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Warnung vor Chipmangel : „Wir brauchen jetzt einen Wow-Effekt für Europa“

Halbleiter aus Deutschland: Bosch hat in Dresden viel Geld in die Produktion investiert. Doch der Bedarf der Industriekunden ist gewaltig. Bild: Sven Döring

Die EU will mit dem Chips Act die heimische Chipindustrie fördern. Doch Siemens und Co. kritisieren, dass die Maßnahme am Bedarf vorbeigeht.

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          Ohne Halbleiter geht in der Wirtschaft nicht mehr viel. Allein in einem neuen Auto sind mehr als tausend solcher Chips verbaut, und die Tendenz ist steigend. Die globalen Lieferkettenprobleme nach Ausbruch der Pandemie haben jedoch gezeigt, wie verwundbar gerade die europäische Industrie auf diesem Gebiet ist. Nicht nur die großen deutschen Autohersteller schieben einen gewaltigen Auftragsüberhang vor sich her, weil sie wegen fehlender Chips bis heute nur eingeschränkt produzieren können. Um die Abhängigkeit gerade von Lieferanten aus Asien zu verringern, hat die Europäische Union im Februar den European Chips Act auf den Weg gebracht. Übergeordnetes Ziel ist es, den europäischen Marktanteil an der Chipproduktion auf der Welt bis zum Jahr 2030 auf 20 Prozent zu verdoppeln. Dazu hat Brüssel 43 Milliarden Euro an öffentlichen Fördermitteln in Aussicht gestellt. Im Frühjahr konnte mit der Entscheidung des US-Konzerns Intel , in Magdeburg für rund 17 Milliarden Euro mehrere Werke für die Produktion hochmoderner Mikrochips zu bauen, ein spektakulärer Erfolg gemeldet werden.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.
          Hendrik Kafsack
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Doch aus der Wirtschaft kommt jetzt die klare Forderung an die EU, den Chips Act neu auszurichten. Man begrüße die Initiative der Kommission ausdrücklich, sagte der zuständige Vorstand des Technologiekonzerns Siemens, Cedrik Neike, der F.A.Z., „aber wir müssen den Chips Act unbedingt erweitern“. Neike weist auf den rapide steigenden Bedarf allein in seinem Unternehmen hin. Gefragt seien weniger High-End-Chips kleinster Strukturgrößen, wie sie in Magdeburg hergestellt werden sollen. Diese Kategorie der Chips, mit Strukturgrößen von weniger als 16 Nanometern, machten lediglich 4 Prozent des Weltmarktes aus. Der Fokus des Chips Act sei viel zu sehr auf diese Größenordnung ausgerichtet. Tatsächlich hat die Europäische Kommission bei der Vorlage des Chips Act für die EU das Ziel ausgerufen, „eine führende Rolle bei Entwurf und Herstellung der nächsten Generation von Mikrochips mit Knotengrößen von zwei Nanometern und darunter zu spielen“. Der federführende Binnenmarktkommissar Thierry Breton redet immer wieder genau davon.

          „Wir brauchen eine konsequente Weiterentwicklung“

          Woran es aus Sicht von Siemens-Vorstand Neike hingegen gerade auch während der Corona-Krise mangelte, seien sogenannte industrielle Chips mit größeren Strukturen, die besonders geeignet und wichtig im industriellen Anwendungsbereich sind. „Wir müssen sicherstellen, dass wir diese Halbleiter hier bauen und entwickeln können“, fordert er. Im kommenden Jahr brauche Siemens signifikant mehr Chips als in diesem Jahr. Nach jetzigem Stand sei der Konzern quasi gezwungen, den Mehrbedarf vor allem in den USA und in Asien zu decken.

          Unter den heimischen Zustellern stößt die Forderung auf offene Ohren. „Wir bauen ja in Europa“, sagt Jochen Hanebeck, der Vorstandsvorsitzende von Infineon , und verweist auf die jüngste Erweiterung seiner Fertigung im österreichischen Villach, wo 300-Millimeter-Wafer produziert werden. Mit Blick auf das europäische Beihilferecht fordert Hanebeck jedoch Förderbedingungen, die dem europäischen Ziel, 20 Prozent der weltweiten Halbleiterproduktion in Europa anzusiedeln, wirklich gerecht werden. Sollte Europa auch bei kleineren Knotengrößen aufschließen wollen, erwartet der Manager in Anbetracht des internationalen Standortwettbewerbs Förderquoten von 50 Prozent. „Taiwan ist Europa bei kleinen Knotengrößen 20 Jahre voraus“, sagt er. In Magdeburg sei der Förderanteil für Intel auch höher gewesen.

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