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Im Gespräch: Puma-Chef Jochen Zeitz : „Enge Trikots sehen am athletischen Body toll aus“

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Jochen Zeitz, Vorstandsvorsitzender des Sportartikelherstellers Puma Bild: F.A.Z. / Frank Röth

Die Fußball-WM 2010 ist für den Sportartikelhersteller Puma ein echtes Heimspiel. Im Interview spricht Puma-Chef Jochen Zeitz über bunte Fußballtrikots aus Afrika, den Weltmeister 2010 - und die Wahrheit über den Bruderzwist mit Adidas.

          Die WM 2010 ist für den Sportartikelhersteller Puma ein echtes Heimspiel. Puma-Chef Jochen Zeitz über bunte Fußballtrikots aus Afrika, den Weltmeister 2010 und die Wahrheit über den Bruderzwist mit Adidas

          Herr Zeitz, Puma ist bekennende Trendsportmarke. Ist Fußball in Afrika ein Trendsport?

          Von Trend kann man schon lange nicht mehr sprechen. Fußball ist seit vielen Jahren Sportart Nummer eins auf dem Kontinent. Sie müssen sich nur mal umschauen: Afrikaner spielen überall, auf jedem Platz, sogar in der Wüste. Und die Bälle, die sie basteln, aus Pappe, Leder und anderen Materialien, sind sehr innovativ.

          Tragen die dabei Puma-Shirts?

          Einige schon. Aber natürlich ist das Kaufniveau auf dem Kontinent noch nicht so hoch, dass es in der Masse möglich ist. Wir versuchen aber, unsere Produkte erschwinglicher zu machen, indem wir in Südafrika produzieren.

          Aber Sie erwarten sich von der WM 2010 einen Absatzschub?

          Ja, weil es ein echtes Heimspiel für uns ist. Wir haben Afrika schon vor über zehn Jahren als innovativen Kontinent gesehen. Wir rüsten 10 von 16 Mannschaften beim Afrika Cup aus. Mit Ghana und Titelverteidiger Ägypten stehen zwei Puma-Teams im Finale, das heißt: Wir gewinnen zum sechsten Mal in Folge den Cup. Wir lancieren in Afrika also schon lange Produkte für den internationalen Markt.

          Und die gehen von Afrika aus um die Welt? Welche zum Beispiel?

          Angefangen hat es mit den farbigen Fußallschuhen, dann kamen die ärmellosen Trikots und der Einteiler für Kamerun. Für die WM 2006 hatten wir eine Afrika-Kollektion entwickelt. Und beim Africa Cup zeigen wir Fußballschuhe mit neuester Technologie, die man auch in der Freizeit tragen kann.

          Kommt Lifestyle aus Afrika bei deutschen Fußballfans an?

          Natürlich. Die Farbenfreude und die Lockerheit der Produkte, das kommt alles sehr spritzig rüber. Es ist bewusst angelehnt an die afrikanische Spielweise, die schnell und dynamisch ist, weniger auf Verteidigung ausgelegt als hierzulande.

          Kaufen die Zuschauer wirklich, was sie da im Fernsehen sehen?

          Was sicher eine Rolle spielt: Die Produkte lassen die athletischen afrikanischen Spieler sehr gut aussehen - diese eng geschnittenen Trikots und Hosen, wir haben das ausgeweitet auf die ganze Kollektion. Das heißt, es gibt keine laschen, herumhängenden Trikots mehr, sondern körperbetonte, stylische.

          Und die hängen dann überm deutschen Bierbauch ...

          Na ja, es bleibt jedem selber überlassen, ob er das auch trägt. Aber bei Übergewicht hätten wir auch tolle Sportprodukte im Angebot ...

          Von Olympia 2008 hat sich die Sportbranche den Aufschwung erhofft - aber es kam die Krise. Kommt der Aufschwung diesmal?

