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Vernetzte Maschinen : Die Daten der Industrie werden zum Milliardengeschäft

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An dieser Stelle sieht er die Politik gefordert, europäischen Plattformanbietern über ein einheitliches Datenrecht in der EU eine Chance zu geben, mit amerikanischen Anbietern mitzuhalten. „Es geht hier nicht um Abschottung des europäischen Marktes“, erläutert Klaus Mittelbach, Vorsitzender der Geschäftsführung des ZVEI. Es gehe um die Ausnutzung von Skaleneffekten des großen europäischen Marktes, um dann über die Öffnung zu einem echten Wettbewerb mit amerikanischen Anbietern zu gelangen, die ansonsten aufgrund ihres großen Heimatmarktes Größenvorteile gegenüber europäischen Mitbewerbern hätten.

Ziesemer sieht Deutschland in Bezug auf Industrie 4.0 gut aufgestellt. Die große Stärke sei die Kenntnis industrieller Fertigung, die Deutschland als größter Produktionsausrüster der Welt habe. Viele Daten seien auch künftig nur vernünftig interpretierbar vor dem Hintergrund genauer Branchen- und Anlagenkenntnisse. Aber die Industrie müsse am Ball bleiben und sich der Möglichkeiten auch der rein statistischen Datenanalyse (Big Data) bedienen. Es müssten künftig nicht alle Mitarbeiter zu Softwareentwicklern werden, aber die in der Vergangenheit geltende Trennung von Mechanik, Elektronik und Software sei in der neuen Welt aufgehoben. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Das führt auch zu mehr Gruppenarbeit. „Der Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter kommt daher in Zukunft eine noch größere Bedeutung zu“, ist Ziesemer überzeugt. Er begrüße ausdrücklich, dass in diesem Punkt die Gewerkschaft IG Metall eine konstruktive Rolle spiele und die Beschäftigten auf die neue Arbeitswelt vorbereite. „Wir müssen den Mitarbeitern sagen, was Industrie 4.0 für sie persönlich bedeutet.“ Nur so sei gewährleistet, dass Industrie 4.0 weiterhin eine hohe Akzeptanz in der Gesellschaft genieße.

Weil die Vernetzung der Produktionswelt eine globale Entwicklung sei, versuche der ZVEI über Kooperationen mit Verbänden in anderen Ländern deutsche Erfahrungen weiterzugeben und von Erfahrungen ausländischer Partner zu lernen. Jüngst hat der ZVEI ein Kooperationsabkommen mit dem indischen Verband geschlossen. Mit dem chinesischen Elektroverband kooperiere man seit 2007. Mit den Vereinigten Staaten knüpfe man die Bande enger. Erstmals werde auf der ZVEI-Jahrestagung am 9. und 10. Juni in Berlin ein Vertreter des IIC (Industrial Internet Corporation) auftreten.

Über die in beiden Ländern tätigen Unternehmen stehe man bereits in intensivem Meinungsaustausch. Industrie 4.0 sei kein Länderkampf, sondern ein Wettbewerb zwischen Anbietern bei gleichen Chancen für alle. Der ZVEI verstehe sich vor allem innerhalb Europas als Innovationstreiber. Es komme innerhalb der EU auf die Industrien in Deutschland, Frankreich und Italien an, weil dort - im Gegensatz zu Großbritannien oder Polen - entscheidungsbefugte Konzernzentralen beheimatet seien.

„Auf der kommenden Hannover Messe im April 2016 werden wir mehr als einhundert Implementierungen von Industrie 4.0 sehen“, ist Ziesemer überzeugt. Die Industrie habe begriffen, dass sie jetzt Anlagen und Produkte entwickeln muss, die sich durch einen höheren Grad an Digitalisierung und Vernetzung auszeichnen.

Dass sich der Aufbruch in die neue Welt der Produktion nicht in der Investitionsneigung niederschlage, sei kein Gegenargument zu seinem Optimismus. Investitionen in die Vernetzung oder in neue Dienstleistungen seien keine Ausrüstungsinvestitionen im klassischen Sinn. Die entsprechenden Ausgaben finden sich nach Ziesemers Worten vielfach im Personalaufwand oder im Forschungsaufwand wieder. „In den vergangenen 14 Jahren hat die Elektroindustrie konstant viel investiert - bei gleichzeitiger Verdoppelung ihrer Ausgaben für Forschung und Entwicklung.“ Der Investitionsbegriff müsse an dieser Stelle vielleicht neu definiert werden.

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