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Im Gespräch: Berthold Huber : „Arbeitnehmer sind die besseren Aktionäre“

  • Aktualisiert am

„In der Krise bringen die Arbeitnehmer Opfer, dafür verlangen sie nun eine Gegenleistung” Bild: Wolfgang Eilmes

IG-Metall-Chef Berthold Huber erklärt, warum die Gewerkschaft Anteile an VW, Opel, Daimler und Schaeffler beansprucht. „In der Krise bringen die Arbeitnehmer Opfer, dafür verlangen sie nun die Gegenleistung. Sie wollen etwas zu sagen haben in den Unternehmen.“ Rainer Hank und Georg Meck haben mit ihm gesprochen.

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          IG-Metall-Chef Berthold Huber erklärt, warum die Gewerkschaft plötzlich Anteile an VW, Opel, Daimler und Schaeffler beansprucht.

          Herr Huber, die IG Metall will bei VW, Daimler, Opel und Schaeffler Aktionär werden. Warum?

          Nicht die Gewerkschaft, die Belegschaften sollen Miteigentümer werden. Der Grund ist einfach: Wir wollen die Möglichkeiten der Mitwirkung der Belegschaften erweitern, die sollen etwas zu sagen haben in den Unternehmen.

          „Erst ab fünf Prozent haben Aktionäre wirklich etwas zu sagen. Und wenn die Belegschaft 20 Prozent kriegen kann, warum sollen wir dann nein sagen?”

          Eine nette Gesellschaft kommt da bei VW künftig in der Eigentümerversammlung zusammen: Scheich und Scheicha von Qatar, die Familien Porsche und Pich, das Land Niedersachsen und die IG Metall. Wissen Sie, worauf Sie sich einlassen?

          Wir kennen die alle. Uns ist vor niemandem bange. In Ihrer Aufzählung haben Sie übrigens die Beschäftigten vergessen.

          Deutschland hat heute schon eine üppige Mitbestimmung: Warum müssen Sie jetzt auch noch Aktionär werden?

          Warum nicht? Beschäftigte sind gute Aktionäre, interessiert am langfristigen Erfolg der Unternehmen. Wenn es einen stabilen Anker gibt, dann sind es die Beschäftigten. In der Krise bringen die Arbeitnehmer Opfer, nehmen Lasten ab. Dafür verlangen sie nun eine Gegenleistung.

          In Form von Anteilen an den Konzernen.

          Genau.

          Welche Höhe von Beteiligungen schwebt Ihnen vor?

          Das wird sich zeigen und hängt vom konkreten Unternehmen ab; es wird mal ein Prozent sein, dann vielleicht zehn Prozent.

          Im Fall von Opel und VW haben Sie schon zehn Prozent gefordert.

          Erst ab fünf Prozent haben Aktionäre wirklich etwas zu sagen. Und wenn die Belegschaft 20 Prozent kriegen kann, warum sollen wir dann nein sagen?

          Sie wollen kein Geld ausgeben, die Aktien nicht an der Börse kaufen, sondern als Gegenleistung – wofür?

          Für das, was die Belegschaft beigetragen hat: Bei Daimler ist vereinbart, die Ergebnisbeteiligung 2008, ein dreistelliger Millionenbetrag, in eine Kapitalbeteiligung der Mitarbeiter umzuwandeln. Im Fall von Opel sollen die Mitarbeiter so viel einbringen, wie jeder der potentiellen Investoren bietet. Und in Wolfsburg haben wir vor wenigen Jahren einem Tarifvertrag zugestimmt, der die Arbeitszeit hochsetzt, ohne vollständigen Ausgleich beim Entgelt. Wir haben das Unternehmen geschützt. Dafür hat die Belegschaft jetzt den Anspruch darauf, dass die Arbeitsplätze gesichert werden und sie am Unternehmen beteiligt wird.

          Es geht Ihnen also nicht um Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand oder Investivlöhne, sondern um Mitsprache, um die Macht im Unternehmen.

          Sie haben mich schon richtig verstanden: Es geht nicht abstrakt um Macht. Unser Antrieb ist die Stabilisierung der Arbeitsplätze.

          Wer soll die Aktien verwalten?

          Die Anteile könnten in Stiftungen gebündelt werden oder in Beteiligungsgesellschaften, die dann Ansprüche formulieren, wie jeder andere Investor das auch tut.

          Die IG Metall wird zur Private-Equity-Gesellschaft, eine putzige Vorstellung.

          Es geht um die Belegschaft, nicht um die IG Metall. Auch gegen den Vergleich mit Private Equity wehre ich mich. Die F.A.S. braucht keine Angst zu haben: Es gibt keinen Generalangriff auf deutsche Unternehmen. Ich habe bislang auch keinen Realkapitalisten gehört, der gegen unsere Pläne wäre. Im Gegenteil: Die Unternehmen kommen zu uns, fragen, wie wir ihnen aus der Not helfen können, gerade wegen der unverschämten Politik der Banken und Heuschrecken, deren Kreditzinsen und Forderungen sie nicht mehr tragen können. Im Gegenzug bieten sie uns Beteiligungen an.

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