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Industrie 4.0 : „Wir können dem Silicon Valley Paroli bieten“

  • -Aktualisiert am

Der Apple Campus in Cupertino Bild: Reuters

Der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft Reimund Neugebauer über sichere Datenräume, das Internet der Zukunft – und die Konkurrenz zu Google und Co.

          Professor Neugebauer, hat Deutschland den Wettkampf mit den Amerikanern um die besten Lösungen für die Industrie 4.0 gewonnen?

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch wenn von außen der Eindruck entstanden war: Einen Wettkampf hat es nicht gegeben. Es gab immer nur die Sorge, ob wir speziell bei der Datenanalyse und der Datensicherheit, wo die Amerikaner große Stärken haben, gut genug aufgestellt sind. Unsere Stärken waren uns dagegen von Anfang an bewusst.

          Welche sind das?

          Es ist die Systemebene, also Sensorik, Aktorik, Datenerfassung. Die Umsetzung von Daten in Action, in Fertigungssysteme, in autonomes Fahren zum Beispiel und vieles andere mehr. Hier waren wir von Anfang an in der Vorderhand. Nicht umsonst sind deutsche Unternehmen für ausländische Investoren - gerade aus dem asiatischen Raum - so interessant. Es schauen auch sehr viele von außen auf unser methodisches Vorgehen und unser Wissenschaftssystem: Amerikaner, Franzosen, Koreaner, Chinesen und viele andere.

          Und wie war das mit der Datensicherheit und der Datenanalyse?

          Da hatten wir einige Defizite, aber die haben wir inzwischen weitgehend aufgeholt. Natürlich gab es anfangs einen hohen Abstimmungsbedarf, weil viele Seiten beteiligt sind. Aber wir haben uns inzwischen gut aufgestellt. Bei den Amerikanern war es nicht so.

          Der Präsident der Fraunhofer Gesellschaft Reimund Neugebauer

          Inwiefern?

          Sie haben ihr methodisches Vorgehen mitnichten auf nationaler Ebene organisiert, so wie wir das mit Unternehmen, der Politik und den Verbänden getan haben. Die Amerikaner haben sich sehr genau angesehen, wie wir das Thema in unseren Fabriken, also auf der Produktebene, umsetzen - daraufhin haben sie fünf Institute nach dem Fraunhofer-Prinzip gegründet. Es gab aber alles in allem keinen Wettkampf, sondern ein intensives gegenseitiges Beobachten. Wir haben großen Respekt vor den amerikanischen Fähigkeiten bei der Datenanalyse, die Amerikaner hatten großen Respekt vor unserer Kompetenz, Daten in Produktion, Logistik, in Hardware umzusetzen.

          War der sogenannte „Industrial Data Space“, also der sichere Datenraum, den Fraunhofer entwickelt hat, der entscheidende Fortschritt in Deutschland?

          An Industrie 4.0 wird von vielen verschiedenen Seiten gebaut, der Industrial Data Space war ein wichtiger Schritt. Wir brauchten Standards und IT-Sicherheit, und dafür können einzelne Unternehmen nicht sorgen.

          Warum nicht?

          Wichtig war zunächst die Standardisierung. Die kann man aber nicht aufzwingen, die wird von Unternehmen bei der Herstellung und beim Vertreiben ihrer Produkte gesetzt. Konzerne wie Siemens, Bosch, Deutsche Telekom oder SAP, aber auch kleinere Unternehmen können weiter ihre Standards setzen - aber unsere Rahmenarchitektur, die wir auf der Hannover Messe vorgestellt haben, sorgt dafür, dass sie miteinander verbunden werden können. Die vielen Standards werden jetzt kompatibel, das war der eine entscheidende Fortschritt.

          Was war noch wichtig?

          Das Thema Sicherheit. Und genau da hat Fraunhofer mit der Politik und den Verbänden eingegriffen. Wir haben 67 Institute, allein 20 davon sind IT-Institute. Wir haben die deutsche Industrie gefragt: Wollt ihr euch eure Datensicherheit bei einzelnen Unternehmen holen - oder braucht es da eine neutrale Instanz? Die Antwort war eindeutig: Ja, wir wollen eine neutrale Instanz. Es waren alle großen deutschen Automobilhersteller vertreten, die chemische und die Pharma-Industrie, Logistikunternehmen wie die Deutsche Post, die Allianz-Versicherung - quer durch die unterschiedlichsten Branchen. Und daraus ist der Industrial Data Space entstanden. Der Grundgedanke war, dass kein Datenserver, keine Cloud in der Hand eines Einzelnen sein darf. Wir haben im Grunde den Datenaustausch zwischen den Servern einzelner Unternehmen sicher gemacht, wir klären, wer dabei ist. Wir haben schon ungefähr 70 Use-Cases vorliegen und weit über 100 Projektgespräche mit Unternehmen geführt.

          Hätte das nicht auch die deutsche Industrie als eine Art Gemeinschaftswerk übernehmen können?

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