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Im Gespräch: P & G-Chef McDonald : „Wir müssen konstruktiv unzufrieden mit uns sein“

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Wir haben Vertrauen in unser Management-Team. Wir haben die richtigen Leute an den richtigen Plätzen.

Hat Procter & Gamble größere Akquisitionen erst einmal eingestellt? In jüngster Zeit scheinen Sie jedenfalls sehr viel mehr verkauft als gekauft zu haben...

Wir überprüfen ständig unser Portfolio mit dem Ziel, dass es unsere Wachstumsambitionen erfüllt. Es wird Zeiten geben, in denen wir mehr kaufen als verkaufen und umgekehrt.

Wie stellen Sie sich mit Ihren Produkten und Ihrer Produktion auf die Veränderungen und das Wachstum in aufstrebenden Regionen der Welt ein?

Unser Geschäft in diesen Regionen steht heute für rund ein Drittel unseres Umsatzes - das alleine übersteigt die Gesamtgröße vieler unserer Wettbewerber. Wir haben noch viele, viele weiße Flecken. Procter & Gamble ist inmitten einer der größten Kapazitätsausweitungen in unserer 175 Jahre währenden Geschichte: Zwischen 2010 und 2015 bringen wir 20 neue Werke rund um die Welt ans Netz. Mit einer Ausnahme sind alle Standorte in aufstrebenden Ländern. Lassen Sie mich ein paar Beispiele nennen: Wir haben unser Mundpflegegeschäft in Lateinamerika ausgeweitet und gleichzeitig die Marke Vicks in Russland eingeführt. Ein anderes Beispiel ist Safeguard-Seife, die unlängst in sieben afrikanischen Ländern eingeführt worden ist.

Sind Produkte von Procter & Gamble nicht grundsätzlich zu teuer, um sich stärker in solchen aufstrebenden Regionen zu etablieren?

Ich denke, unsere Ergebnisse zeigen, dass wir schon stark etabliert sind. Im Jahr 2000 standen diese Märkte für einen Umsatz von 8 Milliarden Dollar, jetzt sind es 32 Milliarden Dollar. Das sind 10 Milliarden Dollar mehr, als jeder andere Konsumgüterkonzern hat. Unser Ziel ist es, das Wachstum der Märkte selbst zu beschleunigen und gleichzeitig unsere Anteile zu erhöhen. Das gelingt uns auch. Der Haarpflegemarkt in Brasilien ist in vier Jahren um 45 Prozent gewachsen, und unsere Marke Pantene konnte ihren Anteil daran in diesem Zeitraum fast vervierfachen. Unsere neue Wachstumsstrategie besteht darin, uns auf unsere 40 größten Geschäfte, unsere 20 wichtigsten Innovationen und unsere zehn Topmärkte unter den aufstrebenden Regionen zu konzentrieren - also auf die Bereiche, auf die es am meisten ankommt.

Und welche Rolle spielt Deutschland in Ihrer Strategie noch?

Deutschland bleibt ein Schlüsselland für Procter & Gamble. Es ist für uns außerhalb der Vereinigten Staaten das Land mit den meisten Mitarbeitern, es ist ein entscheidender Teil unseres Europa-Geschäfts, und wir investieren. In den vergangenen Monaten haben wir unser Logistikzentrum in Crailsheim und eine Produktionslinie in Berlin ausgeweitet.

Sie haben in diesem Jahr Markenrechte für einen Teil der Braun-Produkte an DeLonghi verkauft. Wie wichtig ist Braun für Sie und für Procter & Gamble überhaupt noch?

Das Modell des Verkaufs der Markenrechte hat sich bei Braun bewährt. Wir haben zum Beispiel das Uhrengeschäft von Braun an Zeon Limited lizenziert und die Gesundheitsprodukte an Kaz Inc. Jetzt bekommt das Geschäft mit kleinen Haushaltsgeräten die Chance, durch eine Lizenzvereinbarung von einem Verbund mit DeLonghi zu profitieren, während wir unsere Investitionen auf die Teile von Braun fokussieren können, die nach unserem Glauben die besten Möglichkeiten haben, langfristig erfolgreich zu sein und zu wachsen. Wir bekennen uns weiter klar zu Braun.

Turbulentes Jahr

Robert McDonald hat ein turbulentes Jahr an der Spitze von Procter & Gamble erlebt. Der Konzern aus dem amerikanischen Cincinnati legte wiederholt enttäuschende Zahlen vor und sah sich zu einem Sparprogramm gezwungen. Wohl auch vor diesem Hintergrund stieg im Sommer Hedgefonds-Manager Bill Ackman mit dem Kauf eines größeren Anteils ein - und hat damit den Druck auf McDonald erheblich erhöht. Vor wenigen Wochen konnte sich der Konzernchef mit seinen Quartalszahlen ein wenig Luft verschaffen.

Für eine Entwarnung ist es gleichwohl zu früh: Denn Procter & Gamble musste zugeben, noch immer in einem großen Teil seines Geschäftes Marktanteile verloren zu haben. In Deutschland ist das Unternehmen seit mehr als 50 Jahren vertreten. Beschäftigt werden 126.000 Mitarbeiter im Konzern, darunter mehr als 13.000 in Deutschland.

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