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Industrie 4.0 : Wie fünf Mittelständler Siemens und Co. trotzen wollen

Einheitlicher Auftritt: die Vorstandsvorsitzenden Thönes (DMG Mori), Dieter (Dürr), Streibich (Software AG) und Spitzenpfeil (Zeiss) Bild: Marcus Kaufhold

Digitalisierung ist eine Jahrhundertaufgabe. Jetzt nehmen fünf große Mittelständler auf dem Weg zu Industrie 4.0 das Heft selbst in die Hand: mit einer ganz besonderen Unternehmensgründung.

          Der Aufschlag war gewaltig: Der größte Werkzeugmaschinenbauer der Welt DMG Mori, der führende Hersteller von Lackieranlagen und Holzbearbeitungsmaschinen (Marke Homag) Dürr, der Optikkonzern Zeiss, das Softwareunternehmen Software AG und der Hersteller von Maschinen zur Leiterplattenbestückung ASM hatten gemeinsam nach Frankfurt geladen. Die Spannung war groß. Christian Thönes, Vorstandsvorsitzender von DMG Mori, brachte es mit seinem ersten Satz auf den Punkt: Der Maschinen- und Anlagenbau nimmt die Digitalisierung selbst in die Hand und gestaltet sie aktiv mit.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die fünf großen Mittelständler hoben in Frankfurt das gemeinsame Unternehmen Adamos GmbH mit Sitz in Darmstadt aus der Taufe. In diesem haben alle Partner – zum allergrößten Teil die Software AG – ihre Digitalisierungsaktivitäten eingebracht, um künftig den Kunden über die Datenwolke (Cloud) Serviceleistungen rund um die Maschinen anbieten zu können. Das ist nicht die erste Digitalplattform. Es gibt bestehende von General Electric, von Siemens oder Trumpf. Aber Adamos soll sich unterscheiden. Die hinter ihr stehenden fünf Partner, die zu je 20 Prozent an der GmbH beteiligt sind, fangen nicht bei null an. Sie haben bewusst kein Start-up gegründet oder übernommen, sondern starten offiziell am 1. Oktober mit mehr als 200 Mitarbeitern, mehr als 30 Applikationen und auf 5 digitalen Marktplätzen. Die Anfangsinvestitionen betragen 60 Millionen Euro. Größe, davon sind die Partner überzeugt, ist in der digitalen Welt noch wichtiger als in der analogen.

          Hinter der Plattform Adamos – der Name ist ein Akronym aus der Langfassung „Adaptive Manufactoring Open Solutions“ – stehe auch nicht ein großer Anbieter von Anlagen oder Software, sondern es sei bewusst eine „Mittelstandslösung auf Augenhöhe“ gesucht worden, wie die Vorstände der Gesellschafter-Partner betonten. „Wir teilen die Markteinschätzung, dass je Branche nur zwei oder drei Internetplattformen überleben werden“, beschreibt Thönes die Ausgangslage. Unter den Hunderten, die in der Entwicklung sind, müsse man sich also erfolgreich absetzen, um zu den wenigen Überlebenden zu gehören. „Eine Eigenentwicklung kam für keinen von uns in Frage. Das hätte zu lange gedauert und zu viel Geld gekostet“, sagt Thönes. Und man könne nicht einmal sicher sein, dass man die notwendigen Mitarbeiter gefunden hätte. DMG Mori habe inzwischen zwar rund 150 IT-Fachleute, weil auch ein Maschinenbauer ohne Expertise auf diesem Gebiet keine Chance mehr hätte. Aber eine Entwicklung wie Adamos hätte sein Unternehmen trotzdem Jahre gekostet.

          Allein die Software AG habe in die Entwicklung der für die Plattform notwendigen Software über mehrere Jahre etwa eine Milliarde Euro investiert. Das Unternehmen aus Darmstadt betreut die Adamos-Plattform. Auf dieser Plattform, die Werkzeuge zur Erfassung, Speicherung und Auswertung der gewonnenen Daten zur Verfügung stellt, kann jeder Partner seine eigene Applikation aufsetzen, die mit Hilfe dieser Werkzeuge speziell auf die Bedürfnisse seiner Kunden ausgerichtet werden. Derzeit gibt es auf der Plattform die Marktplätze der Gründungspartner, also Celos (DMG Mori), Tapio (Homag/Dürr), Loxeo (Dürr) oder Zeiss Apps (Zeiss).

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