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Im Porträt: Rainer Schaller : Der Muskelmacher von McFit

  • -Aktualisiert am

Und immer schön drücken... Bild: Christian Thiel

Früher war er ein Edeka-Händler. Heute gehört ihm Deutschlands größte Fitnesskette McFit. Jetzt will Rainer Schaller ins Ausland expandieren, und so ganz nebenbei hat er noch die Loveparade gekauft. Die Erfolgsgeschichte eines unkonventionellen Unternehmers.

          Als Rainer Schaller 1997 sein Fitnessstudio in Würzburg eröffnete, schrieb er auf die Werbezettel in großen Buchstaben „Jetzt auch in Würzburg“. Er grinst über das ganze Gesicht, wenn er erzählt, wie ein Mann ihn damals fragte, wo er denn sonst noch Ableger hätte. Denn Würzburg war sein erstes und damals einziges Studio, ein Experiment.

          Er hatte gerade einmal genügend Geld für gebrauchte Fitnessgeräte auftreiben können. Beim Renovieren der 700-Quadratmeter-Halle hatte er mit einem Handwerker zusammen alles selbstgemacht: Fliesen legen, Boden schleifen, Teppich kleben. Nun war er im Studio auch noch Mädchen für alles: Trainer, Buchhalter, Inkassounternehmer und Chef. Angestellte konnte er sich nicht leisten.

          Fitness möglichst günstig

          Damals kamen gerade die ersten größeren Fitnessstudios auf, die - anders als die Muckibuden der Bodybuilder - für das breite Publikum da sein wollten. Rainer Schaller wollte dabei sein. Seine fixe Idee: Fitness möglichst günstig anbieten, ohne den teuren Wellness-Schnickschnack, auf den die anderen setzten. Also kein Schwimmbad, keine Sauna, kein Solarium, keine Hüpfkurse.

          Boris Becker spielt bei den „McFit Masters of Legends”

          Wer seine Ausdauer trainieren wollte, musste eben aufs Laufband gehen. Sogar Duschen kostete extra. Im Gegenzug war der Mitgliedsbeitrag sehr günstig. Heute liegt er bei 16,90 Euro pro Monat. Rainer Schaller nennt das einen „absoluten Kampfpreis“. Seit der Gründung sei er nur einmal erhöht worden. Seinen Laden taufte Schaller konsequenterweise McFit, um den günstigen Preis schon im Namen zu tragen (siehe auch: Zur Person: Rainer Schaller und sein Unternehmen).

          Mehr als eine halbe Million Mitglieder

          Was nach eintöniger Gewichte-Schinderei klingt, traf einen Nerv bei den Würzburgern. „Damals war der Preis ein entscheidendes Kriterium“, sagt Schaller. „Nach einem halben Jahr haben wir vergrößert, die Halle neben uns war zum Glück noch frei.“ Dann hat er expandiert: erst in Bayern, später ins Ruhrgebiet. Das war Ende der neunziger Jahre.

          Heute ist McFit ein Unternehmen mit 90 Filialen von München bis Kiel und einem Umsatz von rund 100 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Mehr als eine halbe Million Menschen sind Mitglied. Damit ist McFit die nach Mitgliedern größte Fitnessstudiokette Deutschlands.

          Jahrelang stand das Unternehmen auf der Kippe

          Der Erfolg von McFit blieb lange unbemerkt, denn das Unternehmen veröffentlichte acht Jahre lang keine Zahlen. Wahrscheinlich war Schaller auch deshalb so zurückhaltend, weil McFit jahrelang auf der Kippe stand. „Die ersten drei Jahre waren sehr hart“, sagt er. „Da bin ich ein paarmal knapp am Ruin vorbeigeschrammt.“ Später fürchtete er den Wettbewerb.

          „Mir war klar: Wenn wir mit den Zahlen an den Markt gehen, werden wir schnell Nachahmer bekommen“, sagt er. Viele in der Branche blickten damals noch auf McFit herab. Das Unternehmen wurde als Unterschichten-Muckifabrik ohne Flair abgestempelt, als Billigheimer ohne Zukunft. Das änderte sich erst Anfang 2006, als McFit Zahlen bekanntgab und damit großes Erstaunen auslöste. Im Juni 2007 übernahm es dann auch noch die Nummer zwei der Billigstudios, Fit24, und war endgültig etabliert neben der teureren Fitness Company und dem eher auf Gesundheit ausgerichteten Kieser Training.

          Zielgruppe ist zwischen 15 und 35 Jahren

          Heute hat Schaller neben der Zentrale in Schlüsselfeld ein Büro in Berlin-Prenzlauer Berg, in der Backfabrik, wo unter anderem auch die Studenten-Internetgemeinschaft StudiVZ residiert. Gerne zeigt er die frisch-farbigen Räume samt hippen jungen Mitarbeitern und das neue, helle Studio gleich nebenan.

          Es sei ein Vorurteil, dass nur schlechter gebildete Geringverdiener bei McFit trainierten, erzählt er, als er durch den Fitnessraum führt. „Wir haben viele Akademiker und Studenten.“ Letztere hätten ja auch nicht viel Geld und wollten trotzdem gut aussehen. Auch Schüler gibt es ganz offensichtlich viele. Allein im Prenzlauer-Berg-Studio tummelt sich eine ganze Clique Jungs. Zielgruppe, so Schaller, seien Menschen zwischen 15 und 35 Jahren.

          Vorwurf Ausländerfeindlichkeit

          Ob das Studio im Akademikerstadtteil jemals Gewinn abwerfen wird, ist unklar. Ein gutes Marketing ist es auf jeden Fall. Das könnte McFit nützen, denn das Unternehmen expandiert zwar, es kämpft aber auch gegen den Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit. Im Jahr 2004 stellte die Sendung „Klartext“ des Rundfunks Berlin-Brandenburg in einem Test fest, dass bei McFit Ausländer systematisch abgewiesen wurden.

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