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„Denkwürdiges Geschäftsjahr“ : Hornbach-Chef: Pools, Grills und Brennholz sind knapp geworden

Hornbach verzeichnet gute Geschäfte – trotz Corona. Bild: dpa

Der Baumarktbetreiber Hornbach steigert seinen Gewinn trotz Pandemie um 40 Prozent. Ein Ende des Krisenbooms erwartet Unternehmenschef Erich Harsch nicht.

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          Wochenlang waren die Baumärkte wegen Corona geschlossen. Und als sie endlich wieder aufmachen durften, seien in kurzer Zeit Swimmingpools, Grills und selbst Brennholz knapp geworden, sagt Erich Harsch. Weil die Menschen gezwungenermaßen zu Hause bleiben mussten, waren sie nach Einschätzung des Hornbach-Vorstandsvorsitzenden auch gezwungen, sich anders als sonst zu beschäftigen. Viele hätten deshalb ihr Zuhause neu gestaltet und schöner gemacht, sagt er. „Wir haben versucht diesen positiven Nebeneffekt der Pandemie zu nutzen, und trotz aller Einschränkungen, das Beste daraus zu machen.“

          Bernd Freytag
          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Der Vorstandsvorsitzende der Hornbach Baumarkt AG und seine für die Finanzen zuständige Kollegin Karin Dohm haben ein „denkwürdiges Geschäftsjahr“ hinter sich, wie sie im Gespräch mit der F.A.Z. berichten. In Deutschland, wo die Firmengruppe aus der Pfalz 96 Märkte betreibt, aber auch in fast allen Auslandsmärkten hatten die Behörden zwischenzeitlich die Schließung von Geschäften angeordnet. Trotzdem sind die Umsätze der Holding im Geschäftsjahr 2020/21 um mehr als 15 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro gewachsen. Das Betriebsergebnis schoss nach Darstellung des Unternehmens gar um mehr als 40 Prozent auf 325 Millionen Euro in die Höhe.

          Punkten auch gegen Amazon

          Hornbach ist wie die gesamte Baumarktbranche ein Gewinner dieser Krise, auch wenn die beiden Vorstände das so direkt nicht sagen wollen. Sie verweisen stattdessen auf „extreme Rahmenbedingungen“, die unterschiedlichen Regelungen in den einzelnen Bundesländern und  die kurzfristige Informationspolitik der Behörden. „Manchmal haben wir erst am Sonntag aus einer neuen Verordnung erfahren, dass wir am Montag öffnen dürfen“, sagt Harsch.

          Zugleich hätten sich die Baumärkte als Vorreiter in Sachen Schutzmaßnahmen bewährt. „Wir hatten schließlich die meisten Materialen zum Schutz schon vorrätig“. Die stark gestiegene Nachfrage habe die Umsatzverluste aus den vorübergehenden Schließungen mehr als ausgeglichen. Hornbach habe zudem von den hohen Investition in den Ausbau des Online-Geschäftes profitiert – alleine in den vergangen zehn Jahre habe der Konzern dafür 500 Millionen Euro ausgegeben. Sowohl der reine Onlinehandel als auch das „Reservieren und Abholen“ im Markt seien trotz der Krise fast ohne Einschränkungen möglich gewesen.

          500 Euro Corona-Prämie

          Hornbach hat nach Harschs Worten von einer engen Verzahnung zwischen  stationärem Geschäft und Onlinehandel profitiert. Beides würde sich ergänzen und nicht ersetzen. Das Einkaufsverhalten werde sich zwar ändern, einen Bedeutungsverlust des stationären Handels erwartet er für die Baumärkte aber nicht. So sei der Handelsgigant Amazon im Baumarktgeschäft nicht stärker gewachsen als der Schnitt der Branche. Amazon fehlten eben die stationäre Märkte und die spielten im Baumarkt-Geschäft eine große Rolle, sagt Harsch, der erst Anfang 2020 nach vielen Jahren an der Spitze der Drogeriemarktkette DM zu Hornbach gewechselt ist. Hornbach hat nach seinen Worten Marktanteile gewonnen, sei „in allen Regionen stärker gewachsen als der Wettbewerb“.

          Es sei politisch richtig gewesen, die Baumärkte wieder zu öffnen. Hornbach habe gezeigt, dass Schutzkonzepte und Hygiene funktionierten. „Wir haben viele Freiluftbereiche und große, hohe Gänge, es gab in keinem unserer Märkte ein Superspreader-Ereignis.“

          Baumärkte sind nach Harschs Worten wichtig für die Funktionsfähigkeit der Gesellschaft in dieser Krise. Angefangen von der Frage, woher das Material für Schutzmaßnahmen kommt, bis hin zur Überlegung, womit sich die Menschen im Lockdown überhaupt beschäftigen könnten. Der hohe Kundenzuspruch nach der ersten Wiedereröffnung Anfang März habe die Bedeutung der Bau-und Gartenmärkte als Grundversorger gezeigt, und das in allen Ländern in den Hornbach aktiv sei.

          Harsch glaubt nicht, dass die Reparaturen und Verschönerung jetzt ein Ende finden. „Einen Vorzieheffekt sehe ich nicht.“ Stattdessen gehen die Verschönerung weiter, nach dem einen würden bald weitere Zimmer gestrichen. „Und wenn der Nachbar plötzlich einen Swimmingpool besitzt, steigt der Wunsch nach einem eigenen“. Harsch rechnet deshalb mit „Kettenreaktionen, die noch einen längeren Zeitraum anhalten.“ Der Trend, es sich zuhause schöner zu machen, werde so schnell nicht enden. Der gerade anlaufende zweite „Corona-Frühjahr“ bestätige bislang diese Vermutung.

          Eine Prognose für das neue Geschäftsjahr gab das Vorstandsduo allerdings noch nicht. Dazu sei die Ungewissheit vor den Auswirkungen einer dritten Welle dann doch noch zu groß. Die mehr als 23.000 Beschäftigen haben nach den Worten von Finanzchefin Dohm im vergangenen Geschäftsjahr mindestens einmal eine Corona-Prämie erhalten – in Deutschland habe es im Juni und Dezember eine Auszahlung von je 500 Euro gegeben. Ob es nochmals einen Bonus geben wird und sich der höhere Gewinn auch in einer höheren höheren Ausschüttung niederschlagen soll, habe der Vorstand noch nicht entschieden.

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