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Im Gespräch: Zeitarbeitschef Andreas Dinges : „Wir geben den Hilfsarbeitern einen Job“

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Andreas Dinges, Deutschlandchef der Zeitarbeitsfirma Adecco, verteidigt die Zeitarbeit Bild: Frank Röth

Hilft die Leiharbeit oder ist sie nur ein Tropfen auf den heißen Stein? Im F.A.S.-Interview verteidigt Andreas Dinges, Deutschlandchef der Zeitarbeitsfirma Adecco, die Zeitarbeit als Chance - auch für die Qualifizierten.

          2 Min.

          Herr Dinges, spüren Sie den Aufschwung am Arbeitsmarkt?

          Die Nachfrage nach Zeitarbeitskräften steigt enorm. Vor allem in der Automobilindustrie, bei den Herstellern und Zulieferern. Die allerdings haben in hohem Maße im Krisenjahr 2009 auch Zeitarbeitnehmer zu uns zurückgeschickt.

          Aber das hohe Niveau im Jahr vor der Krise haben Sie noch nicht erreicht.

          Nein. Die Mitarbeiterzahlen von 2008 haben wir noch nicht erreicht. Derzeit sind es immerhin schon wieder 35 000.

          Wo sind denn Ihre Arbeitskräfte, die Ihnen die Kunden zurückgeschickt haben, in der Zwischenzeit geblieben?

          Ein Teil ging in die Arbeitslosigkeit. Viele haben wir qualifiziert, wieder ein Teil befand sich in Kurzarbeit.

          Kurzarbeit bei Zeitarbeitsfirmen?

          Richtig. Das haben wir für unsere Mitarbeiter im Februar 2009 durchgesetzt. Sie konnten synchron zur Stammbelegschaft der Kunden kurzarbeiten. So haben wir viele Arbeitsplätze erhalten.

          Mit Hilfe der Zeitarbeit ist es gelungen, die Stammbelegschaften in dieser Krise zu schonen. Ist die Zeitarbeit Teil des deutschen Jobwunders?

          Von Jobwunder würde ich nicht sprechen. Durch den intelligenten Einsatz des politischen Instruments der Kurzarbeit ist Deutschland eine Krise am Arbeitsmarkt erspart geblieben. Auch die Zeitarbeit hat sicher dazu beigetragen.

          Zeitarbeiter sind Arbeiter zweiter Klasse. Sie helfen, die besseren Arbeitsplätze zu erhalten. Ist das moralisch eigentlich in Ordnung?

          Zweiter Klasse sind sie nicht. Auch unsere Mitarbeiter bekommen unbefristete Verträge. Mit vielen Unternehmen haben wir sogenannte "Equal-Pay"-Vereinbarungen getroffen. Dort verdienen die Zeitarbeitskräfte netto genauso viel wie ihre Kollegen in der Stammbelegschaft.

          Trotzdem waren die Zeitarbeiter jene, die am ehesten entlassen wurden.

          Das stimmt. Betroffen waren hier vor allem die schlecht qualifizierten Arbeitnehmer, also die ungelernten Hilfskräfte. Unsere gut ausgebildeten Facharbeiter oder Ingenieure hingegen weniger. Denn auch wir haben ein hohes Interesse daran, sie in schlechten Zeiten des Arbeitsmarktes zu halten. Inzwischen sind sie wieder so gefragt, dass wir mit unseren Kunden um sie konkurrieren.

          Wie meinen Sie das?

          Gut qualifizierte Mitarbeiter werden schnell übernommen. Für den Mitarbeiter ist das natürlich eine Chance. Unsere Kunden werben sie uns regelrecht ab. Schon heute sind Fachkräfte in vielen Branchen wieder rar. Aber auch wir als Adecco sind - genau wie unsere Unternehmenskunden - auf die höher qualifizierten Mitarbeiter angewiesen, weil diese sehr viel mehr verdienen. Ihre Vermittlung ist für uns attraktiv.

          Es bleibt die hässliche Seite des Arbeitsmarktes. Hilfsarbeiter können mit Ihrer Hilfe beliebig eingesetzt und wieder entlassen werden.

          Eine bessere Qualifikation wird eben auch besser bezahlt. Aber das ist unabhängig von Zeitarbeit. Wir sorgen aufgrund der Flexibilität, die wir bieten können, immerhin dafür, dass ungelernte oder schlecht ausgebildete Arbeitskräfte leichter eingesetzt werden. Das ist der Vorteil. Außerdem investieren wir viel Geld, um diese Mitarbeiter zu qualifizieren . . .

          . . . zur Verbesserung Ihres Images.

          Sicher nicht. Besser ausgebildete Mitarbeiter können wir leichter vermitteln. Deshalb haben wir ein ureigenes Interesse daran, die Qualifikationen unserer Mitarbeiter ständig zu erhöhen. Die Geringqualifizierten sind eindeutig die Profiteure davon.

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