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Indiens Unternehmer : Auf dem Weg nach Westen

Deutsche Ingenieurskunst ist gefragt: Der Windkraftanlagenhersteller Repower gehört heute der indischen Suzlon. Bild: ddp

Der schwache Euro, starke Marken und gute Technik locken die Investoren aus Indien nach Europa. Fachleute erwarten eine Welle von Unternehmenskäufen und Beteiligungen. Nicht alle bisherigen Zukäufe waren jedoch erfolgreich.

          Indische Unternehmer bereiten sich auf weitere Übernahmen im westlichen Ausland vor. Der niedrige Wechselkurs des Euro auf der einen, die eigene Finanzkraft auf der anderen Seite bieten ihnen Chancen. „Ich habe keinen Zweifel, dass wir eine Welle von Unternehmenskäufen und Beteiligungen sehen werden. Die Unternehmer haben alle ihre Liste mit Zielen in der Schublade liegen“, sagt Armin Bruck, der als Siemens-Chef in Indien Zugang zu vielen Unternehmen hat. Immer größer wurde in den vergangenen Jahren das Rad, das indische Unternehmer drehten. Als spektakulär gilt der Kauf der britischen Traditionsmarken Jaguar und Land-Rover durch Tata Motors, Indiens größten Fahrzeugkonzern, für 2,3 Milliarden Dollar.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Damals kam der Mutterkonzern Tata aufgrund seiner hohen Verschuldung in der Wirtschaftskrise in Schwierigkeiten. Die aber sind Vergangenheit: So habe sich der Bestand an Barmitteln indischer Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr um 60 Prozent gegenüber dem vorherigen Geschäftsjahr erhöht, ermittelten die Berater von Pricewaterhouse Coopers. „Diese höhere Liquidität kann für Expansion und Zukäufe eingesetzt werden“, sagt Sanjay Hegde, Direktor von PwC in Indien.

          Der deutsche Automobilzulieferer Bosch etwa, dessen indisches Tochterunternehmen in Bombay (Mumbai) börsennotiert ist, versucht sich an einem umfangreichen Aktienrückkaufprogramm, um seine Liquidität zu verringern. „Unsere Unternehmen haben eine gut gefüllte Kriegskasse und einen geringen Verschuldungsgrad, verglichen mit den Firmen im Westen. Die Manager sind bestens ausgebildet. Sie arbeiten zu den niedrigsten Kosten, ohne bei der Qualität Kompromisse einzugehen. Und sie haben eine Gründermentalität. Das alles zusammengenommen macht indische Unternehmen zu Siegertypen“, schwärmt Amit Mitra, Generalsekretär des Industrieverbandes FICCI. Die Deutsch-Indische Handelskammer zählt – sehr wohlwollend – 112 indische Investoren in Deutschland.

          Platzhirsche auf der Suche: Infosys, Tata und Wipro

          Datendienstleister wie Infosys Technologies, Wipro oder Tata Consultancy Services (TCS) haben vor kurzem angekündigt, auf der Suche nach Übernahmekandidaten zu sein. So klang das Dementi, das Infosys gerade mit Blick auf einen Kauf der Londoner Logica für geschätzte 4,2 Milliarden Dollar gab, denn auch weich wie Wachs: Im Markt kreisten lediglich „Gerüchte“, kommentierte Finanzvorstand V. Balakrishnan. Die aber kommen nicht unbegründet, nachdem Vorstandschef S. Gopalakrishnan Mitte April öffentlich erklärte, Infosys schaue sich nach Übernahmekandidaten insbesondere in Europa um. „Den Trend, im Ausland zu investieren, hat die IT-Branche begründet. Andere wie Pharma, Chemie, Automobil, Rohstoffe oder Textilien sind dann gefolgt“, sagt FICCI-Funktionär Mitra. Seinen Angaben zufolge investierten die Inder im Krisenjahr 2009 noch 13 Milliarden Dollar jenseits der Grenze, nach 33 Milliarden Dollar im Jahr zuvor.

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