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Industrie-Gase : Wolfgang Reitzle kehrt zu Linde zurück

Wolfgand Reitzle Bild: dpa

Der frühere Chef hat zwei Jahre gewartet. Nun möchte er oberster Aufseher des Industriegase-Herstellers werden. Das birgt Konfliktpotential.

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          Kühler konnte der Abschied nicht sein. In dürren Sätzen teilte Linde mit, dass Klaus-Peter Müller bereits Ende des vergangenen Jahres als Aufsichtsratsmitglied ausgeschieden ist. „Müller gehörte dem Gremium seit Mai 2003 an“, lautete der zweite kurze, ihn betreffende Satz. Damit ist der 71 Jahre alte Banker fast so lange Mitglied im Linde-Kontrollorgan wie Manfred Schneider, der 2003 Aufsichtsratsvorsitzender geworden ist. Beide begleiteten maßgeblich den Wandel des Dax-Konzerns vom Mischunternehmen zum führenden Anbieter von Industriegasen.

          Rüdiger Köhn
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Über die Gründe des überraschenden Ausscheidens von Müller, zurzeit Aufsichtsratschef und früher Vorstandsvorsitzender der Commerzbank, ist der Mantel des Schweigens gehüllt. Ein Unternehmenssprecher kommentierte das Vorgehen gar nicht, da das ausschließlich Angelegenheit des Aufsichtsrates sei.

          Aus dem Umfeld von Linde und von Müller soll Glauben gemacht werden, er sei ausgeschieden, um einer Frau im Gremium Platz zu machen. Mit Victoria Ossadnik, 47 Jahre, Mitglied der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, ist zum 1. Januar 2016 die dritte Frau in das Gremium eingetreten. Der Ausstieg erfolgt dafür eilig, dreieinhalb Monate vor der Hauptversammlung, ohne den gebührenden Abschied von den Aktionären. Ein harmonischer Abgang sieht anders aus.

          Die Personalie deutet ein Revirement im Aufsichtsrat an. Denn eine andere Person rückt nun wieder ins Rampenlicht: Wolfgang Reitzle. Nach Informationen der F.A.Z. wird sein Name auf die Tagesordnung zur Wahl in den Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung am 3. Mai kommen. Damit würde Reitzle, 66 Jahre, seine lang gehegten Ambitionen realisieren, über die er vor seinem Ausscheiden als Linde-Vorstandsvorsitzender im Mai 2014 offen sprach, nämlich Aufsichtsratsvorsitzender zu werden. Am liebsten wäre er damals sofort auf den Posten des Oberaufsehers gewechselt und hätte damit die empfohlene Abkühlungsphase von zwei Jahren ignoriert. Doch die öffentliche Debatte veranlasste ihn, durchaus beleidigt, zur Abkehr von seinem Vorhaben. Zweifel an der Rückkehr ließ er indes nie aufkommen: Er werde die Abkühlungsphase abwarten, dann halte er sich bereit, sagte Reitzle damals.

          Die zweijährige Abkühlungsphase ist im Mai vorüber

          Zwei Jahre sind im Mai vergangen. Und es drängt ihn zurück an seine alte Wirkungsstätte. Auf Anfrage gibt das Unternehmen dazu keine Stellungnahme. Eine Randpersonalie hat schon vorher Aufschluss gegeben. Im Dezember wurde bei Linde überraschend der Leiter der Konzernkommunikation ausgewechselt. Nach nur einem Jahr verließ Ulrich Porwollik als Mann des Reitzle-Nachfolgers Wolfgang Büchele „auf eigenen Wunsch“ das Unternehmen. Gekommen ist Harry Roegner – Vorgänger von Porwollik und ein Reitzle-Vertrauter durch und durch. Er hat ihn seit mehr als zwei Jahrzehnten begleitet, als der Manager Vorstand bei BMW war, danach die Premiummarken des amerikanischen Autokonzerns Ford von London aus führte, zu Linde nach Wiesbaden wechselte und später mit dem Hauptsitz nach München zog. Reitzle-Mann Roegner bestimmt nun den Außen- und Innenauftritt eines von Büchele geführten Konzerns.

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