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Im Wettbewerb mit Google : Apple steigt ins Werbegeschäft ein

Apple stößt in den Markt für Handy-Werbung vor, den auch Google erobern will Bild: dpa

Vom Sommer an will Apple an der Werbung auf seinem iPhone-Handy, seinem iPad-Computer und dem Musikspieler iPod Touch mitverdienen. Mit iAd werden starre Anzeigen oder bewegte Bilder bei den oft kostenlosen Zusatzprogrammen (Apps) eingeblendet.

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          Der amerikanische Computer- und Elektronikkonzern Apple steigt in das Geschäft mit Werbung ein und verschärft damit den Wettbewerb mit dem Internetunternehmen Google. Während einer Veranstaltung am Apple-Firmensitz im kalifornischen Cupertino stellte der Vorstandsvorsitzende Steve Jobs die neue Version des Betriebssystems vor, das im Multimediahandy iPhone und im neuen Tablet-Computer iPad zum Einsatz kommen wird. Das Programm hat eine eingebaute Werbeplattform mit dem Namen iAd. Entwickler von Softwareanwendungen und Applikationen („Apps“) für das iPhone oder das iPad können damit Werbung in ihre Programme integrieren.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Apple stößt damit in den zukunftsträchtigen, wenn auch bislang noch kleinen Markt für Handy-Werbung vor, den auch Google zu einer der obersten Prioritäten erklärt hat. Google macht den größten Teil seines Umsatzes mit Internetwerbung, die zu den Ergebnissen der Suchmaschine passt, aber dieses Geschäft spielt sich bislang vor allem auf dem Computer ab. Im mobil genutzten Internet halten sich die Einnahmen noch in Grenzen, aber Google versucht, das Geschäft voranzutreiben. Das Unternehmen hat ein Betriebssystem mit dem Namen Android, das auf Multimediahandys verschiedener Hersteller zum Einsatz kommt. Seit kurzem verkauft Google auch ein eigenes Handy auf Android-Basis mit dem Namen Nexus One. Android-Handys konkurrieren mit dem iPhone. Google verfolgt mit Android unter anderem das Ziel, die Internetnutzung auf dem Handy zu forcieren und damit Wege für das Erzielen von Werbeerlösen zu eröffnen. Um das Geschäft mit mobiler Werbung voranzutreiben, hat Google im vergangenen Herbst die Übernahme des amerikanischen Unternehmens Admob für 750 Millionen Dollar vereinbart, das auf die Plazierung von Anzeigen auf Handys spezialisiert ist. Für die Akquisition gibt es noch keine kartellrechtliche Freigabe.

          Anders als traditionelle Suchwerbung

          Apple-Chef Jobs grenzte seine Strategie beim neuen iPhone-Betriebssystem von der traditionellen Suchwerbung ab: „Die Menschen suchen auf einem mobilen Gerät anders als auf einem Desktop-Computer.“ Nach Auffassung von Jobs sind auf dem Handy für viele Nutzer Applikationen ein wichtigeres Navigationsinstrument als Suchmaschinen, um an Informationen heranzukommen. Deshalb sollen die Anzeigen beim neuen Betriebssystem auch direkt in die Applikationen integriert werden. Nach Darstellung von Jobs können die Entwickler der Programme damit auf einen zusätzlichen Umsatzstrom hoffen, was umso wichtiger sei, als viele Programme umsonst oder für sehr kleine Beträge wie 99 Cent angeboten werden. Die Entwickler sollen 60 Prozent der erzielten Werbeerlöse bekommen und Apple den Rest. Von den Verkaufserlösen mit den Apps erhalten die Entwickler 70 Prozent und Apple 30 Prozent. Für Apple fällt dieser Umsatz nicht allzu stark ins Gewicht, und den größten Nutzen der Applikationen dürfte das Unternehmen darin sehen, dass damit das Geschäft mit dem iPhone, dem iPad sowie dem iPod Touch – im Prinzip ein iPhone ohne Telefonfunktion – angekurbelt wird. Apple vertreibt in seinem App Store mittlerweile 185 000 Applikationen.

          Auch Apple war an der Übernahme von Admob interessiert, wie Jobs nun erstmals öffentlich zugab. Er sagte, Google habe seinem Unternehmen Admob „weggeschnappt“. Apple hat selbst einige Monate später gekontert und im Januar Quattro Wireless für 275 Millionen Dollar gekauft. Die neue Software soll für das iPhone im Sommer verfügbar sein und für das iPad im späteren Verlauf des Jahres. Zu den Neuheiten des Betriebssystems neben der Werbefunktion gehört es, dass erstmals mehrere Programme nebeneinander laufen können (Multitasking). Jobs sagte bei der Veranstaltung außerdem, dass Apple seit dem Verkaufsstart des iPad am vergangenen Samstag 450 000 Exemplare verkauft hat.

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