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Im Gespräch: Rolls-Royce-Chef Müller-Ötvös : „So ein Wagen schmückt jede Garage“

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Torsten Müller-Ötvös: „Ein Rolls-Royce ist momentan das schönste Anlageobjekt” Bild:

Er kennt alle Rolls-Roye-Fahrer persönlich. Unternehmenschef Torsten Müller-Ötvös spricht in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über die Kauflaune der Superreichen, das Auto als Spekulationsobjekt und Luxus im Picknickkorb.

          Herr Müller-Ötvös, was sind das für Leute, die Rolls-Royce fahren?

          Sehr individuelle Menschen. Selten habe ich so eigene, so besondere Charaktere getroffen.

          Die Klientel ist reich genug, eine halbe Million Euro für ein Auto auszugeben. Haben Sie es mit altem oder neuem Geld zu tun?

          Sowohl als auch. Zu uns kommen Persönlichkeiten, die in ihrem Leben etwas geschafft haben: Das erstreckt sich vom amerikanischen Unternehmer über den deutschen Mittelständler, der sich für sein Lebenswerk belohnt, bis zum jungen Chinesen, der mit 28 sein Vermögen gemacht hat. Der Rolls-Royce ist ein Symbol des Erfolgs: Ich zeige damit, dass ich dort bin, wo ich immer hin wollte.

          Produktion von Rolls-Royce-Fahrzeugen im BMW-Werk Dingolfing (Niederbayern)

          In Amerika ist der Wagen auch ein Statussymbol für halbseidene Rapper.

          Dagegen ist nichts einzuwenden. Wir haben eine Menge an Prominenten aus Show, Sport, Musik.

          Da die Zahl der Kunden überschaubar ist, kennen Sie alle Rolls-Royce-Fahrer persönlich?

          Ja, Rolls-Royce kennt jeden einzelnen. Das Geschäft ist unglaublich individuell. Unser Automobil kauft niemand von der Stange, das ist ein erhabenes Gut, der Kunde achtet genau darauf: Was passt zu mir? Entsprechend sind die Wünsche, auf die wir eingehen.

          Sie haben 40.000 verschiedene Lacke im Angebot.

          Ja, der Kunde ist völlig frei in der Wahl der Farbe. Vor einigen Wochen brachte jemand sein altes Tretauto, das hatte er als kleiner Junge vom Vater geschenkt bekommen - und in exakt diesem taubenblauen Farbton will er nun seinen Rolls-Royce, als Erinnerung an die Kindheit.

          Billig sind solche Sonderwünsche nicht. Wenn schon VW beim Golf das Geld mit Extras verdient, gilt das für Rolls-Royce umso mehr.

          Wir freuen uns außerordentlich, dass 80 Prozent der Kunden ihre Modelle nach unserem speziellen Programm, Bespoke genannt, höchst individuell zusammenstellen, bis zum Initial oder dem Familienwappen im Interieur.

          Und dem Weinkühlschrank im Kofferraum?

          Sofern gewünscht natürlich und schräg daneben die Champagner-Gläser. Ich kenne keine schönere Art zu picknicken als auf der Kofferraumklappe eines Rolls-Royce Cabriolets.

          Und wenn ich den Picknickkorb mitbestelle, kostet der noch mal einen Kleinwagen Aufpreis?

          Gut möglich, je nach Art des Geschirrs.

          Trotz der irren Preise sind Sie im Moment ausverkauft.

          Bis November sind wir ausgebucht, richtig. Wir werden dieses Jahr doppelt so viele Autos verkaufen wie 2009, rechnen mit einem Absatz von gut 2000 Stück.

          Ganz so, als hätte es nie eine Krise gegeben: Die Aktiendepots der Vermögenden haben sich erholt und damit auch die Luxusnachfrage?

          Luxus hat heute eine andere Konnotation, er muss werthaltig sein. Vor Jahren zählte nur das Label, alles andere war egal. Jetzt suchen die Menschen echte Werte. In einem Rolls-Royce stecken 360 Stunden Arbeitszeit in der Manufaktur. Der Wagen ist ein echter Wertgegenstand.

          Sie empfehlen das Auto als Anlageobjekt, um auf steigende Preise zu spekulieren?

          Ich behaupte: Ein Rolls-Royce ist momentan das schönste Anlageobjekt, das es gibt, extrem wertbeständig. 70 Prozent aller jemals in der Welt gebauten Rolls-Royce fahren immer noch.

          Weil sie so selten bewegt werden.

          Den Phantom fahren unsere Kunden vor allem zu besonderen Gelegenheiten, den Ghost, das neue, kleinere Modell, dagegen öfter. Manche nutzen das Fahrzeug sogar fast täglich, zum Arbeitsplatz und zurück. Im Ghost sehen Sie sehr häufig Selbstfahrer. Sie schweben in dem Wagen in einer Aura von Luxus, auch ohne Chauffeur

          Auf wie viele Kilometer bringt es ein Rolls-Roye im Jahr?

          Eher auf 2000 als auf 20.000 Kilometer. In der Regel ist er auch nicht allein in der Garage, viele unserer Kunden haben einen ansehnlichen Fuhrpark: zu Lande, zu Wasser, in der Luft, Yachten sind ein großes Thema, Hubschrauber oder Privatjets auch.

          Führen Sie Statistik, wie viele Autos der gewöhnliche Rolls-Royce-Kunde besitzt?


          Im Schnitt fünf bis sieben Fahrzeuge. Ich kenne auch welche mit 40 Fahrzeugen. Wir haben es hier mit ausgesprochenen Enthusiasten zu tun, die sehen ein Automobil auch einmal als Sammlerobjekt, vergleichbar mit einem tollen Gemälde - mit dem Unterschied, dass sie es individualisieren können. So ein Wagen schmückt jede Garage.

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