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Im Gespräch: Paul van Son : "Es wird ein Grab für uns alle, wenn wir nichts machen"

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„Man darf nie die Gefühle der Bevölkerung unterschätzen”: Paul van Son Bild:

Solarstrom aus der Sahara nach Europa zu bringen wird teurer als die Mondlandung. Angesichts des Klimawandels sieht Paul van Son, Geschäftsführer der Desertec Industrial Initiative (DII), im F.A.Z.-Interview aber keine Alternative zu dem Mammutprojekt.

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          Herr van Son, seit einem Jahr führen Sie das Wüstenstrom-Projekt Desertec. Jetzt laden Sie zur ersten Konferenz nach Barcelona ein. Was soll das bringen?

          Es wird keine Konferenz im eigentlichen Sinne sein. Wir werden nichts beschließen und auch keine Weichenstellungen vornehmen. Zielsetzung ist es, unsere mittlerweile mehr als 50 Partner und viele weitere Teilnehmer zu versammeln und mit ihnen praxisbezogen, zwanglos und vor allem ergebnisoffen die Herausforderungen des Zeitalters der erneuerbaren Energien zu besprechen. Es gibt eine Reihe von Schwierigkeiten und Kontroversen, die Barcelona nicht gleich aus dem Weg räumen kann. Aber ich erhoffe mir, dass wir mehr Durchblick bekommen, was geht und was nicht geht, was sinnvoll ist und was nicht.

          Also ein gemütliches Kaffeekränzchen in einer schönen Stadt am Mittelmeer?

          Kaffeetrinken ist natürlich eine wichtige Komponente. Im Ernst: Ein Jahr nach Gründung der Desertec-Initiative DII treffen zum ersten Mal alle Beteiligten zusammen: 18 Gesellschafter und 32 assoziierte Partner aus Nordafrika, aus dem Mittleren Osten und aus Europa, um über unser großes Thema zu reden, die Stromerzeugung in der Wüste. Wir erwarten Gesprächspartner aus Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten und dem Nahen Osten. Einzelkontakte hat es ja schon zur Genüge gegeben. Aber alle zusammen, das ist eine Premiere. Partnerschaftlicher Austausch und Dialog, darum geht es. Es gibt unter den Teilnehmern so viele unterschiedliche Interessen, die müssen auf einen Nenner gebracht werden.

          Fühlen Sie sich als Chef der Initiative zu sehr unter öffentlichen Druck gesetzt?

          Die Erwartungshaltung ist sehr groß, und zwar zu Recht. Desertec ist eine Vision. Wir wollen die drei Regionen Europa, den Nahen Osten und Nordafrika durch eine neue Energiepartnerschaft einander näher bringen. Eine große Entwicklung, für die wir bis 2012 die Weichen stellen wollen. Da steckt alles noch in den Kinderschuhen.

          Noch immer in den Kinderschuhen, nach einem Jahr?

          Eindeutig. Wir haben zunächst eine Bestandsaufnahme gemacht, um alle wesentlichen Fragen im Kern zu erfassen: Stromerzeugung, die Kosten, die Technologien, die Verteilung von Strom in der Region und nach Europa, die Preise für Lieferung und Transport - all das sind Fragen, die wir bestenfalls im Ansatz beantworten können. Auch das regulatorische Umfeld in Nordafrika, im Nahen Osten und in Europa muss analysiert werden, um Finanzierungen zu klären. Es geht um Arbeitsplätze, Wissenstransfers, um die weitere Industrialisierung in den potentiellen Stromerzeugungsländern. Wir wollen dazu auch mehr Unternehmen aus der Region einbinden...

          ... was Ihnen bisher nicht gelungen ist.

          Wir haben mittlerweile drei Gesellschafter aus Nordafrika. Und wir sind zuversichtlich, dass sich demnächst ein weiterer Konzern aus Ägypten unserer Initiative anschließt.

          Und wann sehen wir das erste Kraftwerk in der Wüste?

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