          Es geht weniger um den großen Aufschwung, sondern um Impulse. Eine Sportveranstaltung kann nicht das gesamte Geschäft weltweit nach oben treiben - und sie muss ins richtige Wirtschaftsumfeld fallen. Die Olympischen Spiele in China waren sicherlich ein Impuls, aber sie schlossen ans Ende eines globalen Aufschwungs an - und konnten nicht die ganze Branche im Abschwung stärken.

          Nützt Ihnen eine WM mehr als Olympische Spiele?

          Ganz sicher. Weil es nur um eine Sportart geht, zudem noch die Sportart Nummer eins weltweit. Bei den Olympischen Spielen geht es um unzählige Sportarten. Allerdings hatten wir mit Usain Bolt und der Leichtathletik das absolute Highlight unter Vertrag.

          Wie stark hat der Sprinter Usain Bolt das Geschäft beflügelt, nachdem er seinen Puma-Schuh beim Sieg prompt in die Kameras hielt?

          Die Schuhe waren sehr schnell ausverkauft. Aber Usain Bolt passt auch von der Persönlichkeit her perfekt zu unserer Marke: Er ist lässig, mag Musik und lebt einen unverwechselbaren Lifestyle. Es geht bei ihm nicht nur um Blut, Schweiß und Tränen, sondern um Topleistungen und Spaß dabei.

          Welches WM-Trikot wird denn zuerst ausverkauft sein?

          Nach der WM? Dazu müsste ich ja wissen, wer Weltmeister wird. Das wissen wir ja erst in 160 Tagen.

          Auf wen tippen Sie denn?

          Ich habe aufgehört zu tippen.

          Jetzt sind Sie bloß diplomatisch, weil Sie den Weltmeister Italien einkleiden.

          Nein, es ist mir einfach zu spekulativ. Ich sage lieber: Gewinnen soll, wer den schönsten Fußball spielt.

          Der Fußballbereich macht bei Ihnen nur 10 Prozent aus. Rettet das wirklich das Geschäft?

          Die WM allein reicht da nicht. Es war ein schwieriges Jahr, aber im Vergleich zu anderen Branchen sind wir glimpflich davongekommen: Wir haben kein einziges Quartal mit negativen Zahlen abgeschlossen.

          Sie legen im Februar Zahlen für 2009 vor, verraten Sie Näheres?

          Wir haben bereits gesagt, dass sich der Umsatz im unteren einstelligen Bereich reduzieren wird.

          Sind es fünf Prozent Umsatzrückgang - wie alle munkeln?

          Ich bitte um Verständnis, aber da muss ich auf die Ergebnisse verweisen, die wir im Februar vorlegen.

          Was ist an den Gerüchten, Sie würden etliche Läden schließen?

          Wir eröffnen immer wieder Geschäfte und schließen auch welche. Die Rentabilität unserer Stores schauen wir uns gegenwärtig genau an: Wo sind die großen Wachstumschancen? Da machen wir neue Läden auf.

          Wo gibt es denn Wachstum?

          In den Schwellenländern, in Indien zum Beispiel. Auch in Lateinamerika hatten wir ein gutes Wachstum im ersten Quartal. Im europäischen Bereich dagegen war es 2009 für alle Marken schwierig.

          Wird es Entlassungen geben?

          Unser Mitarbeiterstamm ist im Durchschnitt gegenüber dem Vorjahr gleich geblieben. Für 2010 ist es noch zu früh für eine Prognose. Wir werden aber auf jeden Fall wieder neue Arbeitsplätze schaffen.

          Eine Prognose muss sein: Wird Puma Luxusmarke mit seinem Großaktionär, dem französischen PPR-Konzern, zu dem Gucci und Yves Saint Laurent gehören?

          Mit Sicherheit nicht. Wir sind und bleiben eine Sportlifestylemarke, die mit einem Bein im Sport steht und dem anderen im Lifestyle. Deshalb hat sich unser Hauptaktionär auch beteiligt. Nicht, weil er aus Puma etwas Neues machen will, sondern weil sich Marke und Firma weiterentwickeln sollen wie bisher.

