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Immobilienkonzern IVG : Einsturzgefahr auf der Dauerbaustelle

Teurer als erwartet: IVG-Projekt „The Squaire“ am Flughafen Frankfurt Bild: Eilmes, Wolfgang

Seit fünf Jahren kämpft der Immobilienkonzern IVG gegen die Pleite. Ohne Zugeständnisse seiner Gläubiger ist der Schuldenberg nicht mehr zu bewältigen. Jetzt gibt es neue Hoffnung.

          Im Herbst 2009 schien das Schlimmste überstanden. „Die IVG hat  ihre Restrukturierung erfolgreich abgeschlossen. Jetzt können wir zu einer  neuen Phase des Wachstums übergehen“, sagte Wolfgang Schäfers, damals noch  Finanzvorstand des Bonner Immobilienkonzerns und guter Dinge, dass die IVG die  Schieflage aus eigener Kraft überwinden würde. Die Märkte zogen allmählich  wieder an, und für die meisten Bürohäuser, welche die IVG zum Verkauf gestellt  hatte, kam ein guter Preis zustande. Fast eine halbe Milliarde Euro an  Verkaufserlösen machten das akut pleitebedrohte Unternehmen wieder halbwegs  handlungsfähig. Jetzt steht Schäfers, inzwischen aufgestiegen zum  Vorstandsvorsitzenden, vor dem möglicherweise letzten Kapitel. Wenn die  Gläubiger nicht mitspielen und auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten,  droht dem einst so stolzen Immobilienkonzern das Aus.

          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Seit Freitagabend gibt es neue Hoffnung: Vertreter mehrer Gläubigergruppen  erklärten sich bereit, ein gemeinsames Rettungskonzept zu erarbeiten. Dazu  gehört auch ein Überbrückungskredit, ohne den der Konzern die Zeit bis zum  Abschluss der Restrukturierung nicht überstehen würde. Bis ins Frühjahr  kommenden Jahres wird sich die Zitterpartie wohl noch hinziehen. Aber ein  Anfang ist gemacht. Auch wenn die Lage weiter sehr verzwickt bleibt, sieht  Schäfers die Chance, innerhalb der kommenden 10 Tage einen „tragfähigen  Kompromissvorschlag“ vorlegen zu können. Die ursprüngliche Idee, damit schon  Ende August die Hauptversammlung zu befassen, ist allerdings nicht mehr zu  halten. Das Aktionärstreffen ist zum zweiten Mal verschoben worden und soll  jetzt erst am 12. September stattfinden.

          „Die IVG hat einen starken, gesunden Kern, auf den wir bauen können“, beschwor  Schäfers die Geldgeber, von denen die Zukunft des Unternehmens abhängt. Dabei  hatte sich sein Plan anfangs so gut angelassen. Vor allem das Geschäft mit den  unterirdischen Lagerstätten für Öl und Erdgas, die der Konzern in  Norddeutschland betreibt, lief hervorragend. Weitere Immobilienverkäufe,  interne Sparprogramme  und eine Neuverhandlung der Kredite brachten  Entlastung. Nach zwei Jahren mit hohen Verlusten wies der Konzern für 2010  wieder Gewinne aus.

          Es bleibt wohl nur ein Schuldenschnitt

          Aber dann kamen die Rückschläge. Riesige Abschreibungen auf den  Immobilienbestand, Pannen in der Projektentwicklung und vor allem gewaltige  Baukostenüberschreitungen für das Milliardenprojekt „The Squaire“ am  Frankfurter Flughafen: Immer neue Löcher taten sich auf. Weitere Immobilien,  darunter viele Rosinen aus dem Altbestand, mussten verkauft werden. Die  Mieteinnahmen gehen zurück, die  Ertragsbasis bröckelt. Zusätzlich drückt nun  die schwächere Konjunktur auf die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien. Und auch  das Kavernengeschäft ist ins Stocken geraten, weil sich die Energieversorger  nach der Energiewende mit neuen Verträgen und Investitionen zurückhalten.

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