https://www.faz.net/-gqe-10g0d

Im Porträt: Frank Appel : Der Anti-Held

Wer im Glashaus sitzt, muss ganz schön vorsichtig sein: Frank Appel Bild:

Pathos ist ihm fremd, Größenphantasien kann er sich nicht leisten: Der Post-Chef räumt seinen Laden auf, nüchtern und ziemlich effizient. Gerade hat Frank Appel knapp dreißig Prozent der Postbank an die Deutsche Bank verkauft.

          Stellen wir uns einen Moment lang vor, die Karriere des Frank Appel wäre völlig nach Plan verlaufen: Dann wäre der Mann seit ein paar Wochen Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post, hätte über sich einen Aufsichtsratschef namens Klaus Zumwinkel, der als erfolgreicher Baumeister eines weltweiten Logistikimperiums derzeit zwischen Bonn und Berlin von einer Abschiedsparty zur anderen zöge, den ergebenen Ziehsohn Appel immer in seinem Schatten.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bekanntlich verlief die Geschichte nicht nach Plan. Weil Übervater Zumwinkel nach einem kleinen Steuerunfall (so darf man wohl sagen) vom Finanzminister zum vorzeitigen Rücktritt genötigt wurde, hatten die Zeitläufte ein wenig Hals über Kopf Appel schon Mitte Februar an die Spitze des Konzerns katapultiert. Dort regiert er seither einigermaßen souverän; vor allem sitzt ihm Zumwinkel, anders als geplant, nicht mehr als Aufsichtsratschef im Nacken. "Bonum durch malum", nannte der Philosoph Odo Marquard eine solche Wendung des Schicksals: "Aus bös wird gut", was man frei nach Wilhelm Busch auch so übersetzen kann: "Denn erstens kommt es besser, und zweitens als man denkt."

          Er redet hastig, ein wenig nuschelig

          Ein wenig erschöpft sitzt Frank Appel am vergangenen Freitagabend in seinem Büro. Es ist das Büro des Vorgängers im 40. Stock des Bonner Post Towers, freilich komplett neu möbliert. Gerade hat Appel knapp dreißig Prozent der Postbank an die Deutsche Bank verkauft. Er redet hastig, ein wenig nuschelig. Die Tage zuvor müssen hektisch gewesen sein. Zuletzt hatte die Bank Santander, eine große spanische Bank, am Donnerstag noch einmal sein Gegenangebot erhöht, als man sich mit den Deutschen über Preis und Konditionen eigentlich längst einig war. Aber natürlich gebietet die Verantwortung eines Vorstands gegenüber den Aktionären, das Angebot zu prüfen. Niemand soll sagen, Appel habe sich dem Wunsch der Bundesregierung gebeugt und einer "deutschen Lösung" aus politischen Erwägungen den Vorzug gegeben, selbst wenn es genau so gewesen ist.

          Handelseinig über die Postbank: Ackermann, Appel

          "Ich bin mit mir im Reinen", sagt Appel. Das kann er erst einmal auch sein. Die Börse hat seiner Aktie für den Deal einen kleinen Kursgewinn spendiert, während Deutsche und Postbank bestraft wurden. Immerhin haben die Frankfurter einen Aufschlag von 35 Prozent auf den aktuellen Börsenwert gezahlt, was Aktionäre nicht so gern mögen. Appel macht kein Hehl daraus, dass er möglichst bald auch den Rest seiner Bank loswerden will. "Wir sind ein Brief- und Logistikunternehmen und keine Bank."

          Lohn der Freiheit ist die Rücksichtslosigkeit

          Hier wird die Gnade des Schicksals konkret. Während Zumwinkel stets an der Postbank festhalten wollte ("Das ist eine Goldmine") und erst bereit war, über eine Trennung nachzudenken, als es unter dem Druck der Kapitalmärkte für ihn darum ging, Kopf und Kragen zu retten, kann Appel, frei von Zumwinkel, heute nüchtern walten. Der Lohn der Freiheit ist die Rücksichtslosigkeit. "Wir haben einen fundamentalen Schwenk in der Strategie vollzogen", sagt der neue Chef nach getaner Arbeit.

          Weitere Themen

          Axel Voss auf der Gamescom Video-Seite öffnen

          „Dont kill the Messenger“ : Axel Voss auf der Gamescom

          Wir haben einen Rundgang über das Kölner Messegelände mit Axel Voss, dem wohl polarisierendsten Besucher der diesjährigen Gamescom unternommen und uns mit ihm über die Debatte um Artikel 13, seine Bekanntheit bei jüngeren Gamern und Minecraft unterhalten.

          Topmeldungen

          Es ist das erste Mal, dass Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel ausrichtet.

          G-7-Gipfel : Wer reden will, soll ruhig reden

          In Biarritz inszeniert Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel voller Überraschungen. Er überrumpelt Trump und lässt den iranischen Außenminister einfliegen. Ganz offensichtlich hat der französische Präsident aus seinem Anfängerfehler gelernt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.