          Durch den Großaktionär wird sich gar nichts ändern?

          Es ändert sich bei uns ständig etwas. Aber das ist keine Frage des Hauptaktionärs, sondern Teil der Strategie. Für uns ist es wichtig, einen Hauptaktionär zu haben, der Verständnis für unser Geschäft hat und als Sparringspartner zur Verfügung steht. Es ist besser, jemanden an der Seite zu haben, der sich im schnelllebigen Mode- und Konsumgütergeschäft auskennt, als einen reinen Finanzinvestor.

          PPR macht also keinen Druck, weil das Geschäft stagniert?

          Es ist Verständnis dafür da, dass es nicht immer nur nach oben gehen kann. Das betrifft nicht nur Puma, sondern auch andere Marken im Portfolio von PPR.

          Aber es wird schwieriger: Sie waren der Erste, der im Sport auf Lifestyle setzte. Nun tun es alle.

          Das ist wie in jeder Branche. Einer bringt eine Innovation, und plötzlich kopieren sie alle. Das ist nun mal so, wenn man gute Ideen hat. Deswegen wollen wir auch weiterhin kreativer sein als alle anderen.

          Ihre Kritiker sagen aber, die letzte Innovation war vor zehn Jahren der Formel-1-Schuh, dann kam nicht mehr viel.

          Innovation gibt es bei uns ständig. Wir haben kürzlich das erste interkontinentale Fußballtrikot auf den Markt gebracht, sind als erste Sportlifestylemarke ins Segelgeschäft eingestiegen, haben eine Kooperation mit den Vereinten Nationen zum Schutz der Artenvielfalt. Aber natürlich kann man das nicht vergleichen mit dem Jahr 2000, wo Pumas Comeback startete und jeder nur an bestimmte Schuhtypen dachte.

          Wieso passen Puma und Afrika zusammen, abgesehen davon, dass der Puma-Chef in Afrika wohnt?

          Afrika und Sport in Afrika, das muss man erlebt haben: Die Menschen, die Vielfalt, die Tierwelt, die Begeisterung für Sport - das hat mich inspiriert und ganz sicher Auswirkungen auf Puma gehabt.

          Welche?

          Aus Afrika heraus hat sich meine eigene Stiftung entwickelt, die auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist. Mein Verständnis für Naturschutz und Ökologie hat sich geschärft.

          Und wie öko ist Puma?

          Wir setzen soziale und Umweltstandards, die mit die höchsten in der Branche sind. Wir produzieren seit Jahren PVC-frei, benutzen nur lösliche Klebstoffe, und unsere neue Firmenzentrale ist CO2-neutral, mit Solar auf dem Dach und Biowärme in den Wänden. Das ist einzigartig, soweit ich weiß.

          Sind Sie ein Gutmensch, oder machen Sie das fürs Image?

          Ich würde sagen, ich bin ein bewusst lebender Mensch, der Dinge verändern möchte. Alles ist irgendwie motiviert. Aber solange es positiven Einfluss hat, ist es irrelevant, warum man es tut.

          Was war der Grund für „Peace One Day“, wo Sie Kollegen von Adidas zum Fußball einluden?

          Es ging darum, zu einem friedlicheren Miteinander aufzurufen. Das kann jeder Mensch, mindestens einen Tag im Jahr. Es hat bei uns mehr als 60 Jahre gedauert, aber ich denke, der wahrhaft historische Handschlag mit Adidas hat gezeigt, dass es funktioniert.

          Gibt es ihn also, den Krieg zwischen den Bruderfirmen?

          Wir haben das Wort Krieg schon lange aus unserem Wortschatz verbannt. Wir stehen im sportlichen, fairen Wettbewerb.

          Nach Freundschaft klingt das auch nicht gerade.

          Wir haben ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis. Und Herr Hainer ist ein sehr sympathischer Kollege . . ., mit dem man gern in einer Mannschaft Fußball spielt.

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