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Industriemagnat Mittal : „Stahl ist mein Leben“

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Mittal in seinem Büro in Luxemburg: „Exportdrang Chinas dämpfen” Bild: Daniel Pilar

Lakshmi Mittal, der Vorstandschef und größte Aktionär des führenden Stahlkonzerns der Welt, blickt voller Zuversicht auf 2008. Sein Konzern soll geographisch und in der Produktpalette wachsen. Im Gespräch mit der F.A.Z. sagte er: „Wir verkaufen nicht nur einen Werkstoff, sondern Lösungen.“

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          So positiv Lakshmi Mittal die langfristige Zukunft sieht, so zuversichtlich schaut er auf das nächste Jahr. „Bisher hat die Finanzmarktkrise nur den Hausbau in den Vereinigten Staaten und in viel kleinerem Umfang auch das produzierende Gewerbe beeinträchtigt“, sagt der Vorstandsvorsitzende und größte Aktionär des mit Abstand größten Stahlkonzerns der Welt: „Auch wenn es unterschiedliche Meinungen über ein Übergreifen der Krisenfolgen auf andere Kontinente gibt, sehe ich keinen Grund, die positiven Prognosen für den Stahlverbrauch in Südamerika, Europa, in Nah- und Fernost nach unten zu korrigieren.“

          Selbst in den Vereinigten Staaten, dem Land, das über die Schwierigkeiten mit den Hypotheken für Schuldner mit schlechter Bonität Ursprung der Krise auf den Finanzmärkten wurde, könnten die Stahlproduzenten mit zunehmenden Lieferungen rechnen. „Viele Verarbeiter und Händler stocken ihre stark zurückgefahrenen Lagerbestände wieder auf“, ist der Chef von Arcelor-Mittal im Gespräch mit der F.A.Z. überzeugt. Die in diesem Jahr angeschwollene Flut von Stahllieferungen aus Asien wird nach seiner Ansicht den europäischen Markt ebenfalls nicht lange stören. Mittal setzt dabei aber nicht nur auf die in Brüssel eingereichten Beschwerden wegen der unter den Gestehungs- und Transportkosten liegenden Verkaufspreise für importierten Stahl. „Wir werden im nächsten Jahr weitere kräftige Kostenerhöhungen vor allem bei Eisenerz und Koks haben. Und das müsste den Exportdrang chinesischer Produzenten dämpfen“, hofft er.

          „Noch viele Hausarbeiten zu erledigen“

          Mit Blick auf ihre Rohstofflieferanten halten die Stahlbranche seit Wochen Übernahmespekulationen um den Bergbaugiganten Rio Tinto in Atem. Wenn der Rohstoffkonzern BHP Billiton zum Zuge käme, würde er mit dem Marktführer, der brasilianischen Vale do Rio Doce (CVRD), drei Viertel des internationalen Eisenerzhandels bestreiten. „Ein Zusammenschluss von BHP und Rio Tinto wäre eine Herausforderung für die Stahlindustrie“, räumt Mittal ein. Dann wären die Produzenten gezwungen, ihre Strategie zu ändern. Der indische Stahlunternehmer gibt sich bei dieser Feststellung dennoch entspannter als manche seiner Kollegen. Denn er weiß um die erheblichen Investitionen, die die zu 43 Prozent ihm gehörende Arcelor-Mittal schon in Afrika und Amerika getätigt hat, um die inzwischen auf 45 Prozent erhöhte Eigenversorgung mit Erz mittelfristig auf 75 Prozent auszuweiten.

          Gleichwohl, die Kosten für die Rohstoffe steigen - und diese Kostensteigerungen an die Kunden weiterzugeben, wird auch eine Herausforderung für die europäischen Produzenten sein. Die Klagen der Stahlverarbeiter über die in den zurückliegenden Jahren stark erhöhten Preise sind Mittal natürlich bewusst. „Aber da hat die Stahlindustrie noch viele Hausarbeiten zu erledigen. Wir müssen unseren Kunden verdeutlichen, dass wir nicht mehr nur einen Werkstoff produzieren, sondern Lösungen verkaufen.“ Die vervielfältigten Anwendungen im Hochbau zeigten das ebenso wie die Fortschritte im Fahrzeugbau. Das Auto sei sicherer und trotzdem leichter geworden, mit allen den damit verbundenen Vorteilen für den Energiebedarf und die Umweltbelastung.

          Niemand wollte auf ihn hören - mit Folgen

          Vor allem die sehr großen Stahlkonzerne wie Arcelor-Mittal seien geeignet und verpflichtet, die dafür erforderlichen Forschungsarbeiten und Produktentwicklungen voranzutreiben. „So lange wir Stahl um immer wieder neue Lösungen bereichern, wird dieser Werkstoff auch nicht durch Substitute zurückgedrängt.“

          Im Grunde ist die rasant fortschreitende Konzentration und Marktmacht der Rohstofflieferanten auch nur die Bestätigung der Meinung, die der Arcelor-Mittal-Chef seit Jahren vertritt: „Schon 1988 habe ich auf einer Stahlkonferenz in Pittsburgh gesagt, die Stahlindustrie sollte zu ihrer Stabilisierung in den verschiedenen Marktregionen zwei oder drei starke Gruppen bilden. Damals wollte niemand meine Empfehlungen hören“, erinnert er sich und verweist auf die vielen Stahlproduzenten allein in den Vereinigten Staaten, die in den folgenden Jahren untergingen.

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