichtigungen klingt nämlich bei Ihnen immer wieder Vorsicht durch. Im Juli sprachen Sie schließlich noch davon, dass auch 2012 ein Wachstumsjahr werden würde. Bleiben Sie bei der Aussage?

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