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Im Gespräch: Karstadt-Interessent Berggruen : „Die Deutsche Bank spielt mit dem Feuer“

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Karstadt-Investor Berggruen: „Ich kann nicht überblicken, welche kommerziellen Interessen Borletti und die Deutsche Bank verfolgen. Ich kann nur sagen, die spielen mit dem Feuer und der Zukunft von Karstadt” Bild: ddp

Nicolas Berggruen will Karstadt kaufen. Die Verträge sind wohl unterschriftsreif - und doch kommt der Verkaufsprozess nicht voran. Schuld daran ist die Deutsche Bank, sagt Berggruen im Gespräch mit der F.A.Z.: „Es ist sehr gefährlich, was da jetzt abläuft.“

          Herr Berggruen, in den letzten Wochen ist es ruhig um Sie geworden. Manche zweifeln schon: Haben Sie überhaupt noch Interesse an Karstadt?

          Mehr denn je. Wenn ich mich engagiere, dann engagiere ich mich voll. Das zeigen alle meine bisherigen Investments. Allerdings konzentrieren wir uns darauf, unsere Arbeit zu machen und endlich zu einem erfolgreichen Ende zu kommen. Und es ist sehr viel Arbeit zu tun. Ich spreche gerne mit den Medien, wenn es dazu dient, Transparenz zu schaffen.

          Sie haben am Dienstag Einladungen an das Vermieterkonsortium Highstreet verschickt, um noch vor dem 2. September die Mietverträge für die Häuser zu unterzeichnen. Sie wurden sofort ausgeschlagen. War es nicht absehbar, dass es so nicht funktionieren würde?

          Wir haben am 9. Juni den Kaufvertrag mit dem Insolvenzverwalter unterschrieben. Wir hatten die Unterstützung von vielen wichtigen Parteien, von den Mitarbeitern, dem Management, den Kunden und nicht zuletzt den Stadtvätern. Es fehlt nur noch die Unterschrift der Vermieter…

          Ein in Bronze gegossener Bergmann in Essen: Wohin geht der Weg von Karstadt?

          Dies gestaltet sich mehr als schwierig.

          In der Tat; wir haben seit dem 13. August 2010 einen fertig verhandelten Mietvertrag schriftlich vorliegen. Dieser muss bis zum 2. September unterschrieben sein. Denn sonst geht Karstadt in die Liquidation.

          Und diesen Prozess wollten Sie jetzt beschleunigen?

          Nennen Sie mir einen vernünftigen Grund, warum wir bis zur letzten Sekunde warten sollen. Wir wollen nicht das Risiko eingehen und erst am allerletzten Tag auf den Punkt kommen. Die Verträge liegen vor und alle wirtschaftlichen Details sind längst geklärt, und zwar auch in Kooperation mit den Banken, die hinter dem Vermieterkonsortium stehen, also von Goldman Sachs und der Deutschen Bank. Deshalb haben wir für den 31. August eingeladen.

          Aber Sie haben umgehend diese Absage erhalten…

          Ja. Das verstehen wir langsam wirklich nicht mehr.

          Was meinen Sie damit?

          Es gibt einen Mietvertrag, zu dem die Deutsche Bank und Goldman Sachs bereits öffentlich ihre Zustimmung gegeben haben. Und plötzlich passieren sehr merkwürdige Dinge. Mit Maurizio Borletti, der im übrigen Mitglied des High street-Konsortiums ist, taucht ein im Bieterprozess unterlegener Interessent plötzlich wieder auf und erhält dabei sogar die Unterstützung der Deutschen Bank. Das finden wir zum einen nicht sonderlich freundlich. Zum anderen können wir das auch überhaupt nicht verstehen. Denn wir hatten ja zunächst die Unterstützung der Deutschen Bank. Glauben Sie mir, die hinterlassen auf unserer Seite extrem verblüffte Vertragspartner.

          Haben Sie die Verantwortlichen der Bank darauf angesprochen?

          Selbstverständlich, aber es gab keine endgültige befriedigende Antwort. Was wir hören, sind Ausreden, aber es sind keine befriedigenden Ausreden. Ich kann nicht überblicken, welche kommerziellen Interessen Borletti und die Deutsche Bank verfolgen. Ich kann nur sagen, die spielen mit dem Feuer und der Zukunft von Karstadt. Aber Karstadt ist kein Spielzeug. Es ist sehr gefährlich, was da jetzt abläuft. Denn Karstadt verliert viel wertvolle Zeit.

          Was hören Sie von Goldman Sachs, dem zweiten wichtigen Partner des Highstreet-Konsportiums?

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