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Industrie 4.0 : Ein Plädoyer für die digitale Kontaktpflege

Epizentrum und zurzeit stärkster Treiber dieses Wandels sei aber eben nicht Europa, sondern das Silicon Valley mit seiner einzigartigen Gründerkultur. Seit seiner Gründung im Jahr 2004 habe es Facebook auf mittlerweile 1,4 Milliarden Nutzer gebracht. Statistisch gesehen, seien das knapp 20 Prozent der Weltbevölkerung. Apple habe allein mit dem iPhone im vergangenen Jahr mehr Umsatz erwirtschaftet als jeder der 30 Dax-Konzerne mit seinem gesamten Angebot an Produkten und Dienstleistungen. Und die 30 wertvollsten Silicon-Valley-Unternehmen seien mit 2,6 Billionen Dollar an der Börse zweieinhalbmal so viel wert wie alle Dax-30-Unternehmen zusammen.

Technologie hat Antworten für alles

Auffallend sei, dass viele der Gründergrößen des Valleys über ein ausgeprägtes Sendungsbewusstsein verfügten und eine gemeinsame Vision teilten. Ihr Mantra habe Marc Andreessen, der Gründer von Netscape, auf den Punkt gebracht: „Tech has an answer for everything“ (Technologie hat Antworten für alles). Was die Unternehmer aus dem Valley anstrebten, werde auch deutlich, wenn man das Buch „Zero to one“ von Peter Thiel, dem Gründer des Online-Bezahldienstes Paypal und erfolgreichen Investor, zur Hand nehme. Es trage den Untertitel „How to build the Future“. Und das sei nicht ironisch gemeint. Thiel werbe offen für Monopole: Denn nur die Monopole würden ausreichend Gewinne schaffen, um diese nachfolgend in Lösungen für die großen Probleme unserer Zeit investieren zu können. Unternehmer sollten daher Konkurrenzkampf vermeiden, wo es geht.

Europa müsse sich angesichts solcher Aussagen darüber im Klaren sein, dass die digitale Ökonomie wesentlich mehr in Frage stelle als tradierte Geschäftsmodelle. Sie rüttele vielmehr an den Voraussetzungen, die bisher zum Kern der westlichen Wirtschaftsordnung zählten, wie zum Beispiel den von Thiel proklamierten Monopolkapitalismus.

Microsoft als Fallbeispiel für die mangelnde Innovationskraft von Monopolisten

Das Modell eines neuen digitalen Monopolkapitalismus, in dem wenigen Unternehmen die Aufgabe gesamtgesellschaftlicher Transformation zugedacht wird, halte einer näheren Prüfung aber nicht stand, ist Quandt überzeugt - und macht auch in diesem Punkt Europa Hoffnung. „Denn es ist alles andere als innovationsfördernd, und damit auch nicht zukunftsfähig. Die Marktwirtschaft als Gesellschaftsmodell, in dem die gesellschaftlichen Kräfte im Gleichgewicht bleiben und im fairen Wettbewerb der Unternehmen möglichst viele auf direktem Wege von wirtschaftlichem Wachstum profitieren können, wird als Innovationsmotor langfristig erfolgreicher sein“, sagte Quandt. Thiel habe zwar recht, wenn er schreibe, dass Monopolpositionen den Unternehmen hohe Erträge und damit hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung ermöglichten. „Aber es ist alles andere als erwiesen, dass Monopolisten ihr Geld effizient einsetzen, Kunden- und Marktbedürfnisse frühzeitig erkennen und ihre Stellung nachhaltig behaupten können.“

Das Unternehmen Microsoft sei hierfür ein Kronzeuge. Heute sehe mancher Microsoft als Fallbeispiel für die mangelnde Innovationskraft von Monopolisten. „Könnte es sein, dass wir in einigen Jahren ähnlich auf Firmen wie Google und Facebook schauen werden? Und könnte es sein, dass im nächsten Jahrzehnt junge Wirtschaftsstudenten rückblickend die strategischen Weichenstellungen analysieren, die in den erfolgsverwöhnten Konzernzentralen falsch entschieden wurden?“ Die Antwort aus der Sicht von Quandt: Ja, es könnte so sein. Aber entscheidend ist es eben, solchen Wettbewerben aus Europa Paroli zu bieten - mit unternehmerischen Mitteln.

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