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Im Gespräch: BASF-Chef Hambrecht : „Wir müssen unsere Absatzpreise erhöhen“

  • Aktualisiert am

„Wir reden zuerst mit unseren Kunden” Bild: Röth, Frank

Energie wird teuer. Das spüren auch Kunden des größten Chemiekonzerns der Welt. Einen Sozialtarif für Gas oder eine Abkopplung des Ölpreises vom Gaspreis hält der Chef von BASF aber für abwegig.

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          Energie wird teuer. Das spüren auch Kunden des größten Chemiekonzerns der Welt. Einen Sozialtarif für Gas oder eine Abkopplung des Ölpreises vom Gaspreis hält der Chef von BASF aber für abwegig.

          Herr Hambrecht, der Ölpreis steigt und steigt. Wo soll das noch hinführen?

          Die wirtschaftliche Situation weltweit ist deutlich schwieriger geworden. Schauen Sie nur, wie sich jüngst der Automobilmarkt in den Vereinigten Staaten entwickelt hat.

          „Eine neue Balance zwischen Wirtschaftlichkeit, Ökologie und Sozialem”

          Wie stark belastet der hohe Ölpreis die BASF?

          In einigen Arbeitsgebieten der Chemieindustrie wird kaum noch Geld verdient. Das gilt etwa für Cracker, also Anlagen, die aus Öl chemische Vorprodukte herstellen. Allein die BASF setzt im Jahr 100 Millionen Barrel Öl und vergleichbare Einheiten an Erdgas ein.

          Welche Folgen hat der Ölpreisanstieg also in Ihrem Zahlenwerk?

          Allein in unserem Öl- und Gasgeschäft machen zehn Dollar Unterschied beim Ölpreis 900 Millionen Euro Umsatz und beim Ergebnis 70 Millionen Euro nach Steuern aus.

          Und der immer schwächere Dollar?

          Zehn Dollarcent pro Euro führen in unserem Geschäft weltweit zu einer Veränderung von 2,5 Milliarden Euro beim Umsatz und 400 Millionen Euro beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern.

          Was folgt aus dieser Situation?

          Wir müssen handeln.

          Wie?

          Unter anderem müssen wir die Absatzpreise erhöhen.

          In welcher Größenordnung wird das geschehen?

          Deutlich. Das geht bei einigen Produkten in einer Größenordnung bis zu einem Fünftel.

          Ihr amerikanischer Konkurrent Dow hat kürzlich Preiserhöhungen von bis zu 20 Prozent für die gesamte Produktpalette angekündigt. Glauben Sie, dass Sie das bei Ihrer Kundschaft überhaupt durchsetzen können?

          Wir reden zuerst mit unseren Kunden. Dabei geht es um Problemlösungen. Solche Preiserhöhungen sind leichter zu akzeptieren, wenn wir den Kunden zugleich zu einem Zusatznutzen gegenüber deren Abnehmern beziehungsweise zu einer höheren Produktivität verhelfen.

          Würde Ihnen eine Abkoppelung des Gaspreises vom Ölpreis helfen?

          Keineswegs. Gegenwärtig ist Gas ja noch billiger als Öl, weil der Gaspreis mit etwa sechsmonatiger Verzögerung im Verhältnis zum Ölpreis bestimmt wird. Eine Entkoppelung würde an der Preisentwicklung aber auch nichts ändern, denn der Markt, also die Anbieter würden sich weiterhin nach den aktuellen hohen Ölpreisen richten! Vor allem aber: Die Verbraucher hätten es mit viel stärkeren Schwankungen zu tun, die ihnen ja beim Öl so stark zusetzen.

          Brauchen die Deutschen angesichts dieser Entwicklung einen Sozialtarif für Gas?

          Nein! Das löst doch das Problem nicht. Wir brauchen angesichts der Belastungen, denen das Land durch die hohen Energiepreise ausgesetzt ist, vor allem nachhaltige Lösungen und nicht immer wieder neue Umverteilungsmechanismen. Das heißt, wir brauchen eine neue Balance zwischen Wirtschaftlichkeit, Ökologie und Sozialem.

          Was soll das heißen?

          Wir brauchen keine Sozialtarife. Der hohe Ölpreis ist doch erst mal ein Weckruf an die Politik und die Gesellschaft für mehr Energie-Effizienz. Das ist der kulturelle Wandel, den wir brauchen. Die wichtigsten Stichworte heißen Altbausanierung, eine bessere Konzeption von Neubauten und effizientere Technik in den Autos und in den Haushalten. Dazu brauchen wir ein geschlossenes Konzept. Völlig außer Balance ist doch zum Beispiel die Förderung für Solarstrom in Deutschland. Das frisst viel zu viel Geld. Die größte Energiequelle hat Deutschland im Land selbst. Und die heißt Energie sparen und wirkungsvoller einsetzen.

          Das sagen die Grünen seit zwanzig Jahren.

          Ja, und wir liefern die Technologien dazu. Schließlich können wir nur das umsetzen, was tatsächlich machbar und finanzierbar ist.

          Und davon würde die BASF als einer der größten Hersteller von Dämmmaterial für Häuser dann auch schön profitieren?

          Es geht doch um viel mehr. Es betrifft viele andere Firmen, vor allem aber jeden Einzelnen von uns.

          Dann gibt es also gute und schlechte Subventionen? Sozialtarife sind schlecht; die Förderung für die Altbausanierung ist gut?

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