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Im Interview: Wolfgang Porsche : „Die Firma können Sie wechseln, die Familie nicht“

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„Als normaler Verbraucher wäre ich Audi-Kunde”: Wolfgang Porsche Bild: Daniel Pilar

Wolfgang Porsche ist der Enkel von Käfer-Erfinder Ferdinand Porsche. Der Manager führt heute den Aufsichtsrat der Porsche-Holding in Salzburg. Im Interview spricht Porsche über die Geschichte des Auto-Imperiums, die Streitereien einer Sippe und den Coup des Doktor Wiedeking.

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          Herr Porsche, haben Sie als Familienoberhaupt den Überblick, auf wie viele Mitglieder der Porsche-Piëch-Clan angewachsen ist?

          Ganz exakt nicht, wahrscheinlich sind es um die 50. Die Porsches sind jedenfalls weniger als die Piëchs.

          Und Ihr Job ist es, die beiden Stämme einigermaßen friedlich zusammenzuhalten.

          Das Wichtigste ist, dass wir mit einer Stimme sprechen. Meine Aufgabe ist es, die jungen Leute an die Firmen heranzuführen. Das ist die Kunst; dass man der nächsten Generation kein Sofa hinstellt und sagt: So, jetzt seid ihr im Clan und dürft euch ein paarmal im Jahr Dividende abholen.

          Wolfgang Porsche auf dem Werkshof in Stuttgart-Zuffenhausen

          Welche Mission treibt die Familie: Geht es schlicht darum, das Vermögen zu mehren? Oder müssen Sie immer auch die schönsten und schnellsten Autos bauen?

          Die Bewegung, die Mobilität, ist sicher unser Thema. Außerdem wollen wir erhalten und mehren, was Eltern und Großvater geschaffen haben.

          Haben Sie Ihren Großvater, den Käfer-Erfinder Ferdinand Porsche, noch bewusst erlebt?

          So gut das für einen Jungen mit sechs oder sieben Jahren geht. Mein Großvater war ein rastloser Mann mit vielen Enkeln. Wenn er mal Zeit hatte, dann hat er uns mit ins Kino genommen. Das hatte für ihn zwei Vorteile: Wir waren beschäftigt, und er konnte schlafen. Weil ich der Jüngste war, saß ich neben ihm und habe gesehen, wie ihm die Augen zugefallen sind. Habe ich ihn nach der Vorführung gefragt, wie der Film war, hat er gesagt: wunderbar.

          Ferdinand Porsche wusste, dass er mit seinen Ideen etwas Bleibendes schafft?

          Ja, durchaus. Er kannte keine Ruhe, die Großmutter hat ihm vorgehalten, sein Bett müsste Räder haben. Der Großvater war ja ein durchaus jähzorniger Mann, ein Choleriker. Als er nach 1945 in Kriegsgefangenschaft bei den Franzosen kam, war das furchtbar für ihn in dem hohen Alter. Er war über 70, als er eingesperrt wurde, dann hat er sich das erste Schlagerl geholt. Den 75. Geburtstag hat er 1950 noch auf Schloss Solitude in Stuttgart gefeiert. Im Januar darauf ist er gestorben. Dabei wollte er noch so viel bewegen.

          Die Verantwortung für die Firmen erhielten dann Ihr Vater und Ihre Tante Louise Piëch.

          Louise Piëch hat das Geschäft in Salzburg übernommen. Mein Vater das in Stuttgart. Die ersten 52 Autos, die 356er Roadster, wurden zunächst in Gmünd in Kärnten gebaut und ab 1950 in Stuttgart.

          Mehr Geld als mit den eigenen Autos hat die Familie lange mit dem Vertrieb für VW in Österreich verdient.

          Der Abschluss des Importeursvertrags war sehr wichtig, den hat mein Vater gemacht. Seit über 60 Jahren sind wir Importeur für VW, zwischenzeitlich für alle Konzernmarken und natürlich für Porsche. Gestatten Sie mir an der Stelle ein Eigenlob: Wir sind einer der besten unabhängigen Importeure überhaupt, äußerst erfolgreich nicht nur in Österreich, sondern in ganz Osteuropa.

          Mit der Unabhängigkeit ist es jetzt bald vorbei, da VW Teil Ihres Familienunternehmens wird.

          Das sehe ich überhaupt nicht so. Das sind zwei Paar Schuhe. Die VW-Aktien hat die Porsche AG gekauft, nicht die Familie.

          Warum darf eigentlich kein Mitglied der Familie mehr eine Ihrer Firmen führen?

          Viele Köche verderben den Brei. Die Familie stand sich im Geschäft zu sehr auf den Füßen.

          Der Streit hat sich derart zugespitzt, dass auch ein Therapeut auf einem Familientreffen 1972 nichts mehr retten konnte?

          Das ging einfach nicht mehr. In der damaligen Porsche KG war mein Vater Geschäftsführer. Ferry Piëch war der Chef der Entwicklung. Mein Bruder Ferdinand Alexander war der Design-Chef, mein Bruder Peter der Produktionschef. Und mein Cousin Michel Piëch war der Vertriebschef. Lieber Gott, was bin ich froh, dass ich zwei Jahre jünger bin und deshalb noch nicht im Geschäft war.

          Krach unter Kollegen gehört in vielen Betrieben zum Alltag.

          Die Firma können Sie sich aussuchen, die Familie nicht. Wir haben damals gesagt: Es kann nur ein Externer die operative Verantwortung haben.

          Ist es denkbar, dass mal wieder einer aus der Familie Porsche-Chef wird? Könnte doch sein, dass da irgendwo ein begnadeter Manager oder Konstrukteur heranwächst.

          Das mag sein. Vor so einem Schritt müsste sich aber unheimlich viel verändern. Vorstellbar ist das vielleicht in der nächsten oder übernächsten Generation. Dann, wenn wir abgetreten sind, die wir die eine oder andere Blessur innerhalb der Familie erlitten haben.

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