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Immobilien : Junge Akademien

  • -Aktualisiert am

Bis in das Jahr 1990 gab es in Deutschland - bis auf einige wohnungswirtschaftlichen Ausbildungsstätten - keine Möglichkeit, Immobilienwirtschaft zu studieren. Nun kommt die Aus- und Weiterbildung langsam in Fahrt.

          „Es war im November 1988“, erinnert sich Karl-Werner Schulte. „Ich saß an meinem häuslichen Schreibtisch, als das Telefon schellte und sich eine mir nicht bekannte Person im Auftrag eines Herrn namens Bernd Heuer meldete, der Managementseminare veranstaltet.“ Der Anrufer bat Schulte, auf einem Seminar über strategisches Personalmanagement in der Bau-, Immobilien- und Finanzwirtschaft zu sprechen.

          Was damals mit einem Telefonat begann, stellte sich im nachhinein als Geburtsstunde der deutschen Immobilienakademien heraus. Bis in das Jahr 1990 gab es in Deutschland - bis auf einige wohnungswirtschaftlichen Ausbildungsstätten - keine Möglichkeit, Immobilienwirtschaft zu studieren. Karl-Werner Schulte, damals Inhaber des Lehrstuhls für Investition und Finanzierung an der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel bei Wiesbaden, zählt heute international zu den bekannten Wissenschaftlern der Immobilienökonomie.

          Aufbau eines „Instituts für Immobilienwirtschaft“

          Durch die Anregung von Heuer eröffnete er im Juli 1990 die erste Akademie in Deutschland für die immobilienwirtschaftliche Weiterbildung junger Akademiker. Da es keine öffentlichen Gelder dafür gab, begann Schulte nach Sponsoren Ausschau zu halten. Der eigentliche Einstieg in die Immobilienwissenschaft gelang ihm im März 1994 mit der Errichtung eines Stiftungslehrstuhls Immobilienökonomie an der European Business School. Im selben Jahr folgte mit Hilfe der Wüstenrot-Stiftung die Einrichtung eines Lehrstuhls für Immobilienwirtschaft an der Universität Leipzig.

          Durch die beiden Stiftungslehrstühle wurde das Fachgebiet Immobilienökonomie zum ersten Mal in Deutschland als Wahlpflichtfach im Rahmen des Studiums der Betriebswirtschaftslehre eingeführt. Da beide Universitäten über das Promotionsrecht verfügen, konnten die ersten Dissertationen der Immobilienwirtschaft abgeschlossen werden. Allein aus dem „Stall“ von Karl-Werner Schulte - der in diesem Jahr sein 60. Lebensjahr vollendet - sind bis heute 36 Absolventen mit dem Titel eines Doktors für Immobilienwirtschaft gekommen. Im Jahr 2003 folgte die Universität Regensburg mit dem Aufbau eines „Instituts für Immobilienwirtschaft“, finanziert mit Mitteln des Immobilienunternehmers Hans Vielberth und der Zeitschrift „Euro“.

          „Bildung statt Beton“

          Parallel dazu baute Bernd Heuer, der mit seinen Management-Seminaren (Heuer-Dialog) ganze Generationen von Führungskräften der Bau-, Immobilien- und Finanzwirtschaft geprägt hat, mit Sponsoren den gemeinnützigen Verein „Agenda 4“ auf. Dieser Verein bündelt das Interesse von Immobilienwirtschaft und -Wissenschaft, um für engagierte Akademiker fachübergreifende Studiengänge an Universitäten einzurichten. Heuer prägte Ende der neunziger Jahre die Forderung „Bildung statt Beton“ und hat mit Hilfe bekannter Unternehmen zahlreiche Universitäten für projektbezogene Weiterbildungslehrgänge junger Juristen, Betriebswirtschaftler, Architekten und Bauingenieure gewinnen können.

          Welche Bedeutung die deutsche Immobilienausbildung mittlerweile gewonnen hat, zeigt die internationale Anerkennung des „EBS Department of Real Estate“ unter Karl-Werner Schulte. Seine Immobilienakademie ist mittlerweile die größte universitäre Weiterbildungsinstitution für Immobilienberufe in Europa und besitzt die Akkreditierung der „Royal Institution of Chartered Surveyors“, der mehr als 200 Jahre alten Immobilienberufs-Organisation in London.

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