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Im Gespräch: Puma-Chef Jochen Zeitz : „Ich habe immer genug Handlungsspielraum“

  • Aktualisiert am

Hat gut lachen: Puma-Chef Jochen Zeitz Bild: ASSOCIATED PRESS

Im vergangenen Sommer hat der französische Luxusgüterkonzern PPR die Mehrheit am Sportartikelhersteller Puma übernommen. Die Zusammenarbeit mit dem neuen Großaktionär beschreibt Puma-Chef Jochen Zeitz als reibungslos. Gegen eine Entscheidung, Puma von der Börse zu nehmen, hätte er nichts einzuwenden.

          Viele kleine Dinge, die in der Summe sehr hilfreich sind: Die Zusammenarbeit mit dem neuen Großaktionär PPR beschreibt Jochen Zeitz als reibungslos. Gegen eine Entscheidung, Puma von der Börse zu nehmen, hätte er nichts einzuwenden.

          Puma rüstet neun der 16 Fußballmannschaften aus, die bis zum 10. Februar in Ghana um den Afrika-Cup spielen. Adidas und Nike lästern über Masse statt Klasse, wenn sie auf Ihr Engagement in Afrika angesprochen werden...

          ... es ist doch klar, dass die Wettbewerber angesichts unserer Dominanz in Afrika nicht so viel davon halten. Gleichzeitig versuchen sie aber, uns Mannschaften abzujagen.

          Gelingt es ihnen?

          Nein, sie kamen nicht zum Zug, auch wenn ihre Wunschliste sehr lang war. Wir konnten mit allen Top-Mannschaften die Verträge langfristig verlängern - zum Beispiel mit Ghana, Kamerun und der Elfenbeinküste.

          Geht das nur mit Bestechung? Beim Afrika-Cup gab es bisher schon mindestens zwei Versuche, Spiele zu manipulieren.

          Mit den Verbänden, mit denen wir zusammenarbeiten, gibt es diese Problematik nicht. Wo Bestechung eine Rolle spielen könnte, würde es bei uns gar kein Gespräch geben.

          Wie überzeugt Puma die Afrikaner dann?

          Fast jedes afrikanische Team käme am liebsten zu uns. Wir geben ihnen nicht nur einen Ausrüstervertrag und Geld. Wir sind echte Partner, unterstützen zum Beispiel die Jugendarbeit, organisieren Testspiele und finden Trainingslager. Außerdem engagieren wir uns grundsätzlich für Afrika, zum Beispiel mit der Kampagne „United for Africa“ oder „Peace One Day“, und wir lancieren innovative Ideen weltweit über Afrika. Damit haben wir zum Bild des afrikanischen Fußballs positiv beigetragen. Solch ein tiefgreifendes Engagement bietet keiner unserer Wettbewerber.

          Mit neuen Ideen wie dem Kurzarmtrikot oder dem Einteiler der Spieler von Kamerun provozieren Sie immer wieder die Konkurrenz und den Weltfußballverband Fifa. Sind das nicht nur Werbegags?

          Nein, es geht um das innovative Design der Produkte verbunden mit der Funktionalität, zum Beispiel mit dem Ziel, das geringste Gewicht für ein Trikot zu erreichen. Mit unseren Innovationen verstoßen wir nicht gegen Spielregeln, sondern interpretieren diese immer wieder neu und verschieben damit manchmal auch die Grenzen.

          Der Sportartikelmarkt Afrika ist noch winzig. Warum engagieren Sie sich dort trotzdem so stark?

          Dafür gibt es zwei gute Gründe. Zum einen ist Afrika ein Zukunftsmarkt. Zum anderen passt der afrikanische Fußball perfekt zur Marke Puma mit seiner Farbenfreude und Vielfalt, der Leidenschaft der Spieler und der Fans, dem Spaß am Sport. Es geht nicht nur um das Gewinnen. Das Motto „Dabeisein ist alles“ gilt dort noch.

          Puma hat aber auch Weltmeister Italien im Portfolio. Den Ausrüstervertrag haben Sie schon vor der WM 2006 für sieben Jahre bis 2014 verlängert. Müssen Sie nun auch erheblich mehr zahlen - wie Adidas für die deutsche Mannschaft?

          Der Preis ist zwar gestiegen, aber nicht in die Dimensionen, die jetzt gehandelt werden. Zahlen nenne ich aus Wettbewerbsgründen allerdings nicht.

          Würden Sie in einem Bieterwettbewerb mitmischen, in dem es um 20 oder 25 Millionen Euro im Jahr geht? Nike hatte dem DFB sogar 62 Millionen Euro im Jahr geboten.

          Das schließe ich nicht aus. Es hängt von der Strategie ab, von der Mannschaft und den Marktpotentialen. Deutschland war für uns aber kein Thema.

          Warum nicht?

          Der Preis war uns viel zu hoch.

          Das teuerste Engagement von Puma ist in diesem Jahr das Volvo Ocean Race. Dort sind Sie mit einem eigenen Boot zum ersten Mal dabei. Was versprechen Sie sich davon? Segeln ist im Gegensatz zum Fußball kein Massensport.

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