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Im Gespräch: Hugo-Boss-Chef Lahrs : „Deutsche Männer können es mit allen aufnehmen“

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„Wir sind Boss”: Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs und seine stummen Mitarbeiter in der Konzernzentrale Bild: Rainer Wohlfahrt

Der Modekonzern Hugo Boss hat das beste Jahr seiner Geschichte hinter sich - und hofft auf weitere Steigerungen. Im Interview spricht Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs über den Mythos vom Modemuffel, Metzinger Maßanzüge und gigantische Kursgewinne.

          Herr Lahrs, Hugo Boss hat das beste Jahr seiner Firmengeschichte hinter sich ...

          ... und wir werden uns dieses Jahr noch übertreffen.

          Ihr Aktienkurs hat sich in zwei Jahren versechsfacht. Was ist da los? Tricksen Sie?

          Ganz gewiss nicht. Die Zahlen sprechen für sich. Wir sind 2010 zweistellig gewachsen, und so geht es weiter. Für 2011 rechnen wir mit nahezu zwei Milliarden Euro Umsatz und einer überdurchschnittlichen Gewinnsteigerung.

          Das sah vor zwei Jahren, als wir das letzte Mal hier saßen, ganz anders aus.

          Das war mitten in der Krise, und wir wussten nicht, wie schnell sich die Märkte für Luxusgüter erholen würden. Das hat uns aber nicht davon abgehalten, unsere Arbeit hier zu erledigen. Boss hat sein Potential lange Zeit nicht ausgeschöpft, war viel schlechter aufgestellt als Gucci, Prada oder Burberry.

          Oh, glamouröse Namen. Greifen Sie da nicht zu hoch?

          In Deutschland sind wir eher erschwinglich, das stimmt. Aber überall sonst auf der Welt trennt uns nicht viel von den Luxusmarken. Wir haben uns in den vergangenen drei Jahren Hugo Boss genau angeguckt, Konsequenzen gezogen und spielen jetzt ganz vorne mit. Wir heißen nach wie vor Hugo Boss, haben den Konzern aber fundamental verändert.

          Sie meinen, wo heute Boss draufsteht, ist kein Boss mehr drin?

          Falsch, es ist mehr Boss drin als je zuvor. Wir haben uns so intensiv mit unseren Produkten beschäftigt wie schon lange nicht mehr. Das merken die Kunden. Wer einen Boss-Anzug kauft, erwartet Qualität, etwas Außergewöhnliches. Das bekommt er bei uns.

          Als Sie vor einem Jahr verkündet haben, 2015 auf 2,5 Milliarden Euro Umsatz zu kommen, hat man sich über Sie lustig gemacht.

          War das so?

          Ja. Keiner konnte sich erklären, warum Sie so hochtrabende Zahlen nennen.

          Ich wusste sehr genau, wovon ich spreche. Ich habe nicht nur konkrete Zahlen genannt, ich habe auch genau gesagt, wie wir dahin kommen.

          Und? Was trägt Ihre Handschrift?

          Der Wandel zum Einzelhändler beispielsweise. Wir haben gesehen, dass wir in unseren eigenen Shops mehr Geld verdienen als in Kaufhäusern. Also haben wir entschieden: Wir werden Retailer. Wir eröffnen viel mehr Geschäfte in Eigenregie, 544 sind es jetzt. Vor allem in Asien ist dies wichtig, da es dort keine starken Kaufhaus-Ketten gibt.

          Ihre Strategie, auf China zu setzen, scheint aufzugehen.

          Auf jeden Fall. China wird in diesem Jahr hinter Deutschland und Amerika unser drittgrößter Markt.

          Was lieben die Chinesen an Boss?

          Vor allem unsere Luxuslinie Boss Selection. Wir haben dort die ersten reinen Selection-Shops eröffnet, die nur Anzüge ab 600 Euro aufwärts anbieten. Das funktioniert hervorragend.

          Und in Deutschland?

          In Deutschland verkaufen wir vor allem Anzüge zwischen 400 und 500 Euro. Der chinesische Kunde ist anders gepolt. Er kennt billig oder edel. Bei Boss fragt er immer nach dem teuersten Produkt. Deshalb bieten wir ab Herbst in Schanghai und Singapur auch maßgeschneiderte Anzüge an.

          Warum der Ausflug ins Spitzen-Metier? Sie sind ein Spezialist für Anzüge von der Stange.

          Unsere Kunden wünschen das. Wir proben das Konzept deshalb auch in Frankfurt. Wir besitzen das Knowhow, glauben Sie mir. Wir sind Boss. Wer sonst weiß, wie man schneidert?

          Wie teuer wird Ihr Maßanzug?

          Je nach Stoff zwischen 1800 und 3000 Euro.

          Damit kommen Sie kaum auf riesige Stückzahlen.

          Darum geht es nicht. Wir rechnen damit, dass zukünftig in Deutschland bei mehr als 1000 unserer heutigen Konsumenten dieser Service ankommt. Das sind interessante Meinungsführer, die unsere Marke weitertragen.

          Sie haben an vielen Stellen im Konzern gespart. Unter anderem, indem Sie die Kollektionen radikal verkleinert haben.

          Die Kollektionen waren ausufernd, als ich kam. Wir haben mal untersucht, welche Kleidungsstücke wir an allen Verkaufspunkten weltweit anbieten. Gefunden haben wir nur zwei: ein Jersey-Shirt und einen Schal. Das ging so nicht. Boss muss ein scharfes Profil haben.

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