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Im Gespräch: Peter Terwiesch : „Wir brauchen Stromautobahnen von Nord nach Süd“

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Peter Terwiesch: „Wir müssen es schaffen“ Bild: Pilar, Daniel

Die Wirtschaft steht vor der Energiewende. Noch stockt es im Netzausbau. Doch das muss sich bald ändern, sagt der Vorstandsvorsitzende der ABB Deutschland AG. Denn alles andere wäre teuer.

          Herr Terwiesch, was bedeutet die politisch beschlossene Energiewende für die Industrie?

          Für die Hersteller von Techniken zur Herstellung, Übertragung und Verteilung von Strom ist die Energiewende eine große Chance. Der deutsche Markt kann hier eine weltweite Pilotfunktion übernehmen.

          Und wenn wir das nicht schaffen?

          Wir müssen es schaffen. Eine Stunde ohne Strom würde in Deutschland einen Produktionsausfall von einer Milliarde Euro auslösen.

          Wie vermeiden wir, dass diese Situation eintritt?

          Indem wir alle technischen Möglichkeiten der regenerativen Stromerzeugung, der optimalen Stromübertragung, der intelligenten Stromverteilung und der effizienten Nutzung einsetzen.

          Wo sind schon Erfolge zu sehen?

          Die größten Erfolge erzielen wir derzeit in der Energieeffizienz, also im Einsatz energiesparender Geräte. Allein durch die von ABB weltweit vertriebenen Frequenzumrichter, die Elektromotoren an die abgeforderte Leistung anpassen und damit gebrauchsabhängig Strom verbrauchen, werden heute mehr als 100 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß eingespart. Das entspricht dem gesamten CO2-Ausstoß Finnlands.

          Das hört sich nach viel an, ist da noch Potential drin?

          Noch sehr viel. 42 Prozent der Elektrizität gehen weltweit in die Industrie. Davon zwei Drittel in rotierende Motoren. Und davon sind global erst zehn Prozent mit modernen Frequenzumrichtern ausgestattet.

          In der öffentlichen Diskussion spielt die Stromübertragung eine größere Rolle als die Energieeinsparung. Der Transport des in Windkraftparks in der Nordsee gewonnenen Stroms nach Bayern scheint die größte Herausforderung. Schaffen wir das technisch oder nicht?

          Ja, wir schaffen das, wenn wir das Netz rechtzeitig umbauen. Das heutige auf 400 Kilovolt ausgelegte Hochspannungsnetz ist nicht auf den Ferntransport ausgelegt. Was wir brauchen, sind Stromautobahnen von Nord nach Süd. In einem zweiten Schritt müssen diese Stromautobahnen verknüpft werden, national wie grenzüberschreitend.

          Und wie geht das technisch?

          Deutschland ist Pionier in der Hochspannungsgleichstromübertragung. Das sind Netze, die hohe Strommengen mit ganz geringen Energieverlusten über weite Strecken transportieren.

          Ist die Technik ausgereift?

          Ja. ABB hat in einer Pionierleistung den Windkraftpark Borwin I mittels einer Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ) über 120 Kilometer im Meer und dann weitere 80 Kilometer über Land an das bestehende Netz angeschlossen. In China hat ABB die leistungsstärkste Stromübertragungsleitung gebaut, die 6400 Megawatt über 2000 Kilometer transportiert. Zusammenfassend kann man sagen, die Technik für eine energieeffiziente Stromübertragung über große Entfernungen ist gegeben.

          Warum stockt dann der Ausbau?

          Das müssen Sie die Stromnetzbetreiber fragen. Aber vor dem Bau sind natürlich Fragen der Finanzierung, der Risiken, der Haftung und der Kapazitäten der Zulieferer zu klären.

          Für die Kapazitäten der Zulieferer ist auch ABB verantwortlich. Ist ABB auf den Ausbau des deutschen Stromübertragungsnetzes vorbereitet? Nach einer Studie der Deutschen Energieagentur geht es in einem ersten Schritt um 3600 Kilometer.

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