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Indiana : Unternehmen machen gegen Abtreibungsgesetz mobil

Eine Kundgebung für Abtreibungsrechte vor dem Weißen Haus: nach dem Urteil des Supreme Courts hat sich die Debatte längst nicht beruhigt. Bild: dpa

Die Verschärfung von Abtreibungsregeln in den USA sorgt für zunehmende Kritik aus der Wirtschaft. Indiana hat als einer der ersten Staaten ein neues Gesetz auf den Weg gebracht. Jetzt spricht der Pharmakonzern Eli Lilly eine Drohung aus.

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          Die Verschärfung von Abtreibungsregeln in den USA im Zuge eines Urteils des Obersten Gerichtshofs sorgt für zunehmende Kritik aus der Wirtschaft. Mehrere Unternehmen haben jetzt in deutlichen Worten gegen ein neues Gesetz im Bundesstaat Indiana protestiert, das Abtreibungen weitgehend verbietet. Der Pharmakonzern Eli Lilly , der hier seine Zentrale hat und zu den größten Arbeitgebern gehört, drohte damit, künftig verstärkt anderswo Arbeitsplätze zu schaffen: „Angesichts des neuen Gesetzes werden wir dazu gezwungen sein, mehr Wachstum unserer Belegschaft außerhalb unseres Heimatbundesstaates zu planen.“ Der Motorenhersteller Cummins , der wie Eli Lilly rund 10.000 Mitarbeiter in Indiana beschäftigt, sagte, bislang habe das Recht, selbst Entscheidungen zur „Reproduktionsgesundheit“ zu treffen, Frauen die gleichen Chancen wie Männern gegeben, voll am Berufsleben teilzunehmen. Das neue Gesetz stehe damit aber in Konflikt.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Stellungnahmen sind in ihrem kritischen Ton bemerkenswert. Als der Oberste Gerichtshof im Juni das seit Jahrzehnten geltende nationale Recht auf Abtreibung aufhob, hielten sich die meisten amerikanischen Unternehmen mit einer inhaltlichen Bewertung der Entscheidung zurück. Viele Arbeitgeber kündigten zwar an, sie würden etwaige Kosten erstatten, wenn Mitarbeiterinnen für Schwangerschaftsabbrüche in andere Bundesstaaten reisen, aber offene Kritik an dem Richterspruch gab es nur vereinzelt. Zu den wenigen Ausnahmen gehörte der Jeanshersteller Levi Strauss , der sagte, er lehne alle Schritte ab, die den Zugang zu Abtreibungen einschränken. Er appellierte auch an andere Unternehmen, sich öffentlich für den Erhalt von Abtreibungsrechten einzusetzen.

          Gesetzgebung sei rücksichtslos

          Das Urteil des Obersten Gerichtshofs sorgte dafür, dass in mehreren Bundesstaaten fast unmittelbar strengere Abtreibungsgesetze in Kraft traten, die für diesen Fall vorbereitet waren. Indiana ist jetzt der erste Bundesstaat, der ein ganz neues Gesetz auf den Weg gebracht hat. Wie Eli Lilly nun sagte, zählt es zu den strengsten im ganzen Land. Abtreibungen sind nur noch in sehr wenigen Fällen erlaubt, etwa wenn eine Vergewaltigung oder Inzest zur Schwangerschaft geführt haben oder das Leben der Schwangeren in Gefahr ist. Das Gesetz soll Mitte September in Kraft treten.

          Eli Lilly kritisierte, Indiana habe die Restriktionen innerhalb kurzer Zeit verabschiedet, obwohl es sich hier um ein Thema „ohne klaren Konsensus“ handele. Ähnlich argumentierte auch die Handelskammer in Indiana. Ein beschleunigtes Gesetzgebungsverfahren in solchen „komplexen Angelegenheiten“ sei für die Menschen im Bundesstaat „im besten Fall nachteilig und im schlechtesten Fall rücksichtslos“.

          Sowohl Eli Lilly als auch Cummins beklagten, das neue Gesetz werde es ihnen erschweren, in Indiana Mitarbeiter zu finden. Der Pharmakonzern sagte, er habe zwar die Leistungen in seiner betrieblichen Krankenversicherung angepasst und übernehme Reisekosten für „Reproduktionsdienste“, die nicht mehr vor Ort verfügbar seien. „Aber das wird manchen gegenwärtigen und potentiellen Mitarbeitern womöglich nicht reichen.“ Eli Lilly hat auch in politisch weniger konservativen Regionen in den USA umfangreiche Aktivitäten. Der Konzern kündigte zum Beispiel in diesen den Aufbau eines 700 Millionen Dollar teuren Forschungszentrums in Boston an.

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