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Im Gespräch: Martin Blessing : „Das steckt keiner so leicht weg“

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„Aus heutiger Sicht sind wir gut kapitalisiert” Bild: Rainer Wohlfahrt

Commerzbank-Chef Blessing schließt weitere Kapitalhilfen durch die Bundesregierung nicht aus. Im Interview spricht er über Kraftakte in der Krise, die schwierige Integration der Dresdner Bank und warum der Staat noch lange sein Aktionär bleiben wird.

          Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Kapitalhilfen durch die Bundesregierung nicht aus. Im Interview spricht er über Kraftakte in Zeiten der Krise, die schwierige Integration der Dresdner Bank und warum der Staat noch lange Zeit sein Aktionär bleiben wird.

          Herr Blessing, Sie haben abgenommen. Statt Hemden Größe 40 tragen Sie nur noch 39. Wie stark zehrt die Krise?

          Das kostet schon Kraft! Derzeit passieren Dinge, die man sich vor sechs Monaten nicht hätte träumen lassen. Das steckt keiner so leicht weg.

          Der Kurs der Commerzbank ist seit dem Herbst von mehr als 20 Euro auf weniger als drei Euro gefallen. Was ist denn eine Staatsbank wert, die nichts mehr wert ist?

          Also bitte: Die Commerzbank ist keine Staatsbank, sondern eine Bank mit staatlicher Beteiligung. Aber natürlich ist der Kurs alles andere als zufriedenstellend. Da muss man nicht drumherum reden.

          Hatten nicht auch Sie erwartet, dass der Aktienkurs nicht weiter in Richtung Null sinkt, wenn der Staat mit Milliarden für Ihre Bank garantiert?

          Von Null kann keine Rede sein. Aber es ist klar: Wenn überall auf der Welt die Kurse der Banken in den Keller rauschen, können wir uns davon nicht abkoppeln.

          Sie lenken ab. Wie wollen Sie Investoren überzeugen, eine Commerzbank-Aktie zu kaufen? Sie zahlen keine Dividende. Was in Zukunft reinkommt, geht zunächst als Zinsen an den Staat und nicht an die Aktionäre.

          Sie haben vielleicht recht, was die kurzfristige Perspektive betrifft. Wenn ein Investor sagt: Ich will in kürzester Frist möglichst viel Geld verdienen, dann sind Banken und auch die Commerzbank derzeit für ihn nicht gerade das ideale Investment. Das ist aber auch nicht unser Ziel. Viele Banken haben zu lange auf die kurzfristige Entwicklung des Aktienkurses geschaut. Wir wollen Aktionäre langfristig an uns binden.

          Jetzt rechtfertigt die allgemeine Schelte der Kurzfristigkeit sogar noch die schlechte Performance einer Aktie?

          Ich habe immer gesagt, die Übernahme der Dresdner Bank ist ein langfristiges Projekt. Es stimmt: Wir zahlen für 2008 keine Dividende, und auch für 2009 nicht. Aber langfristig schaffen wir mit der Übernahme Werte für unsere Aktionäre. Weil wir das Kerngeschäft der neuen Bank stärken, das Privatkundengeschäft und das Mittelstandsgeschäft.

          Die Allianz hat für die Dresdner Bank gerade einen Verlust von 6,4 Milliarden Euro ausgewiesen. Nicht eben eine Perle, die Sie da gekauft haben.

          Dass die Dresdner Bank ein äußerst schwieriges Jahr hinter sich hat, ist klar. Deshalb haben wir nach der Ankündigung der Übernahme zweimal die Bedingungen mit der Allianz nachverhandelt. Dabei aber bitte nicht vergessen, dass zum Beispiel das Privat- und Firmenkundengeschäft intakt ist. Zusammen sind wir jetzt die klare Nummer eins in Deutschland.

          Sie haben einen Teil der Lasten auf die Allianz zurückverlagert.

          Wir haben uns Ende November an einen Tisch gesetzt und dann noch einmal Anfang Januar. Und haben gemeinsam überlegt, wie wir die Transaktion, die beide Seiten wollten, und die im Interesse aller ist, noch retten können.

          Als Ihnen das Ausmaß der Verluste klarwurde: Haben Sie da überlegt, die Dresdner Bank einfach an die Allianz zurückzugeben?

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