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Im Gespräch: Jørgen Vig Knudstorp : „Niemand stellt Legosteine besser her als wir selbst“

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„Es war ein Fehler, ein anderes Unternehmen für uns produzieren zu lassen” Bild: F.A.Z. - FOTO DIETER RUECHEL

Nach verlustreichen Jahren ist Lego wieder profitabel. Jetzt nimmt das dänische Familienunternehmen die Produktion wieder in eigene Hände - und genießt die Vorteile eines Standorts mit hohen Löhnen. Ein Gespräch mit Lego-Chef Jørgen Vig Knudstorp.

          Nach verlustreichen Jahren ist Lego wieder profitabel. Jetzt nimmt das dänische Familienunternehmen die Produktion wieder in eigene Hände - und genießt die Vorteile eines Standorts mit hohen Löhnen. Ein Gespräch mit Lego-Chef Jørgen Vig Knudstorp.

          Herr Knudstorp, Lego hat 2008 den Umsatz um fast 19 Prozent gesteigert, für Mitteleuropa haben Sie gerade ein neues Rekordergebnis vorgelegt. Wie sehen die Zahlen insgesamt aus?

          Wir stellen die Konzernbilanz Anfang März vor, aber die Zahlen sehen gut aus. Es wird ein schönes Wachstum geben.

          „Eigentlich gehört Lego in jede Schule”: Jørgen Vig Knudstorp

          Dabei stand Lego vor sechs Jahren wegen zu vieler unprofitabler Nebenschauplätze noch am Abgrund. Jetzt stecken Sie viel Geld in ein neues Online-Spiel. Machen Sie wieder denselben Fehler?

          Nein. Wir hatten unsere eigene kleine Finanzkrise. Wir wuchsen zu schnell, ohne genug zu verdienen, hatten zu hohe Schulden. Wir mussten uns auf das konzentrieren, was wir wirklich gut können - die klassische Turnaround-Geschichte. Das Online-Spiel wird viel mehr mit unserem Kern zu tun haben als frühere Aktivitäten. Uhren mit unserem Logo stellen wir zum Beispiel nicht mehr selbst her, sondern vergeben dafür Lizenzen.

          Aber es ist teuer, ein Online-Spiel zu entwickeln. Warum dieses Risiko?

          An Lego Universe, dem Online-Spiel, arbeitet ein amerikanischer Spezialist mit 70 Entwicklern für uns, das ist eine große Investition. Aber wir sind viel profitabler als früher und können deshalb wieder versuchen, die Zukunft des Spielens zu erfinden. Kinder werden immer echtes Spielzeug haben, aber sie wachsen heute mit dem Internet auf. Deshalb müssen wir auch in der virtuellen Welt präsent sein.

          Was kostet Sie das?

          In Euro gerechnet, geht es um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag für die nächsten drei bis fünf Jahre.

          Hätte Lego seine verlustreichen Jahre zwischen 1998 und 2004 auch dann überlebt, wenn sie mit der Finanzkrise zusammengefallen wären?

          Es wäre viel schwieriger gewesen. Wir haben Schulden umgeschichtet, Immobilien und Freizeitparks verkauft, dafür würden wir heute nicht so schnell Investoren finden. Aber unsere Eigentümer würden uns vermutlich auch jetzt helfen, wieder auf die Beine zu kommen - weil wir zu unseren Wurzeln zurückgefunden haben.

          Bezahlen Sie immer noch die Kredite zurück, die Ihnen die Eigentümerfamilie Kristiansen damals gewährt hat?

          Das ist erledigt. Wir machten einen Umsatz von rund 1 Milliarde Euro und bekamen von der Familie 100 Millionen Euro als Wandelschuldverschreibung. Das war eine Hilfe, aber wir hätten das Geld wohl auch von einer Bank bekommen. Jetzt sind wir wieder eine sehr gute Anlage für die Familie.

          Sie haben für McKinsey gearbeitet, bevor Sie zu Lego kamen. Würden Sie als externer Berater zum Börsengang raten?

          In der Krise, als das diskutiert wurde, hätte sich Lego nur unter Wert verkaufen lassen. Aber ich habe der Familie anfangs vorgeworfen, zu geduldig gewesen zu sein. Die Probleme fingen ja nicht erst 2003 an, sondern zehn Jahre früher. Ein Investmentfonds hätte ganz sicher für mehr Disziplin gesorgt. In den ersten Jahren habe ich mir deshalb vorgenommen, Lego zu führen wie ein Privatinvestor.

          Sie haben Stellen gestrichen und die Produktion ausgelagert - aber diesen Kurs inzwischen wieder verlassen.

          Das waren zwei Schritte nacheinander. Wir haben Fabriken aus Ländern mit hohen Lohnkosten wie Dänemark und der Schweiz nach Ungarn, Tschechien, Slowenien und Mexiko verlagert, das war richtig. Aber es war ein Fehler, ein anderes Unternehmen für uns produzieren zu lassen. Niemand kann Legosteine besser und günstiger herstellen als wir selbst, deshalb stehen wir jetzt wieder hinter gut 85 Prozent unserer Produktion.

          Ist das Familienunternehmen alter Prägung also zukunftsfähiger als gedacht?

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