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Im Porträt: Vorwerk-Chef Peter Oberegger : Der Staubsauger-Vertreter

  • -Aktualisiert am

„Der Kobold hat Vorwerk groß gemacht”: Peter Oberegger im Showroom Bild: F.A.S. / Edgar Schoepal

Wer bei Vorwerk als Manager anfängt, muss erstmal von Haustür zu Haustür ziehen: Staubsauger verkaufen. Der heutige Chef brachte bei seinem Einstand keinen einzigen los. Heute dirigiert er mehr als eine halbe Million Außendienstler. Sein Sorgenkind ist der Staubsauger-Klassiker „Kobold“.

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          Nein, ein grandioser Verkäufer ist er wirklich nicht. Das gibt Peter Oberegger freimütig zu. Die passende Geschichte geht so: Als Oberegger bei Vorwerk anheuerte, hat er die Ochsentour für Verkäufer mitgemacht. Im Schlepptau eines altgedienten Vorwerk-Verkäufers ist er losgezogen, von Haustür zu Haustür: Staubsauger verkaufen. Das ist Pflichtprogramm für alle neuen Manager von Vorwerk, dem Direktvertriebler aus Wuppertal.

          Für seine Tour war Oberegger damals in Südtirol unterwegs. Er dachte noch, dort einen Vorteil zu haben. Immerhin entstammt er einer österreichischen Familie. Doch es wurde verheerend. Nicht einen einzigen Staubsauger brachte Oberegger los. Nur mit dem Haushaltsgerät Thermomix, das Vorwerk ebenfalls vertreibt, klappte es: zwei Stück hat er davon verkauft. Wie genau er das geschafft hat, wisse er heute selbst nicht mehr so genau, witzelt er. Vielleicht fanden ihn die Hausfrauen sympathisch. Egal. Verkauft ist verkauft. Das zählt.

          540.000 Außendienstler weltweit

          Es überrascht, dass Oberegger so offen über seine holprigen Verkaufserfahrungen plaudert. Zumal er als Vorwerk-Chef so etwas wie der Übervater im globalen Direktvertrieb ist. Denn Vorwerk schickt mehr als eine halbe Million Mitarbeiter auf Kundenfang. Ob in Deutschland, Italien, Mexiko oder China: Sie preisen den Staubsauger Kobold an. Es gibt auch spezielle Verkaufpartys, zu denen sie den Thermomix (Stückpreis: 900 Euro) präsentieren. Oder Kosmetik der Marke Jafra.

          Als Vorwerk-Chef taucht Oberegger natürlich schon lange nicht mehr persönlich vor den Haustüren auf. Das erledigt das Heer der Fachberater, so nennt Vorwerk die Armada der 540.000 Außendienstler. Oberegger regiert als persönlich haftender Gesellschafter in der Weltzentrale von Vorwerk. In Wuppertal. Er sitzt in seinem Büro im dunklen Ledersessel. Hinter seinem Bürofenster breitet sich die Stadt aus - und das Tal der Wupper.

          Seltsam, dass Oberegger damals bei seiner Verkaufstour in Südtirol nicht besser abgeschnitten hat. Im Haustürgeschäft zählt doch immer der erste Eindruck, heißt es. Und Authentizität. Oberegger präsentiert sich sehr adrett, im schicken Anzug, inklusive Einstecktuch. Das alles strahlt Zuverlässigkeit und Seriosität aus. Gut, es wirkt auch bieder. Aber Oberegger ist nun mal Chef eines traditionsbewussten Familienunternehmens und nicht einer hippen Web2.0-Firma.

          Das Kobold-Geschäft in Deutschland läuft schlecht

          Trotz aller Traditionsliebe, die sie bei Vorwerk pflegen - der 42-Jährige muss frischen Wind in den Laden pusten. Nun ist es nicht so, dass Vorwerk in einer tiefen Krise steckt. Aber das Kobold-Geschäft in Deutschland läuft schlecht. Die Marktanteile seien kräftig gesunken, berichtet Oberegger. Dabei sind die Geräte legendär (im Loriot-Witz heißt es: "Es saugt und bläst der Heinzelmann . . ."). Die grün-weißen Sauger kennt jeder. Das Problem für Vorwerk: "Uns fehlen 4000 Fachberater in Deutschland." Dabei sind sie das Rückgrat im Vertriebskonzept. Ohne die Berater geht nichts. Vorwerk hat keine eigenen Läden, in den großen Elektromärkten sind die Kobolde nicht zu finden.

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