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Imagedefizit : Der Wildwuchs in der Welt der Detektive

Benedict Cumberbatch spielt Sherlock Holmes Bild: AP

Die Branche der Privatermittler leidet unter einem schlechten Image. Es fehlen klare Regeln. Jeder kann Detektiv werden, wenn er nicht vorbestraft ist. Dabei gibt es viel zu tun.

          6 Min.

          Ingo Lenßen ist Rechtsanwalt und geht für Sat1 mit Privatdetektiven hanebüchenen Fällen nach. In diesen sichern sie dann in polizeilicher Manier Spuren, nehmen Verdächtige fest, und ab und an geraten die Ermittler selbst in die Gewalt von Straftätern. Die Trovatos sind echte Privatermittler, keine Akrobaten in der Zirkusmanege. Die Familie Jürgen, Marta und Sharon Trovato löst für RTL abstruse Fälle und hören gerne Verdächtigte mit Richtmikrofonen ab. Karsten Stahl ist überhaupt kein Detektiv, im Grunde aber auch kein Schauspieler, selbst wenn er den Eindruck in „Privatdetektive im Einsatz“ auf RTL 2 vermitteln will. Er beweist Türsteherqualitäten und löst brenzlige Situationen mit Brachialgewalt, nimmt Verdächtige in den Schwitzkasten oder schlägt Fensterscheiben ein.

          Rüdiger Köhn
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Marcus Lentz sieht derlei „dokumentierte“ Ermittlungsarbeit in den täglichen Pseudo-Doku-Soaps gar nicht gern. Ob der seriös anmutende Lenßen, die prollig daherkommenden Trovatos oder der Brutalo Stahl: Für Lentz ist das „Trash-TV“ und Gift für das Image seines Berufsstandes. „Wenn wir in der realen Welt so arbeiten würden, säßen wir längst im Gefängnis“, sagt der Inhaber der Detektei Lentz, mit 60 Mitarbeitern einer der größeren Privatermittler-Agenturen in Deutschland. Schon gar nicht trägt der real existierende Privatdetektiv Waffen, mit denen die Magnums, Rockfords oder Matulas dieser Welt gerne herumfuchteln. „Wir sollen die Zielperson beobachten, nicht überfallen“, sagt der 45 Jahre alte Privatermittler. Sein Berufsleben ist völlig unspektakulär verglichen mit dem der einstigen Fernsehhelden auf Hawaii und aus Los Angeles oder mit dem des nun filmisch pensionierten Frankfurter aus „Ein Fall für zwei“. Nicht einmal die 50 Einsatzfahrzeuge – „stinknormale Autos“ – der Detektei Lentz wollen in das Allgemeinbild passen, selbst wenn sie viel PS unter der Haube für etwaige Verfolgungsfahrten haben. Rote Ferraris à la Magnum gibt es jedenfalls nicht.

          Kein Detektiv darf allein agieren

          Anders als in der Scheinwelt des „Trash-TV“ ist die Realität unauffällig und leise. Es geht so diskret zu, dass in der Regel nur drei Personen in der Detektei Lentz den Auftraggeber kennen: die beiden Geschäftsführer und der Prokurist. Das zumeist aus zwei bis vier Detektiven bestehende Beobachterteam – kein Detektiv darf allein agieren – kennt nur eine sechsstellige Auftragsnummer. Action gibt es auch nicht. „Der Job ist langweilig, und wir müssen viel Geduld haben“, sagt Lentz. „Es kostet Überwindung, nicht einzuschlafen, um dann plötzlich von null auf hundert zu beschleunigen.“

          Wenn es etwa um die Observation von Frank W. aus Gründau nahe Hanau geht, ein Außendienstmitarbeiter. Drei Detektive beobachteten ihn zwei Wochen lang von montags bis freitags von jeweils 7 bis 18 Uhr; mit zwei Fahrzeugen und einem Motorrad, ausgerüstet mit Sprechfunk und verdeckten Kameras. Obwohl die Zielperson 42 Stunden in der Woche abrechnete, beließ es der Vertreter in der ersten Observationswoche bei 15,5 Stunden, in der zweiten bei 18 Stunden. Stattdessen half der Außendienstler seiner Frau im Lotto-Toto-Schreibwarenladen. Frank W. wurde als Folge der Ermittlungsergebnisse wegen Abrechnungs- und Arbeitszeitbetrugs fristlos entlassen.

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