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Immobilien : Hoffnungsschimmer im Osten

  • -Aktualisiert am

Bauboom in Dubai: höher, größer und teurer Bild: REUTERS

Die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien ist groß. Trotzdem überwiegt auf der Messe Expo Real die Nachdenklichkeit, denn die Zeit der Investitionsrekorde dürfte erst einmal vorbei sein. Die Branche schaut ins Ausland. Von Christiane Harriehausen.

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          Trotz eines neuen Ausstellerrekords ist die Stimmung auf der Expo Real gespalten. An die Stelle der Euphorie, die die Immobilienmärkte von Rekord zu Rekord getragen hat, ist Nachdenklichkeit getreten. Die Rückbesinnung auf den Sachwert Immobilie steht im Mittelpunkt von Europas größter Gewerbeimmobilienmesse, die derzeit in München stattfindet. In den Diskussionsrunden und Gesprächen geht es vor allem um Nachhaltigkeit. Das gilt nicht nur im Hinblick auf die Energieeffizienz von Gebäuden, sondern auch im Hinblick auf Investitionsstrategien und Finanzierungen.

          Vor allem kurzfristig orientierte Finanzinvestoren, die in den vergangenen zwei Jahren ihre Immobilienkäufe zu einem großen Teil fremd finanzierten, bleiben aus. Daher sind sich die meisten Teilnehmer einig, dass die Zeit der Investitionsrekorde erst einmal vorbei sein dürfte. Die Gründe liegen auf der Hand: Kapital ist rar geworden, die Margen der Finanzinstitute steigen wieder, und die Banken sind deutlich anspruchsvoller, wenn es um die Prüfung von Finanzierungsangaben geht. Nun ist die Stunde der Asset Manager gekommen, deren Ziel vor allem die Wertsteigerung von Immobilien ist.

          „Zurück zur Normalität“

          „Wir kommen zurück zur Normalität, was sich auch in sinkenden Kaufpreisen und wieder leicht steigenden Renditen widerspiegeln wird“, betont Angelika Kunath, Geschäftsführerin beim Fondshaus Hamburg. „Vor allem für langfristig orientierte Investoren, die weniger auf das schnelle Geld und mehr auf die Entwicklungsmöglichkeiten von Immobilien schauen, ist die Wettbewerbssituation jetzt wieder deutlich entspannter“, ergänzt Barbara Knoflach, Vorstandsvorsitzende der SEB Asset Management.

          Solange die Konjunktur nicht schwächelt, bedeutet diese Entwicklung interessante Chancen. „Die Verkäufer halten sich zurück und warten auf bessere Zeiten“, sagt Frank Billand, Mitglied des Vorstands der Union Investment Real Estate. Tatsächlich kommen derzeit einige Immobilientransaktionen nicht zustande, aber das schadet nicht. Im Gegenteil. Die Immobilienmärkte sind stabil. Die Büromieten in den europäischen Metropolen steigen weiter, und auch die Nachfrage ist ungebrochen.

          Zahlreiche Bauvorhaben am Start

          In Deutschland beginnen sich die Baukräne wieder zu drehen. Viele Projektentwickler haben langgehegte Pläne aus der Schublade gezogen. Hierzu zählt auch die Bayerische Bau und Immobilien Gruppe, die im Frühjahr 2008 mit dem Bau des von dem Stararchitekten Helmut Jahn geplanten Skyline Tower in der Münchner Parkstadt Schwabing beginnt. Das Investitionsvolumen des 23-geschossigen Bürogebäudes mit rund 44.000 Quadratmeter Geschossfläche beträgt rund 200 Millionen Euro. Vor allem in Hamburg, Düsseldorf, Köln und München gehen jetzt zahlreiche neue Bauvorhaben an den Start. Das belegt auch das Vertrauen der Immobilienbranche in die positive Entwicklung der Märkte.

          Zwar ist das Investoreninteresse an Deutschland ungebrochen, dennoch ist auch auf der Expo Real zu spüren, wie international die Immobilienwelt in den vergangenen Jahren geworden ist. Rund 1800 Aussteller aus 43 Ländern sind auf der Messe vertreten. Das entspricht einem Zuwachs von rund 11 Prozent. Erstmals dabei sind unter anderen auch die Türkei, Japan, Indonesien und Indien. „Mit dem Ergebnis reflektiert die Expo Real die Internationalisierung der Branche, beweist aber auch, dass sie Katalysator dieser Entwicklung ist“, sagt Eugen Egetenmeir, Mitglied der Geschäftsführung der Messe München.

          Mit Superlativen wird nicht gespart

          Die Anleger blicken derzeit vor allem nach Russland, Osteuropa, Asien, wobei das Interesse an sich entwickelnden Märkten wie Indien deutlich gestiegen ist. Auch die monumentalen Modelle von futuristischen Glasbauten in der arabischen Welt, wie sie unter anderem in Dubai in den Himmel schießen, locken die Besucher.

          Dabei wird mit Superlativen nicht gespart. Höher, größer und teurer lautet das Motto. Gebäude sollen modern und vor allem imageträchtig sein. „Wir beobachten ein ungebrochenes Interesse an Asien“, berichtet Manuela Better, Geschäftsführerin Asien bei der Hypo Real Estate Capital in Hongkong. Allerdings seien die Eintrittsbarrieren für Ausländer in diesen Märkten hoch.

          In Deutschland beschäftigt man sich verstärkt mit den Themen Stadtrenovierung und Modernisierung von Beständen. Hierin sehen Immobilienfachleute interessante Aufgabenfelder für die kommenden Jahre. Zahlreiche Büro-, aber auch Einzelhandelsgebäude aus den sechziger bis achtziger Jahren sind sowohl im Hinblick auf die energetischen Anforderungen als auch die Grundrisse und Nutzungsmöglichkeiten nicht mehr zeitgemäß. Hier schlummern noch einige ungenutzte Potentiale.

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