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Internet-Rechner : Durchs Portal zum Versicherungskunden

Soll sich unsympathisch geriert haben: Das Portal Check 24 Bild: Check 24

Ihre Versicherungsvergleiche lassen sich Internetportale fürstlich vergüten. Um überhöhten Provisionen zu entgehen, wollen Versicherer mit eigenen Rechnern an den Markt gehen.

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          Der fesche Max war im vergangenen Herbst kaum zu übersehen. Weil er so sparsam war, hatte seine Freundin zu wenig Kleidung zur Auswahl. Erst als er durch ein Vergleichsportal im Internet ordentlich Geld an seiner Autoversicherung eingespart hatte, gönnte er ihr etwas Neues zum Anziehen - aber auch nicht mehr als einen sparsamen Büstenhalter. So unsympathisch wie seine prominenteste Figur aus der Fernsehwerbung soll sich auch das Portal Check 24 selbst geriert haben. Zumindest behaupten das seine Wettbewerber und eine Reihe von Versicherern.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Von den rund 2 Millionen Verträgen der Direktversicherer, die ohne eigenen Außendienst arbeiten, wurde nach Marktschätzungen ein Drittel über solche Verbraucherportale im Internet abgeschlossen. Das Münchener Unternehmen ist das mit Abstand größte in Deutschland. Rund 400.000 Kunden hat es nach eigenen Angaben im vergangenen Herbst an einen günstigeren Anbieter vermittelt. Die nächstgrößten Wettbewerber schaffen gerade etwas mehr als ein Zehntel des so offensiv auftretenden Anbieters.

          Zu hohe Provisionen

          Die gewachsene Marktmacht aber habe die Hemmungen von Check 24 sinken lassen, ist aus der Assekuranz zu vernehmen. Von einem „fragwürdigen Verständnis von Zusammenarbeit“ spricht Uwe Schumacher, Vorstandsvorsitzender der deutschen Tochter des britischen Versicherers Direct Line, der zeitweise sogar darauf verzichtete, mit eigenen Angeboten in dem Portal aufzutauchen. Überhöhte Provisionen und aggressive Kundenakquise werfen dem Unternehmen auch seine Konkurrenten Aspect Online, Toptarif.de und Financescout 24 vor.

          Am stärksten getroffen hat die Münchener aber der Rückzug des größten Direktversicherers Huk 24, der im vergangenen Herbst die Verbindung zu den Software-Schnittstellen des Portals kappte. „Es bestand die Gefahr, dass online vertriebene Versicherungen zu teuer werden“, begründet ein Sprecher des Mutterunternehmens Huk Coburg den Schritt. Auch der größte deutsche Autoversicherer mit 8,6 Millionen Verträgen strebe an, in transparenten Produktvergleichen zu erscheinen, in denen er häufig vordere Plätze belegt. Die Provisionen, die Check 24 verlange, seien aber zu hoch. Zudem blieben die Kunden oft nicht lange treu, so dass sich das Geschäft kaum lohne.

          Huk plant eigenes Portal

          Inzwischen führt das Unternehmen Gespräche, um ein eigenes Portal aufzubauen. Erste Skizzen dafür hat es an das Bundeskartellamt geleitet, von dem bislang noch keine Bedenken geäußert worden seien. „Der Vorwurf der Preistreiberei ist aus der Luft gegriffen. Wir haben über Preise gar nicht verhandelt“, verteidigt sich Check-24-Chef Henrich Blase. Neun Jahre lang habe die Huk kooperiert. Nun wolle der Versicherer seine eigene Marke stärken und Kunden ohne Produktvergleiche an sich ziehen. Weil er anstrebe, den Markt vollständig abzudecken, sei er von dem Rückzug der Huk 24 irritiert gewesen und fordere den Marktführer nun auf, sich dem Vergleich wieder zu stellen.

          Im Übrigen garantiere Check 24, Kunden nicht aktiv auf einen weiteren Vertragswechsel anzusprechen, nachdem diese über einen Vergleich einen neuen Anbieter gefunden haben. Ein Newsletter informiere allerdings regelmäßig über die Aktivitäten des Portals, das auch Preisvergleiche für Reisen, Strom- und Handytarife anbietet. Dabei macht der seit einigen Jahren andauernde Preiskampf auch Check 24 zu schaffen. „Das Kfz-Geschäft ist in sich nicht profitabel. Genau wie die Versicherer erhoffen wir uns Cross-Selling-Potentiale“, sagt Geschäftsführer Blase. Werde ein Kunde im Versicherungsgeschäft gewonnen, lasse er sich womöglich auch auf andere Preisvergleiche ein.

          Verbesserung durch Neugründungen

          Wie hoch die Vermittlungsgebühr angesichts dieser schwierigen Ertragslage der Versicherer sein darf, ist unter den Vergleichsportalen umstritten. Allenfalls 50 bis 60 Euro hält Errit Schlossberger von Financscout 24 für angemessen. 75 Euro sieht Wolfgang Schütz von Aspect online als fair an. 80 bis 90 Euro nennt Thies Sander von Toptarif.de. Alle beklagen aber, dass im Markt durchaus auch höhere Vergütungen verlangt würden. Weil einzelne Wettbewerber Verträge auch nach kurzer Laufzeit umdeckten, also an andere Wettbewerber vermittelten, drohe der Ruf aller Anbieter zu leiden. „Es wäre schade, wenn man bald von den Verbraucherportalen so schlecht wie von Strukturvertrieben spräche“, warnt Schlossberger.

          Eine Neugründung sehen die drei Manager als Möglichkeit, die Wettbewerbsbedingungen zu verbessern. Indem Standards für Transparenz, Vollständigkeit und Unabhängigkeit geschaffen werden, wie Schlossberger erwartet, oder indem die Unternehmen eine neue Form der Kooperation schließen. „Wir könnten als Partner der Versicherer in Frage kommen. Wichtig ist aber, dass die Unabhängigkeit des Unternehmens bestehen bleibt“, sagt Wolfgang Schütz von Aspect online, der Gespräche mit der Branche führt. Toptarif.de dagegen sieht seine Aussichten verbessert - gegenüber einem Marktführer, der nicht mehr den ganzen Markt beleuchten darf, und einem neuen Wettbewerber, der seine Zuverlässigkeit noch beweisen muss. „Für uns ist das die Chance, uns als unabhängiger Anbieter zu profilieren“, sagt Portalchef Sander.

          In der Versicherungswirtschaft ist man jedenfalls überzeugt davon, dass die Marktmacht von Check 24 gebrochen werden muss, wenn man faire Konditionen der Portale durchsetzen will. „Wir reden miteinander“, bestätigt Direct-Line-Chef Schumacher. Für eine gemeinsame Brancheninitiative sei er offen. „Wenn ein solventer Wettbewerber mitmachen würde, könnten wir uns das vorstellen. Einem reinen Huk-Portal aber würden wir unsere Daten nicht zur Verfügung stellen.“ Momentan sucht der Marktführer nach weiteren Mitstreitern für sein Vorhaben. Spätestens im Herbst will man mit einem neuen Portal am Markt sein. Denn dann beginnt wieder die heiße Wechselsaison.

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