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Industriegasehersteller : Linde übernimmt Konkurrenten BOC

  • Aktualisiert am

Soll bald zur Linde AG gehören: der britische Konkurrent BOC Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Linde AG aus Wiesbaden übernimmt den britischen Konkurrenten BOC. Damit entsteht der größte Hersteller von Industriegasen der Welt mit einem Gesamtumsatz von rund 13 Milliarden Euro.

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          Der Anlagenbaukonzern und Industriegasehersteller Linde AG, Wiesbaden, übernimmt den britischen Gaseanbieter BOC. Wie Linde am Montag in Wiesbaden berichtete, will der BOC-Aufsichtsrat den Aktionären die Annahme eines Kaufangebots durch Linde von 1.600 Pence je Aktie in bar anzunehmen. Das Gesamtvolumen der Übernahme beläuft sich damit auf 12,4 Milliarden Euro. Ursprünglich hatte Linde einen Preis von 1500 Pence je Aktie oder 11 Milliarden Euro veranschlagt.

          Wie Linde weiter mitteilte, steht die Übernahme noch unter der Bedingung der Genehmigung durch die Kartellbehörden in der EU und den Vereinigten Staaten. Der Übernahme müßten zudem die BOC-Aktionäre sowie die zuständigen Gerichte zustimmen. Nach Einschätzung des Wiesbadener Technologiekonzerns könnte die Übernahme im dritte Quartal 2006 vollzogen werden. Wie das Unternehmen weiter berichtete, soll die Übernahme über Kredite, Anleihen sowie eine Kapitalerhöhung in Höhe von 1,4 bis 1,8 Milliarden Euro finanziert werden.

          Nur kleinere kartelltrechtliche Auflagen befürchtet

          Mit der grundsätzlichen Vereinbarungen, die in der Nacht zum Montag unterschrieben werden sollte, ist der Weg zum Entstehen des größten Industriegaseherstellers mit einem Gesamtumsatz von rund 13 Milliarden Euro perfekt, womit die neue Linde/BOC den bisherigen Marktführer - die französische Air Liquide (9,4 Milliarden Euro) - auf Rang zwei verdrängt.

          Schon Ende vergangener Woche waren die Gespräche zwischen Deutschen und Briten auf der Zielgeraden angekommen. Das BOC-Management habe den anfänglichen Widerstand aufgegeben und sei auf Linde zugegangen, hieß es am Freitag. Hauptverhandlungspunkt bis zum Schluß ist die kartellrechtliche Frage gewesen. BOC wollte alle möglichen Zweifel im Falle eines Zusammengehens ausgeräumt habenen, nachdem ein Übernahmeversuch des französischen Wettbewerbers Air Liquide im Jahr 1999 aufgrund des Vetos der Wettbewerbsbehörden geplatzt war. Allerdings gibt es zwischen Linde und BOC nur geringe Überschneidungen. Die Deutschen rechnen nur mit kleineren kartellrechtlichen Auflagen.

          Übernahme im Sommer unter Dach und Fach

          Mit dem tatsächlichen Abschluß der Übernahme rechnen Kreise frühestens im Sommer, eher noch im Herbst dieses Jahres. Insgesamt kostet Linde die Übernahme rund 13,5 Milliarden Euro. Zum Barkaufpreis kommen nämlich noch eine Nettoverschuldung von BOC in Höhe von 1,2 Milliarden Euro sowie Pensionsverpflichtungen über 500 Millionen Euro hinzu.

          Nach Informationen dieser Zeitung wird Linde auch auf eine Kapitalerhöhung zurückgreifen, die aber wahrscheinlich unterhalb der bislang von Marktkreisen geschätzten 2 Millarden Euro liegen wird. Die tatsächliche Höhe wird nicht zuletzt von den Erlösen aus dem Verkauf von Unternehmensteilen abhängen, die dann nicht mehr zum Kerngeschäft gehören werden. Insgesamt wird geschätzt, daß allein der Verkauf des Flurfördergeschäftes von Linde (Material Handling) zwischen 3,5 und 4 Milliarden Euro bringen könnte, die Abgabe der BOC-Bereiche Edwards und Afrox Hospital 1 Milliarde Euro. Darüber hinaus werden auch noch weitere Verkäufe notwendig sein, um mögliche Auflagen der Wettbewerbsbehörden zu erfüllen. Die Kapitalerhöhung wird wahrscheinlich nicht sofort erfolgen, da die Finanzmittel erst mit dem Abschluß des Geschäftes fließen müssen, was sich noch sechs Monate hinziehen kann. Dazu wird Linde auch einen günstigen zeitpuntk an der Börse abwarten.

          Damit bleibt auch noch offen, wie hoch tatsächlich die Aufnahme von Krediten zur Finanzierung ausfallen wird. Das Kreditvolumen wird aber immer noch auf eine Größenordnung von 6 Milliarden Euro geschätzt. Für das gesamte Projekt ist eine Brückenfinanzierung vereinbart worden, die vor allem von der Deutschen Bank und von Morgan Stanley dargestellt wird. Wie zu hören ist, war diese bereits etwa eine Woche nach Bekanntwerden des Übernahmeversuchs gesichert. Linde hatte am 24. Januar eine inoffizielle Offerte für BOC abgegeben, die aber vom Managment der Briten als zu niedrig strikt abgelehnt worden war. Seitdem hatte sich Linde zu dem Vorgang nicht mehr geäußert.

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