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Infineon-Chef im Gespräch : „Ohne uns fährt kein Fahrzeug autonom“

„Das ist jetzt wie eine Automesse“ Bild: AFP

Früher fand der Chiphersteller Infineon die Elektronikmesse CES in Las Vegas beinahe langweilig. Diesmal war es dem Vorstandschef Reinhard Ploss ein Hernzensanliegen, persönlich anzureisen. Im F.A.Z.-Gespräch erklärt er, warum.

          Reinhard Ploss ist zum ersten Mal auf der CES. Bis vor nicht allzu langer Zeit fand der Vorstandsvorsitzende des deutschen Chipherstellers Infineon die Elektronikmesse in Las Vegas nicht allzu relevant für sein Unternehmen. Schließlich sei es hier lange vor allem um klassische Konsumelektronik wie Fernseher gegangen, mit der Infineon wenig zu tun habe.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Aber die immer größere Präsenz der Autoindustrie auf der CES hat die Ausgangslage geändert, denn: Produkte für diese Branche sind das wichtigste Standbein der Deutschen. „Das ist jetzt wie eine Automesse,“ sagte Ploss im Gespräch mit FAZ.NET in Las Vegas.

          „Ohne uns fährt kein Fahrzeug autonom“

          Chipkonzerne wie Infineon spielen in diesem Jahr eine besonders prominente Rolle. Mit ihren Produkten machen sie viele der großen Branchentrends, die das Geschehen in den Messehallen bestimmen, erst möglich.

          Ob es die zunehmende Vernetzung des Alltags im „Internet der Dinge“ ist oder autonomes Fahren und andere Einsatzgebiete für künstliche Intelligenz: Für all das sind leistungsstarke Halbleiter nötig.

          Ploss sagt zum Beispiel: „Ohne Infineon wird sich kein Fahrzeug autonom bewegen können.“ Auch die amerikanischen Wettbewerber Nvidia und Intel haben in Las Vegas Ansprüche angemeldet, im Zukunftsmarkt für Roboterautos ein gewichtiges Wort mitzureden. Nvidia bestritt eine der Hauptreden („Keynotes“) und verkündete dort Allianzen mit dem deutschen Autohersteller Audi und Zulieferern wie Robert Bosch. Intel teilte mit, zusammen mit BMW noch in diesem Jahr mehrere Dutzend selbstfahrende Autos auf die Straßen bringen zu wollen.

          „Wir sind eher die Heizer“

          Dabei sieht Ploss Intel und Nvidia nicht als Rivalen, wenn es um autonomes Fahren geht. Die Amerikaner zielten mit ihren Produkten auf die komplexesten Aufgaben für Roboterautos ab, die mit künstlicher Intelligenz zu tun haben, Infineon sei dagegen eher für die operative Ebene zuständig, die freilich auch ein elementarer Baustein sei. „Die anderen sind so etwas wie die Kommandanten auf dem Schiff, wir sind eher die Heizer,“ meint Ploss.

          Härtester direkter Konkurrent ist das niederländische Unternehmen NXP Semiconductors, das Infineon vor etwas mehr als einem Jahr durch den Zukauf des amerikanischen Wettbewerbers Freescale als Marktführer im Geschäft mit Chips für die Autoindustrie abgelöst hat. NXP wiederum hat vor ein paar Monaten dem Verkauf an den amerikanischen Chipgiganten Qualcomm für 38 Milliarden Dollar zugestimmt, dem höchsten Preis, der jemals für eine Akquisition in der Branche gezahlt worden ist.

          Die fast schon hektische gegenwärtige Konsolidierung in der Branche sorgt dafür, dass Ploss sich derzeit regelmäßig fragen lassen muss, ob auch Infineon zum Übernahmeobjekt werden könnte. Infineon hätte einiges zu bieten: Die Krisenzeiten des vergangenen Jahrzehnts sind abgehakt, das Unternehmen war zuletzt klar auf Wachstumskurs und gehörte im vergangenen Jahr zu den besten Werten im Börsenindex Dax.

          Neben autonomem Fahren treibt Infineon im Automarkt auch andere Trends wie Elektromobilität voran. Unabhängig von Autos haben die Produkte des Unternehmens noch viele andere zukunftsträchtige Einsatzgebiete von Windkraftanlagen bis zu Drohnen. Das könnte Kaufinteressenten anlocken, ob nun amerikanische Chipgiganten oder auch chinesische Unternehmen. Aber Ploss wiegelt ab: „Infineon hat als eigenständiges Unternehmen für mich die größte Logik.“ Ihm falle kein Unternehmen ein, zu dem Infineon strategisch passe.

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