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Im Umbruch : Die Landesbanken suchen nach Geschäftsmodellen

Bild: F.A.Z.

Die Welt der Landesbanken wird neu geordnet. Aber was machen Landesbanken eigentlich? Sie sind die Banken der Bundesländer und die Dachbanken der Sparkassen. Sie vergeben billige Kredite und verdienen meist nicht viel Geld.

          Der nur mühsam verhinderte Zusammenbruch der Sachsen LB und die Malaisen der West LB verdeutlichen, dass sich das Modell der deutschen Landesbank in einer Krise befindet. Die Ansichten über die Zukunft der Landesbanken gehen je nach Interessenlage auseinander. Die Landesbanken selbst und ihre Eigentümer, die Bundesländer und die Sparkassen, wollen das traditionelle Modell im Grundsatz erhalten. Die Kritiker der Landesbanken, zu denen vor allem die privaten Banken gehören, wünschen sich - auch aus Eigeninteresse - die Privatisierung der ungeliebten Konkurrenten.

          Landesbanken vereinen traditionell zwei sehr verschiedene Aufgaben für zwei sehr verschiedene Eigentümer. Sie dienen zum einen ihren Bundesländern als Hausbanken, in deren Auftrag sie zum Beispiel Förderkredite für die regionale Wirtschaft vergeben. Vor allem in der Vergangenheit wurden sie von Landesregierungen zudem für industriepolitische Zwecke eingesetzt; etwa durch den Erwerb von Beteiligungen an Industriekonzernen. Auf diese Weise wurde der Vorstandsvorsitzende der West LB von 1981 bis 2001, Friedel Neuber, zu einem der einflussreichsten deutschen Bankmanager. In enger Zusammenarbeit mit dem damaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Johannes Rau betrieb der Sozialdemokrat Neuber mit seiner Bank Industrie- und Strukturpolitik.

          Dachbanken der Sparkassen

          Gleichzeitig sind die Landesbanken aber auch die Dachbanken der Sparkassen ("Girozentralen"). So legen sie zum Beispiel Geld an, für das die Sparkassen selbst keine günstige Verwendung haben; daneben umwerben sie Mittelständler und Konzerne, die für die Sparkassen als Kunden zu groß wären.

          Seit den siebziger Jahren suchten die Landesbanken die Konkurrenz mit den privaten und den Genossenschaftsbanken, um in deren Reviere einzudringen. Eine Vorreiterrolle spielte dabei der Vorstandsvorsitzende der West LB von 1969 bis 1977, Ludwig Poullain. Viele Landesbanken wuchsen damals vor allem im Kreditgeschäft sehr schnell, da sie (bis vor wenigen Jahren) von einer Haftung der Bundesländer für ihre Geschäfte profitierten (“Gewährträgerhaftung“). Damit waren aus der Sicht von Geldgebern Landesbanken so sicher wie der Staat, was es ihnen erlaubte, zu sehr niedrigen Zinssätzen - und zwar zu niedrigeren als die meisten privaten Banken - Geld aufzunehmen. Landesbanken besorgen sich unter anderem durch die Ausgabe von Pfandbriefen Geld.

          Die Landesbanken erhielten aber nicht nur billiges Geld, sie konnten es auch sehr billig verleihen, da sie, anders als private Banken ihren Eigentümern keine hohen Gewinne versprechen mussten. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Dies erlaubt den Landesbanken, von ihren Kunden niedrigere Kreditzinsen zu verlangen als viele Konkurrenten. Kein Wunder, dass viele Landesbanken zwar schnell wuchsen und in Einzelfällen beeindruckende Größen erreichten, aber gleichzeitig nicht viel Geld verdienten.

          Fall der Gewährträgerhaftung

          Der Zugang zu billigem Geld, der Rückhalt durch ehrgeizige Politiker und die Suche nach attraktiven Geschäften ließ mehrere Landesbanken in der Vergangenheit den Sinn für die Bodenhaftung verlieren. In den siebziger und achtziger Jahren zog es sie an die großen Finanzplätze rund um den Globus. Am ehrgeizigsten war wie üblich die West LB, die 1996 die britische Investmentbank Panmure erwarb und vorübergehend etwa 4000 Mitarbeiter in London beschäftigte. Das Abenteuer endete mit einem Verlust von fast 500 Millionen Euro und dem Entschluss, sich aus dem internationalen Investmentbanking weitgehend zurückzuziehen. Seitdem ist die West LB nur noch ein Schatten ihrer selbst.

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