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Laborgruppe Eurofins : „Wir testen alles, was in den Körper reinkommt“

Gilles Martin ist Gründer und Vorstandsvorsitzender der französischen Laborgruppe Eurofins. Bild: AFP

Die französische Laborgruppe Eurofins hatte einst Pferdefleisch in Lasagne entdeckt. Heute wächst sie so schnell, dass der Börse schwindelig wird.

          Schicken Sie diese Probe bitte ins Labor, aber schnell!“ Wie oft haben Krimi-Zuschauer diesen Satz aus dem Mund eines Kommissars oder einer Kommissarin schon gehört? Aber welches Labor eigentlich? Es sind nicht immer polizeieigene Einrichtungen, die Verbrechern auf der Spur sind. Das Laborunternehmen Eurofins Scientific ist im realen Leben oft eines der Testzentren, die in forensischen Fragen für die staatlichen Ermittler arbeiten – auch in Deutschland. Das Unternehmen mit Sitz in Brüssel testet vieles auf Herz und Nieren. Die Palette reicht von Fertiggerichten, Honig und Fruchtsaftgetränken über Medikamente, medizinische Geräte und Implantate bis zu Verbundwerkstoffen und Raumluft. Den Skandal um Pferdefleisch in Tiefkühl-Lasagne hat auf Bitten irischer Behörden im Jahr 2013 ein Eurofins-Labor in München aufgedeckt. Das Unternehmen arbeitet im Auftrag von Regierungen, Unternehmen und Verbraucherorganisationen wie etwa der Stiftung Warentest.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Eurofins ist eine europäische Wachstumsstory der besonders übergriffigen Art. Kaum ein anderes Unternehmen schluckt so viele Wettbewerber wie das in Frankreich gegründete und später nach Belgien verlagerte Unternehmen – und das seit vielen Jahren. 1987 fing alles mit einem kleinen Labor im französischen Nantes an, heute unterstehen dem Konzern global mehr als 800 Labore mit rund 45.000 Mitarbeitern. Seit 2012 hat sich die Zahl der Labore vervierfacht, allein in den vergangenen beiden Jahren übernahm Eurofins 110 Unternehmen mit einem gemeinsamen Umsatz von gut 1,4 Milliarden Euro. „Eine der größten Herausforderungen unserer Branche ist die Frage, wie schnell man dem Kunden die Testergebnisse bringt“, sagt der Gründer, Großaktionär und Vorstandsvorsitzende Gilles Martin. Schnelligkeit legt er auch beim externen Wachstum an den Tag. Der Franzose kommt kaum hinterher, die Mitarbeiter eines neuen Labors im Konzernkreis zu begrüßen, da steht schon der nächste Zukauf an.

          Im ersten Schritt wird die Finanzbuchhaltung integriert, dann ändert sich das Logo, später die EDV, und danach versucht Eurofins die Automatisierung voranzutreiben und Kompetenzen an bestimmten Standorten zu bündeln. „In Hamburg haben wir das weltgrößte Zentrum für Dioxinanalyse, zudem arbeiten wird dort mit den führenden Analysemethoden für Rückstände von Tierarzneimitteln“, sagt Martin. Weil Hamburg ausgebaut wird, ist es bald vor Nantes das größte Laborzentrum im Konzern.

          Eine rasante Entwicklung

          Der 55 Jahre alte Unternehmensgründer ist ein überzeugter Europäer. In Paris geboren und in Nantes aufgewachsen, hat er nach drei Jahren Arbeitsaufenthalt in Nürnberg vor bald zwei Jahrzehnten die belgische Hauptstadt als sein Lebenszentrum gewählt, seine Firma aber in Luxemburg registriert und die Aktie in Paris notiert. Vom inzwischen gekauften Hauptquartier in Brüssel – die ehemalige Botschaft der Niederlande – steuert er die Expansion, wie er fließend auf Deutsch erklärt. In den beiden vergangenen Jahren ist er durch Zukäufe sogar so stark gewachsen, dass ihm das die Börse übelnahm.

          Gut ein Viertel ihres Wertes verlor die Eurofins-Aktie seit Anfang 2018. Davor hatte das Unternehmen eine lange Erfolgssträhne genossen. Zum zwanzigsten Jahrestag des Börsengangs im Oktober 2017 gab Eurofins eine Studie in Auftrag, nach der sich die Aktie in zwei Jahrzehnten besser entwickelte als die von Apple oder Amazon. Die Wertsteigerung (Kurserhöhungen und Dividenden) erreichte durchschnittlich 33,3 Prozent – pro Jahr. Keine andere europäische Aktie hatte sich besser entwickelt.

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