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Spielwaren-Branche : Knete und Tischfußball statt Hightech

Auf der Pole Position: Der Bausteinhersteller Lego ist seinen Wettbewerbern enteilt. Bild: dpa

Die Hersteller setzten auf Altbewährtes und fahren damit gut: 2015 war ein Rekordjahr. Trotzdem herrscht vor der Spielwarenmesse in Nürnberg keine Hochstimmung.

          Ausgerechnet Knetmasse. Als ob die Spielwarenwelt nichts Außergewöhnlicheres zu bieten hätte. Wenn ab Dienstag 2851 Aussteller aus 67 Ländern auf der Nürnberger Spielwarenmesse ihre Innovationen zeigen, präsentiert der amerikanische Hasbro-Konzern Knetmasse. Keine Fernsteuerung, kein berührungsempfindlicher Bildschirm, keine Elektronik, nur ein zäher Klumpen und bunte Förmchen, um die Masse in gewünschte Umrisse zu pressen. Die Play-Doh-Knete wird 60 Jahre alt und führt das Marktsegment an, nachdem über Jahre kleinere Herausforderer eingeknickt sind. Aber das dürfte eher den Hersteller bewegen als die Kinder.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dennoch befindet sich Hasbro in guter Gesellschaft. Playmobil kommt ebenfalls ohne Technik-Schnickschnack daher und setzt auf Tischfußball. Dafür holt der fränkische Hersteller den früheren Nationaltorhüter und heutigen Torwarttrainer Andreas Köpke auf das Messegelände. Er soll im Fußball-EM-Jahr vorführen, wie man mit Playmobil-Kickern nicht nur Bälle hält, sondern auch Tore schießt. Die Figuren haben ein neu entwickeltes bewegliches Bein zum Kicken, das Spielfeld lässt sich zusammenklappen und sogar zum Public-Viewing mitnehmen.

          Dagegen mutet es fast revolutionär an, dass Mattel doch mit Elektronik aufwartet, mit einer Datenbrille für das Kinderzimmer. Aber auch die wird nicht als Zukunftstechnik angepriesen, sondern als Rückkehr eines „Kultspielzeugs“. Einst guckten Kinder in den View-Master, ein brillenähnliches Gestell mit Vorbau, in dem sich Scheiben mit Bildern befanden. Nun sollen die Betrachtungsobjekte vom ins Gestell eingelegten Smartphone kommen.

          Kinder lieben Klassiker

          In den vergangenen Jahren gab es bei Mattel Bühnenshows rund um die Konzerndiva Barbie. Man ließ eine Frau im Barbie-Kostüm an Seilen hoch oben durch das Messefoyer schweben. Doch Barbie hat nun ein Formtief, die Verkaufszahlen sind nicht mehr himmlisch. Der View-Master kommt ohne Püppchen aus, prominent durchgucken soll Schauspieler und Tatort-Ermittler Wotan Wilke Möhring.

          Was sich schon 2015 abzeichnete, setzt sich 2016 fort. Kinder lieben Klassiker. Nicht das Ausgefallene steht auf Wunschlisten oben, sondern das Althergebrachte. Die Messegesellschaft hat einiges an Kreativität aufgebracht, um drei Trends auszurufen, die Kinderwünsche und Produktpaletten der Hersteller abbilden. Beim genauen Hinsehen entpuppen sie sich als neue Überschriften für das, was ohnehin das Spiel bestimmt: Ausgefeiltes Design, Lernspielzeug und Heldenfiguren, mit denen sich Kinder identifizieren. „Wenn die kleinen Alltagshelden in jungen Jahren lernen, wie die Welt funktioniert, helfen sie morgen hoffentlich, sie ein wenig besser zu machen“, sagt Messemarketing-Vorstand Christian Ulrich.

          Dass sich auch für sie das Geschehen zum Guten wendet, darauf hofft ebenso die Spielwarenbranche. Während sich in Kinderzimmern der Trend zum Traditionellen fortsetzt, steht die Branche vor Umwälzungen. Man könnte sagen, die Spielregeln werden komplizierter. Messechef Ernst Kick kündigt „eine der spannendsten Messen überhaupt“ an. Dabei dürfte er eher an die bevorstehenden Gespräche des Fachpublikums denken als an die 75.000 Neuheiten, die für eine Woche aus den 15 Nürnberger Messehallen den größten Spielzeugladen der Welt machen.

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