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Im Porträt: Peter Kurer : Der Nothelfer

  • -Aktualisiert am

Promovierter Jurist: Peter Kurer Bild: REUTERS

Der neue Verwaltungsratspräsident der Schweizer Großbank UBS verkörpert Solidität: etwas hölzern, aber geduldig und selbst in kleinsten Details beschlagen. Für jemand, der die gebeutelte Bank aus der Krise führen soll, sind das keine schlechten Eigenschaften. Dennoch bestehen Zweifel, ob er mehr ist als eine Übergangslösung.

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          So stellt man sich einen versierten Juristen vor: manchmal etwas hölzern, aber geduldig und selbst in kleinsten Details beschlagen. Weit ausholende Strategieentwürfe sind weniger seine Sache, sondern eher die Kärrnerarbeit des geschäftlichen Alltags. All diese Eigenschaften verkörpert Peter Kurer, seit Mitte 2001 bei der Schweizer Großbank UBS, Chefjurist und seit 2002 Mitglied der Konzernleitung. Jetzt steht er vor seiner größten beruflichen Herausforderung. Nach der Generalversammlung am 23. April in Basel soll er an die Stelle von Marcel Ospel auf die Position des Verwaltungsratspräsidenten der UBS rücken.

          Kurer verkörpert Solidität. Diese Eigenschaft und sein juristischer Hintergrund sind vielleicht keine schlechten Voraussetzungen für die neue Aufgabe. Muss die gebeutelte Großbank doch dringend neues Vertrauen erringen und sich je länger, desto mehr mit enttäuschten Anlegern in den Vereinigten Staaten auseinandersetzen. Dennoch bestehen Zweifel, ob der 59 Jahre alte Zürcher mehr ist als nur eine Übergangslösung. Angeblich hatte die Bank zuvor rund um die Welt nach einem Spitzenbanker Ausschau gehalten. Ospel nannte Kurer gestern den Wunschkandidaten des Verwaltungsrats, fügte aber – vielleicht bezeichnenderweise – hinzu „in der heutigen Situation“.

          Die Umstände legen eine Hau-ruck-Aktion nahe

          Auch die Umstände der Nominierung legen eher eine Hau-ruck-Aktion nahe, in welcher dem Wirtschaftsanwalt Kurer die Rolle eines Nothelfers zukommt. Auf der Einladung zum Aktionärstreffen, datiert vom Montag, ist sein Name noch nicht zu finden. Dort steht nur der von Ospel. Gestern Abend tagte dann der Verwaltungsrat. Das Gremium hob den Kandidaten schließlich auf den Schild. Die Folge: Gestern musste die UBS eine geänderte Einladung verschicken.

          Vor diesem Hintergrund wirkt auch nicht überzeugend, wenn Ospel sagt, in der UBS seien jetzt die richtigen Schritte in die Wege geleitet; er könne daher auf seinen früher verkündeten Entschluss zurückkommen, im April nicht ein weiteres Mal zu kandidieren. Vor einem Monat klang das noch anders. Damals empfand Ospel nach eigenen Worten „noch eine hohe Verpflichtung, bei der Bewältigung der aktuellen Schwierigkeiten an vorderster Front mitzuwirken“. Jetzt erklärt er als Hauptverantwortlicher die Krise in der UBS für beendet. Damit nicht genug. Ospel hatte sich im Juli 2007 nach dem Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Peter Wuffli zum Weitermachen entschlossen. Von Milliardenabschreibungen und Verlusten war damals noch nicht die Rede – zumindest nicht nach außen.

          Als Gymnasiast im Jesuitenkolleg

          So deutet vieles darauf hin, dass der immer umstrittenere Ospel frühzeitig gehen musste und Kurer zunächst einmal vertrauensbildend wirken soll. Wenn die Generalversammlung zustimmt, wird zugleich die Amtszeit der Verwaltungsräte von drei Jahren auf ein Jahr verkürzt. Dies würde dem promovierten Juristen und ehemaligen Anwalt in der Zürcher Filiale der internationalen Kanzlei Baker & McKenzie erlauben, sich nach relativ kurzer Zeit ohne Gesichtsverlust auch wieder zurückzuziehen.

          Vorerst jedoch muss Kurer mithelfen, verunsicherte Kunden, Anleger und Mitarbeiter wieder auf die Bank einzuschwören. Dies wird den Manager, der als Gymnasiast in einem Jesuitenkolleg war, an der Universität Zürich studierte und daneben als Journalist arbeitete sowie einen Master of Law der Universität Chicago hält, auf eine bisher ungewohnte Art fordern. Für die UBS hatte er sich einst als Jurist in Diensten der Swissair empfohlen. Danach war er der erste Chefjurist in einer europäischen Großbank, der nach amerikanischer Art an den Konzernleitungssitzungen teilnahm. In seiner neuen Funktion wird er von dem langjährigen Vizepräsidenten Stephan Haeringer und Fiat-Chef Sergio Marchionne, der im Februar zum nebenamtlichen Stellvertreter aufstieg, besonders eng begleitet werden. Die drei Verwaltungsratsmitglieder bilden mit dem Chairman-Office das Machtzentrum dieses Gremiums. Feines Gespür für Strömungen hat Kurer schon an den Tag gelegt. Die vergleichsweise knappe Ablehnung des Antrags der Ethos-Stiftung auf Sonderprüfung des UBS-Debakels in der jüngsten außerordentlichen Generalversammlung hatte er richtig vorausgesehen.

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